HERETOIR - The Circle

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VÖ: 24.03.2017
Bandinfo: HERETOIR
Genre: Post-Metal
Label: Northern Silence Productions
Lineup  |  Trackliste

Jetzt, da HERETOIR ihr seit vielen Jahren angekündigtes Zweitwerk "The Circle" endlich veröffentlicht haben, werden sämtliche Shoutboxen und Foren wohl brach liegen, die mit Vorfreude gefüllten Anhänger können ihrer unnachgiebigen Geduld Anerkennung zollen und ob der Qualität des Resultats enthoben aufatmen. Vom Black Metal hat sich der Augsburger Vierer rund um Vordenker Eklatanz zwar weitführend gelöst, aber nichts ist bei diesem Album irrelevanter als die unnötig belastende Genre-Frage, die sich nach dem Hochgenuss dieses stimmungsvollen Kunstwerks allerdings auch nur für die verbohrtesten aller Mitlebenden stellt - wenn überhaupt. 

Für alle anderen bricht "The Circle" schon mit dem Intro "Alpha" malerisch an und genau diese eingewirkten Melodien von ALCEST-Format sind es auch, die im gesamten Verlauf dieser hörbar lange gereiften Frucht für eine Vielzahl an Gänsehautmomenten sorgen werden. Das Können, mit dem man HERETOIR schon damals vom Mitläufertum im Post-Black-Metal-Morast unterscheiden konnte, wird hier also vollständig enthüllt - ein angenehmes Gefühl. Dabei wird einem vor allem bei den einzelnen Songlängen klar, womit man sich all die Jahre über beschäftigt hat: der detailverliebten Ausarbeitung einer musikalischen Vision, die mit 65 Minuten kaum eine Sekunde zu knapp oder gar zu lang ausgearbeitet ist, weil nahezu sämtliche Grenzen erforscht wurden und man dennoch ein einheitliches Gesamtbild geformt hat. So kommt es, dass "The White", "Inhale" und auch "Fading With The Grey" mit ihrer Härte sowie den vereinzelt gesäten Doublebass-Einlagen beispielsweise gelegentlich an Eklatanz' Sidekick AGRYPNIE erinnern, während man in "Exhale" und "Laniakea Dances (Soleils Couchants)" (Kollaboration mit Neige von ALCEST) den Schwerpunkt auf ausladend-schwelgerische Melodien und Gesänge legt.

Die Spruchweisheit "Gut Ding will Weile haben" wurde jedenfalls nicht umsonst in die Welt gesetzt und "The Circle" ist im musikalischen Bereich gerade deshalb ein wunderbares Beispiel dafür, weil man ihm einen längeren Entstehungszeitraum zugedacht hat, das Endergebnis dadurch aber keineswegs verkopft oder glattpoliert erscheint. Die Quelle der Inspiration ist natürlich offensichtlich, nichtsdestotrotz haben sich HERETOIR aber unlängst von ihrem geistigen Vater emanzipiert und mehr denn je eine eigene Identität gefunden, die dem sich über die vergangenen Jahre durch die immergleiche Melange festgefahren habenden Stil mit "Golden Dust" und "Eclipse" tatsächlich wieder Frische und Leben einhauchen kann, ohne auch nur ansatzweise wie der Rest zu agieren (hier und da findet man sogar leichte Doom- und Gothic-Anleihen). Immense Melodiebögen, Ambientpassagen, strichweise harscher Gesang und ein fantastisches, weil songdienliches Schlagzeugspiel kreieren hier einen anspruchsvollen, zugleich aber auch eingängigen Zyklus, dem man sich nur schwer entziehen kann. Das voluminös-transparente, organische Klangbild, für das Oliver Carell (Mixing) und Lasse Lammert (Mastering) verantwortlich zeichnen, komplettiert den ausgezeichneten Gesamteindruck, der nur selten von Längen umschattet wird.

Ansonsten ist "The Circle" ein beachtliches Album geworden, das durch Myriaden von großen Momenten und Stimmungen geprägt ist und HERETOIR in eine Position ähnlich der von LÂNTLOS bringt. Eine Position, von der aus man eben doch noch Akzente setzen kann, ohne dabei die Essenz der Stilistik vernachlässigen zu müssen. Der Selbstfindungsprozess ist also geglückt und somit sollte "The Circle" wirklich keinen der ausdauernd wartenden Fans enttäuschen, sondern vielmehr begeistern und Ende 2017 in so mancher Jahreshighlight-Auflistung zurecht ganz weit oben aufscheinen. Viel besser kann man es einfach kaum machen, das muss man neidlos anerkennen können.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (05.04.2017)

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