AEROSMITH - Back In The Saddle Again (Live Radio Broadcast 1980 & 1984)

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VÖ: 27.01.2017
Bandinfo: AEROSMITH
Genre: Hard Rock
Label: Cannonball
Lineup  |  Trackliste

Cannonball hat sich auf die Wiederveröffentlichung von bereits als Bootlegs erhältlichen Radiomitschnitten spezialisiert. Nach AC/DC und QUIET RIOT wurden nun auch alte Recordings von AEROSMITH wieder auf den Markt gebracht. Disc 1 bietet mit dem lässigen „Rats In The Cellar“ und anderen Preziosen tolle Siebziger-Blues/Hardrocknummern auf und präsentiert die recht frühen AEROSMITH, obwohl die Band zu jenem Zeitpunkt schon rund eine Dekade im Musikzirkus aktiv war. Schon damals (1980) konnte die Band auf zahlreiche Chartpositionen und florierenden Tonträgerabsatz zurückblicken und lieferte nicht zuletzt mit “Rocks”, „Toys In The Attic“ und dem Debutalbum Klassiker des Blues/Hardrock-Geschichte ab. Die aufgrund der Zeitnähe vorliegenden Setlist-Überschneidungen mit dem Konzert auf CD 2 fallen angesichts der Qualität der Titel (der “Get Your Wings“-Klassiker „Train Kept A Rollin'”, „Walk This Way“, „Lick And Promise“, „Three Mile Smile“ oder die Covers „Milk Cow Blues“ und „Big Ten Inch Record“) nicht weiter ins Gewicht, obwohl die Band auf den Debut-Smasher “Dream On” in jenen Tagen (ebenso wie auf „Same Old Song And Dance“ oder „Chip Away The Stone“) im Liveset verzichtete.

Auch wenn kein wirklicher Tadel für die akustische Liveperformance ausgesprochen werden darf (Spezialisten werden wohl das Gitarrenspiel von Joe Perry vermissen), so muß dennoch festgehalten werden, dass sich die Band damals in gröberen Problemen befand, die sich vielfach in den Drogenproblemen der nicht umsonst als „Toxic Twins“ verschrienen Steven Tyler und Joe Perry manifestierten. Doch auch der Rest der Band sollte von all diesen Problemen in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Dämonen forderten mit dem Ausstieg von Joe Perry ihren Tribut, sodaß auf dem ersten Boston-Konzert 1980 Jimmy Crespo an der Gitarre zu hören ist. Für den AEROSMITH-„Normalhörer“ ist der zweite Mitschnitt  (der zum Teil deckungsgleich mit den Tracks auf „Classics Live“-Dreher ist) ein wenig interessanter als der Erste, enthält er doch mit “Back In The Saddle” oder „Mama Kin“ noch heute wichtige Bandstandards. Inzwischen war „Rock In A Hard Place” (1982) erschienen (vom damals aktuellen Longplayer wurde nicht einmal „Lightning Strikes“ performt), das für die Band aber kein nennenswerter Schritt nach vorne war und auch der zweite Sixstringer, Brad Whitford, hatte das mehr und mehr schlingernde Schiff verlassen und wurde durch Rick Dufay ersetzt. Das zweite Heimspiel enthält im Gegensatz zur Darbietung auf CD 1 weitere Alltime-Classics des 1975er Erfolgsalbums “Toys In The Attic” (Titeltrack, „No More No More“ und “Sweet Emotion”).

Bei den Aufnahmen von CD 2 stand die Band noch eher vor dem Absturz (es findet sich etwa so manch schräge Gesangs-/Refrainpassage) als vor dem zweiten Frühling, den sie jedoch wenig später feiern sollte. Aber selbst in dieser orientierungslosen Phase konnte der Boston-Fünfer seine Leistung dank eines unverkennbaren (wenn auch nicht immer ganz gemäß seinen Fähigkeiten tönenden) Steven Tyler und der funktionierenden Rhythmussektion Kramer/Hamilton abrufen und zumindest auf den Bühnenbrettern reüssieren. Kurz danach sollte sich die Originalbesetzung wieder zusammenfinden (zu hören auf dem ebenfalls 1984 mitgeschnittenen „Classics Live II“), um die Band durchstarten zu lassen. Fans haben die beiden hier präsentierten Livemitschnitte – neben den obligatorischen Livealben aus jenen Tagen (vor allem das 78er „Bootleg“) - ohnehin schon im Regal stehen, der Rest darf für sich selbst befinden, ob dieser mit authentischem Livesound ausgestattete Doppeldecker in die Sammlung eingemeindet werden soll. Den weiteren Karriereverlauf der Band hat jeder Rockfan im Auge. Es sollte bald die kommerziell erfolgreichste Phase Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger („Pump“, „Get A Grip“ & Co.) folgen, die mit der laufenden Farewell-Tour dieser Ausnahmeband ihr (vorläufiges?) Ende finden soll. Dass sie es immer noch draufhat, bewies die in Originalbesetzung agierende Band auf ihrer letzten Euro-Tour 2014 (zum Livereport aus Mailand).

 



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (16.03.2017)

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