HAVOK - Confirmicide

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VÖ: 10.03.2017
Bandinfo: HAVOK
Genre: Thrash Metal
Label: Century Media Records
Lineup  |  Trackliste

Nachwuchskapellen wie WARBRINGER, BONDED BY BLOOD oder LAZARUS AD ließen vor einigen Jahren frischen Wind durch die angestaubten Thrash-Gassen fegen. Vorne mit dabei waren auch die seit 2004 aktiven HAVOK, die sich wie die meisten dieser Combos am Vermächtnis ihrer Bay Area-Helden orientierten. Das neue Jahr 2017 läuten die Amerikaner mit ihrem vierten Studiodreher ein, der mit seinem Slap-Bass (Four- bzw. Fivestringer Nick Schendzielos ist neu mit an Bord) eingangs funky Vibes versprüht und gleich das flotte, angepißte „F.P.C.“, als Opener hinterherschießt. Fronter David Sanchez keift sich anschließend in bester EXODUS-Manier durch das stringente „Hang ´Em High“ und zieht sich nach „Fuckin´ Political Correctness“ einmal mehr die dem Thrash immanenten sozialkritischen Stiefel an. Schon bei „Dogmaniacal“ (mit MEGADETH-Anleihen) zeigt sich der Pferdefuß des neuen Drehers, weil sich HAVOK ein wenig in zu langen Tracks wie dem eigentlich lässigen Gangshouter „Intention To Deceive“ und dem technisch angehauchteren „Ingsoc“ verlieren.

HAVOK erliegen damit ein wenig dem EXODUS-Phänomen, das sich auf deren letztem Album „Blood In, Blood Out“ offenbarte und seinen Höhepunkt im ewig ausgewalzten Rausschmeißer „Circling The Drain“ findet. Thrash-Geschichte schrieb und schreibt man mit knackigen, mitbrüllbaren Nackenbrechern. Man merkt, dass die Jungs aus Denver um Nuancierung in ihrem Sound bzw. Abwechslung während der mit 62 Minuten zu lang geratenen Spielzeit bemüht sind. Es wird ein amtliches Brett gebraten, es regiert zackiges Geriffe und erhöhter technischer Anspruch, aber es finden sich viel zu wenige Anker, an denen sich das Ohr orientieren kann, auch das beliebige „Wake Up“ hätte in der Hälfte seiner Spielzeit wohl weit mehr ausrichten können. Wo die SUICIDAL ANGELS oder die Spanier ANGELUS APATRIDA den Sack zumachen und kompromisslos wie variabel, und dennoch immer auf dem Punkt kommend agieren, regiert bei den Amis doch ein wenig Zerfahrenheit, obwohl sie eigentlich wohl nur für Abwechslung sorgen wollen.

Das flirrende „Masterplan“ ist dank Gangshouts wieder griffiger und besser geraten und auch „Peace Is In Pieces“ wirkt wieder homogener und kompakter, allerdings findet sich auf „Conformicide“ kein „Point Of No Return“ oder „D.O.A.“. Auf den Bühnen hat es das Quartett unzweifelhaft drauf und überzeugt mit Herzblut und Spielwitz, auf Tonträger versteht es das Quartett jedoch abermals nicht, auf ganzer Länge zu überzeugen. Man merkt dem Vierer zwar das Bemühen an, mit Variabilität punkten und für Abwechslung sorgen zu wollen. Unterm Strich ist Conformicide“ aber eine verpasste Chance, die Qualitäten der Combo zielgerichtet bei der Fangruppe zu platzieren, auch wenn ansonsten explosiv gethrasht und gerifft wird. Symptomatisch auch das PANTERA-Cover, das dem Original in keiner Weise (weder in puncto Groove, Wucht, Riffing noch hinsichtlich der Vocals) das Wasser reichen kann.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (10.03.2017)

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