ANIMO AEGER - KotzeAdel

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VÖ: 12.12.2016
Bandinfo: ANIMO AEGER
Genre: Black Metal
Label: Bleeding Heart Nihilist Productions
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Lineup  |  Trackliste

„KotzeAdel“ ist das dritte Album des Berliner Black-Metal-Projektes ANIMO AEGER. Federführend ist dabei weiterhin Mastermind Gråsjäl, welcher seit letztem Jahr zusätzlich dem Lineup von CRUDA SORTE angehört und daneben noch eine Vielzahl an Solo-Projekten unterhält. Manch einem Kenner des Berliner BM-Untergrundes mag Gråsjäl noch durch seine frühen Aktivitäten in MISANTHROPIC PATH und AVSKED bekannt sein.

Nachdem das letzte Album „Storchenwahrheit, -wirklichkeit“ im Jahre 2014 vom kleinen Label ERK auf Kassette veröffentlicht wurde, hat man für die neue Scheibe mit Bleeding Heart Nihilist Productions aus Berlin einen Deal mit einem etwas größeren Label an Land gezogen – das wurde auch Zeit! Außerdem enthält das neue Album – im Gegensatz zum letzten – auch aktuelles, neues Material, das 2015 im Studio aufgenommen wurde.

Wenn man bereits Bekanntschaft mit dem bisherigen Schaffen ANIMO AEGERS (vor allem „Fieber“ und „Storchenwahrheit, -wirklichkeit“) gemacht hat, dann dürfte der geneigte Hörer schon eine recht gute Idee dessen haben, was ihn hier erwartet, nehme ich mal stark an. Das Album enthält 7 Songs, derer 2 Instrumentalstücke sind, wobei die Längen der restlichen Tracks recht variabel zwischen 3 und 9 Minuten liegen. Die Texte sind auf Deutsch gehalten und im Prinzip so eigenartig und wirr wie immer, was die einst geäußerte Intention des Protagonisten, Wahnsinn zu vertonen, adäquat widerzuspiegeln weiß. Allerdings scheinen sozialkritische Aspekte mittlerweile einen größeren Platz einzunehmen, was vor allem bei „Die Hochkonjunktur des WENN als WANN“ und „Allein im Schlick“ deutlich wird und sich letztlich auch schon im Albumtitel abzeichnet.

Im Hinblick auf die Musik sind ANIMO AEGER im Wesentlichen dem Sound treu geblieben, den sie auf den letzten VÖs entwickelt haben. Dabei handelt es sich hauptsächlich um melodischen und facettenreichen Black Metal, der auf diesem Album neben gelegentlichen Rock- und Ambient-Einflüssen aber auch mit einer netten Portion Death Metal einherkommt, was sich vor allem bei den ersten Liedern feststellen lässt. Diese allgemeine Vielseitigkeit wird vom Schlagzeugspiel von M. Greis gekonnt hervorgehoben. Der Sound ist äußerst kraftvoll geraten, ist dabei erstaunlich organisch, transparent und gar warm, was vor allem für eine BM-Veröffentlichung nicht unbedingt typisch ist. Obgleich ANIMO AEGERS Stil recht eigen und experimentell ist, würde ich nicht so weit gehen, sie als progressiv oder avantgardistisch zu bezeichnen, denn dazu ist die Gitarrenarbeit doch etwas zu geradlinig, was allerdings keineswegs schlecht ist, besonders in diesem Fall.

Die größte Eigenheit, welche potenzielle Hörer beim Ersteindruck etwas irritieren könnte – vor allem, wenn sie eingefleischte BM-Hörer sind -, sind die Vocals. Gråsjäls Stil reicht von tiefen Growls und geshouteten Passagen über schrille Schreie bis hin zu klaren Passagen, Flüstern und Sprecheinlagen. Die letzteren drei werden in einem etwas wahnsinnig anmutenden Stil dargeboten und treten häufig im Zusammenspiel mit den traditionelleren Extrem-Metal-Vocals auf. Das Ergebnis dessen ist, dass der Gesang das Geschehen meist dominiert und die Aufmerksamkeit des Hörers stark fordert. Im Gesamtpaket mag das etwas gewöhnungsbedürftig sein, aber ich kann nur dazu raten, sich darauf einzulassen, da der Gesang im Kontext von Musik und Text durchaus Sinn ergibt, sodass diese eindrucksvolle Variabilität sehr zur Atmosphäre und emotionalen Tiefe des Albums beiträgt.

Im Endeffekt handelt es sich bei „KotzeAdel“ um die kompakteste und kohärenteste Veröffentlichung, die ANIMO AEGER bislang hervorgebracht haben. Das stellt eine Entwicklung dar, die ich nur begrüßen kann! Auf diesem Album gibt es viele Dinge zu entdecken, wenn man sich denn auf die eigenwillige Darbietung einlassen kann. Die gelegentliche Verwendung von Klavier, der fette, organische Sound sowie die Vocal-Arrangements sind etwas, das „KotzeAdel“ im Vergleich zu den Vorgängern besonders auszeichnet. Einzig die Spieldauer wirkt etwas kurz, was sich vor allem nach Abzug der Instrumentalstücke stark bemerkbar macht. Ansonsten ist das ein starkes Album mit einer Menge an Eigenständigkeit, das bei Freunden verschiedenster Genres Anklang finden könnte!

Diese Rezension ist in englischer Sprache bei www.thought-palace.com erschienen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (31.03.2017)

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