SLAUGHTER - Nocturnal Hell, Surrender or Die

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VÖ: 03.03.2017
Bandinfo: SLAUGHTER
Genre: Death / Thrash Metal
Label: Vic Records
Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Die Kanadier dürfen sich auf die Fahnen schreiben, den Extrem-Metal maßgeblich mitgeprägt zu haben, Legionen traditionsbewusster und stilsicherer Härtner berufen sich auf das Trio, wenn es um die Einflüsse späterer Death (und auch Black-) Bands geht. In Zeiten dank Tapetradern kursierender, kopierter Demokassetten zogen SLAUGHTER (natürlich sind nicht die US-Hairmetaller gemeint) im Underground weltweite Kreise. Zwei kultige Achtziger-Kleinode erleben nun dank Vic Rec. eine Renaissance. Das „Surrender Or Die“-Demo von 1985 bildet das Kernstück dieses Releases voller Thrash-Rohheit und stellt auch das Albumcover. Vorangestellt darf man sich vorerst an der 1986er Single „Nocturnal Hell“ ergötzen, deren starker Titeltrack mit einem krachigen Riff und einem effektiven Doom-Part überzeugt und es verdientermaßen (wie auch „Tortured Souls“) bald darauf auf den ersten und einzigen Longplayer „Strappado“ schaffen sollte. „One Foot In The Grave“ ist hingegen akustische Infernis, pulsiert und hämmert halluzinierend und scheint sich selbst überholen zu wollen.

Während die Single etwas voluminöser und wuchtiger (aber natürlich trotzdem roh) produziert ist, taucht man mit dem Demo (das dritte Studiodemo) tiefer in den Klanguntergrund ab und darf sich Rumpel- und Retro-Perlen a la “Death Dealer“ oder „Tyrants Of Hell“ reinpfeifen, die gelungenen Klopfer „Surrender Or Die“ oder „Eve Of Darkness“ gab es bereits auf dem 1984er „Meatcleaver“-Demo zu hören. Während Meister Speckmann etwa von Chicago aus mit dem DEATH STRIKE-Demo Geburtshilfe in Sachen voluminöser Death Metal späterer Prägung leistete, tönten SLAUGHTER oftmals mehr nach ihren Landsmännern RAZOR bzw. den ebenfalls früh operierenden POSSESSED. Vor allem auf der EP taucht bei Sänger Dave Hewson das Tom G. Warrior-mäßige „Ugh“ auf. Dass die Kanadier mit HELLHAMMER/CELTIC FROST vertraut waren, hört man etwa gut am Gitarrenspiel auf „Tales Of Mayhem“, richtig VENOM-like und punkig geht es auf „Surrender Or Die“ zu. Warum ausgerechnet die HELLHAMMER-Coverversion „Massacra“ auf dieser Zusammenstellung fehlt, bleibt unergründlich, sie hätte das Gesamtbild ideal abgerundet.

In den Hartmetallursümpfen watend, erfolgt ein weiterer Querverweis ins auch tatsächlich sumpfige Florida, wo SLAUGHTER meist in einem Atemzug mit den frühen MANTAS/DEATH-Sachen als Einfluß genannt werden. Wohl nicht von ungefähr wurde deren Mainman auf die Kanadier aufmerksam, was schlussendlich in einem temporären Einstieg von DEATH-Mastermind Chuck Schuldiner 1986 mündete. Einige der Demostücke („Disintegrator“ oder das einprägsame „Incinerator“ - beide gab es zuvor schon auf dem 1984er „Bloody Karnage“-Demo zu hören) fanden sich später auf dem 1987er Kracher „Strappado“, der es zwar nie zu breitenwirksamerer Aufmerksamkeit geschafft hat, dafür aber in Undergroundkreisen seine verdiente kultische Verehrung erfährt. Dieser Dreher ist der Soundtrack zur Expedition in die Untiefen der Achtziger, als ein Trio aus Toronto die Metalwelt maßgeblich mitprägte, sich aber im Zuge mangelnder Wertschätzung wenige Jahre später auflöste und auch bis dato (außer Nebengeräuschen) nichts Nachhaltiges mehr von sich verlauten ließ. Vielleicht sollten manche Dinge aber einfach auch der Kult bleiben, der sie sind, ohne am Vermächtnis zu kratzen.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (21.03.2017)

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