HULDRE - Tusmørke

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VÖ: 03.11.2016
Bandinfo: HULDRE
Genre: Folk Metal
Label: Gateway Music
Lineup  |  Trackliste

Was kann schöner sein, als sich nach einem harten Tag mit seinen engsten Freunden vor einem Herdfeuer zu versammeln und sich dabei auszutauschen? Es gibt Essen, mehr als genug zu trinken und im Hintergrund hört man den sanften Klang der Flöten und Geigen der Barden, die die Gäste der lokalen Taverne mit ihrer Musik zu begeistern wissen und die Lasten des Alltags, zumindest für diesen einen Abend, von ihnen abfallen lassen. Ein schönes und heimeliges Szenario. Ein Szenario, das man selbst mal gerne erleben würde? Nun ja, auch wenn die Musiker von HULDRE weder mit Met noch mit Hammelbraten dienen können, so können sie das durchaus mit Folk Metal der besonnenen Art, der die Sinne ihrer Hörer zu beruhigen und zu verzaubern versteht. Das Instrument, das dafür benutzt werden soll, ist eindeutig zu erkennen: Eine ganz große Menge Folk, der mit einigen Metal-Elementen aufgelockert wird, das dabei dann noch so gut verträglich und harmonisch wie möglich, und fertig ist das neue Album! Das Konzept der dänischen Barden ist dabei anscheinend weniger, den Hörer mit etwas völlig Neuem zu überwältigen, sonder viel eher, ihm etwas Bekanntes zu bieten und dies mit dem ein oder anderen Twist aufzupolieren. Muss man das mögen? Nein. Sollte man es deswegen gleich von Anfang an verurteilen? Ebenfalls nein. Aber genug darüber nachdacht, was sein könnte! Zeit herauszufinden, was das sanfte „Tusmørke“ den Hörern wirklich zu bieten hat und ob es aus der sanften Grundstimmung heraustreten kann. Stille Wasser können ja auch sehr tief sein, wie man sich erzählt...

 

Wie bereits erwähnt erwartet den Hörer mit „Tusmørke“ keine Revolution des Folk Metal, sondern viel eher eine Verfeinerung des altbekannten Rezeptes. Die Band bedient sich dabei der klassischen Klänge von Flöten, Streichern und anderen Instrumenten, die vor allem im nordisch angehauchten Folk Metal gang und gäbe sind, und das sogar in einem fast schon exzessiven Maße. In so ziemlich keinem Song auf dem Album gibt es einen Moment, der nicht durch die sanften Klänge von Violinen, oder etwa einem Hurdy Gurdy begleitet wird. Hier schreit einfach alles nach Besinnlichkeit und wird für jeden Folk-Enthusiasten ein Ohrenschmaus sein, nicht zuletzt, weil eben gut und gerne ein Drittel des Albums fast reiner Folk ist. Diese über große Teile des Albums sehr gemächliche Gangart wird durch rythmische Gitarren begleitet, welche aber im Gegensatz zu anderen Genrevertretern nur selten in den Vordergrund geschoben werden, sondern eher den Zweck verfolgen, den langen Folk-Passagen Rhythmus zu geben und den Hörer sicher durch das Album führen. In den eher Metal-lastigen Passagen des Albums kommt es zusätzlich zu einer gut funktionierenden Symbiose zwischen Folk und Metal-Elementen. Diese ist zwar weder „neu“ oder „revolutionär“, dennoch funktioniert sie bei HULDRE zur Genüge. Bei aller Besinnlichkeit sollte aber Eines nicht vergessen werden: Bricht die Band einmal aus dem ruhigen Schema heraus, dann tut sie das richtig! Bei Songs wie „Hindeham“ beispielsweise, bricht HULDRE, wenn auch nur für kurze Zeit, komplett mit dem Müßiggang, die Musik nimmt hier sogar Züge des Extreme Metal an und weiß damit sowohl durchaus zu überraschen, als auch ein Stück weit zu irritieren. Momente wie diese werden zum Ende von „Tusmørke“ hin mit Songs wie „Mørke“ mit seinem wachrüttelnden Gitarrensolo zwar zusehens häufiger, verschwinden im überlangen Finale des Albums allerdings wieder fast vollständig. Letztendlich bekennt man sich also doch wieder zur ruhigeren Seite des Folk Metal und macht damit auch nicht zwingend etwas falsch.

 

Bei den Vocals hingegen verlässt sich die Band fast ausschließlich auf Klargesang, der gerne mal an Stimmen aus dem Symphonic Metal erinnert und sich insgesamt wirklich famos in die Musik eingliedert. Die Sängerin Nanna Barslev macht dabei von einem ausgefeilten und sehr variablen Gesangsstil Gebrauch, der sich vor verwandten Genreköniginnen nicht zu verstecken braucht und dem Hörer des Albums wohl am eindeutigsten ins Auge springt, nicht zuletzt, weil auch die Gesangspassagen einen großen Beitrag zur Führung durch das Album beitragen.

 

Alles in Allem ist „Tusmørke“ also ein sehr gut gelungenes Werk, das seinen Schwerpunkt zum größten Teil auf eine besinnliche Stimmung legt, aus der die Band allerdings auch nur sehr sporadisch wieder herauskommt. Das Grundkonzept des ruhigen Folk Metal ist zwar in keinem Falle schlecht, allerdings hat man auch immer wieder einmal das Gefühl, etwas davon schon einmal gehört zuhaben. Indiviualisierung eines altbekannten Musters ist hier wohl eher die Devise, als das Rad neu zu erfinden. Wer also etwas für althergebrachten, entspannenden Folk mit einer ausreichenden Portion Metal übrig hat, der wird von „Tusmørke“ nicht enttäuscht werden! Wer allerdings aufbrausende Epik und Geträller über legendäre Helden hofft, der wird eher enttäuscht werden. Die gesamte Stimmung des Albums lässt sich eben am ehesten mit einem entspannenden Abend an einem Lagerfeuer vergleichen und wohl auch sehr gut bei einem solchen integrieren!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (16.03.2017)

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