HYPNOS - The Whitecrow

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VÖ: 24.03.2017
Bandinfo: HYPNOS
Genre: Death Metal
Label: Einheit Produktionen
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Lineup  |  Trackliste

Düstere Zeiten verlangen nach düsterer Musik - das mag schon stimmen. Neu ist, wenn dir eine langgediente Death Metal-Kapelle nach gefühlten zwei Äonen Bandgeschichte plötzlich Lebensweisheiten und positives Denken in Form eines düsteren Albums um die Ohren wirft (mehr dazu in unserem Interview mit Bruno Kovarik!). Gerade in der heutigen Zeit haben wir es scheinbar bitter nötig, uns Orientierungspunkte zu schaffen im ständig wachsenden Chaos. „The Whitecrow“ hilft uns vielleicht dabei, indem es den Titelhelden als „Pest-Doktor“ in die Welt schickt, um den Menschen die negativen Gedanken – quasi die Gehirn-Pest - auszutreiben. HYPNOS, die aus den ebenso kultigen wie nachhaltigen KRABATHOR (die ja auch immer noch parallel dazu existieren) hervorgegangen sind, legen mit „The Whitecrow“ somit nicht nur ein ungewöhnliches, sondern auch ein ziemlich interessantes Album vor – und ihr insgesamt fünftes.

Nach einem Spoken-Word-Intro von „Erzähler“ Paul Speckmann (der MASTER-Meister wohnt im selben Kaff wie die Band, und klingt, als würde er dir nachts um vier im örtlichen Bier-Pub die Welt erklären) und unheilschwangerem Akustik-Gezirpe fährt einem der Titeltrack gleich mal ordentlich heftig ins Gesicht – so kennt und mag man das, HYPNOS brauchen da auch nicht großartig an ihrem Stil rumzuschrauben, es geht hier bloß um die Feinjustierungen. Bereits bei „One Flesh, One Blood“ (zu dem auch ein Video gedreht wurde – eines von insgesamt drei übrigens!) wechselt die Band ins langsamere Getriebe, nur um die Vibes dann ganz keck mit wuchtig scheppernden Passagen zu konterkarieren. Die Gitarrenarbeit ist souverän, der Drive abwechslungsreich, und Trommel-Altvater Pegas legt hier ein unumstößlich felsenfestes Fundament für die Klang-Stürme, die hart aber immer melodiös, und vor allem immer in sich schlüssig daherbrausen.

Spätestens bei „Get Inspired By The Light“ fällt auf, dass dem Sound ein Zacken langsamer gut tut, HYPNOS stehen zwischendurch mal des Öfteren bis fast zum Doom auf dem Bremspedal, das treibt die Wucht der Songs paradoxerweise aber nur noch weiter nach vorne – der bekannte SLAYER-Effekt! „Sin Collectors“ prügelt uns dann wieder den Verstand nach Oldschool-Höppel-Tradition aus dem Gehirn, bevor uns „Haereticum Menuet“ mit akustisch-ätherischen Klängen betört. „The Gift Of Hope“ hat einen gewissen Vintage-KREATOR-Vibe, ohne sich an die Ruhrpott-Thrasher anzubiedern, und stampft mit viel Pathos durch die Botanik. Das ebenso bemerkenswerte „About Trust“ überrascht dann mit abwechslungsreicher Rhythmik, Stoner-Passagen (!), und kann  den HYPNOS-Sound anno 2017 wohl insgesamt am besten auf den Punkt bringen. „Der Mordschlag“ kommt – natürlich - mit teils deutschen Texten daher, und hat gar etwas schwarzmetallisch-räudiges an sich, bevor uns Speckmann-Paule mit seiner Reibeisen-Stimme nochmal die Trommelfelle zerfräst.

„Too Dark To Shine“ und „Humanized“ scheinen abschließend ein wenig außerhalb des Konzepts zu stehen, bei ersterem klingt die Band plötzlich wie CANDLEMASS und zweiteres ist eh nur noch eine Art „Outro“. HYPNOS schaffen es hier, ein an sich verstaubtes Genre neu mit Leben zu erfüllen, drehen das Konzept kurzerhand von schwarz nach weiß, und überraschen mit raffinierten stilistischen Schlenkerern und Hakenschlägen, die man vielleicht nicht erwartet hätte. Natürlich ist es heutzutage schwer, ein in sich stimmiges Death Metal-Album einzuklöppeln, das weder langweilig wird noch bereits tausendmal Gehörtes wiederaufbereitet. Unsere tschechischen Freunde haben das Beste aus der Sache rausgeholt und mit „The Whitecrow“ ein optisch und akustisch in sich rundes Gesamtpaket geschaffen, das nebenbei noch mit einer netten Guest-List überzeugt (V. Santura von DARK FORTRESS, Martin Missy von PROTECTOR oder Christopher von KRABATHOR, um nur ein paar zu nennen…) und eine nähere Auseinandersetzung durchaus verdient hat.

Das Digipack kommt übrigens mit der Bonus-DVD „The Livecrow“ daher, mit einem kompletten Gig aus dem Jahre 2015, Special Drum-Cam und dem Lyric-Video zu „The Whitecrow“!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (03.04.2017)

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