KAUNIS KUOLEMATON - Vapaus

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VÖ: 31.03.2017
Bandinfo: KAUNIS KUOLEMATON
Genre: Melodic Death Metal
Label: Haminian Sounds
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Lineup  |  Trackliste

KAUNIS KUOLEMATON - der Name lässt schon deutliche Rückschlüsse auf ihre Herkunft aus Finnland zu - vermochten es 2014 mit ihrem Debüt „Kylmä Kaunis Maailma“ den Rezensenten ordentlich zu beeindrucken. Nun stehen die Finnen rund um Mastermind Mikko Heikkilä mit ihrem zweiten Full-Length-Album vor der Tür, mit dem sie uns aus der 'kalten, schönen Welt' in die 'Freiheit' entlassen: „Vapaus“.

Dass Finnen allgemein einen Hang zur Melancholie besitzen, zum Fall in bodenlose Strudel aus Verzweiflung, geboren aus langen, finsteren Polarnächten, sollte, zumindest im hartmetallischen Sektor, inzwischen hinreichend bekannt sein. Genrekollegen wie die bekannteren SWALLOW THE SUN, die sich in ähnlich gelagerten Gefilden, in der Schnittmenge aus melodischem Death Metal mit Doom-Schlagseite herumtreiben, machen es vor, dass solcherart tieftraurige Klänge auch außerhalb der klirrenden Polarkälte auf Interessierte treffen. Doch KAUNIS KUOLEMATON eifern keineswegs den großen Brüdern der Sonnenschlucker nach, vielmehr erschaffen sie ihre eigene Nische, ihren eigenen Sound, der auf dem letzten Album durchaus ein wenig Avantgardistischer geraten war, und auf „Vapaus“ nun beinahe ein wenig angepostet klingt.

Letzteres zeigt sich vor allem im Endteil des ruhigen, beinahe balladesken Titels „Yksin“ ("allein"), der zwischen seinen langsamen, verhaltenen Passagen nur selten, doch gefühlt heftig, in Uptempo-Gefilde ausbricht. Erstmals setzen KAUNIS KUOLEMATON im Opener „Eloton“ auch auf Unterstützung an der weiblichen Vocal-Front von Anni Viljanen (RED MOON ARCHITECT), was einen wunderbaren traurig-schönen Kontrast zu den derben, wütenden Growls von Olli Suvanto bietet. Generell fällt auf, dass „Vapaus“ im Vergleich zum Vorgängeralbum, obwohl stilistisch und thematisch wieder in den düstersten Winkeln des menschlichen Geistes angesiedelt, um einiges dramatischer und gleichzeitig todessehnsüchtiger wirkt, als das mehr traurig und melancholisch wirkende „Kylmä Kaunis Maailma“.

Dazu passend präsentieren sich vor allem die härteren Titel des Albums als äußerst stark – wie beispielsweise das rollende „Hurskas“, dessen atmosphärische und verspielte, fast ein wenig jazzige Bridge den Song für einen Moment aufbricht, um ihn dann wieder zu fordernder Härte zurückzuführen und schließlich zum Ende hin in fast schwarzmetallischer Raserei zu enden. Dramatik pur bietet „Ikunen Ikävä“ (kann in etwa mit „ewiger Sehnsucht“ übersetzt werden, sofern mein Finnisch noch nicht allzu eingerostet ist.), das, obwohl es im Vergleich zu den meisten anderen Songs des Albums durchgehend auf Growling setzt, mit dezent eingesetztem, im Hintergrund gehaltenen Orchester und Klavier-Akzenten, die Mischung die KAUNIS KUOLEMATON bieten auf den Punkt bringt.

Die direkte Fortsetzung des Vorgängeralbums bietet „Tuhottu Elämä“ („zerstörtes Leben“), mit seiner Mischung aus Growls und dem einnehmenden Klargesang des Bandleaders Mikko Heikkilä, und den geradezu fragilen, zerbrechlich wirkenden Passagen, eingerahmt von wütenden Eruptionen niederschmetternder Verzweiflung. Drückend und melancholisch, ja, schwermütig wälzt sich „Arvet“ („Narben“) aus den Boxen, das trotz angezogenem Tempo dank tieftrauriger Stimmung schleppend und niederschmetternd wirkt. Das persönlichste Stück des Albums, in dem Mikko den Abschied von seinem verstorbenen Großvater verarbeitet, wurde als perfekter Abschluss an das Ende des Albums gesetzt. Tiefdunkel und von herzzereißender Wehmut, lässt „Sanat Jotka Jäivät Sanomatta“ das Album mit einem Schauer des Todes ausklingen.

Erneut bieten KAUNIS KUOLEMATON ganz großes Ohren-Kino für Liebhaber jener sehnsüchtiger Klänge, die es vermögen die finstersten Gedanken der menschlichen Existenz zu vertonen. Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens gleichermaßen, fließen zusammen in melancholische Melodien, düstere Riffs, gutturale Wutschreie und sehnenden, schmerzerfüllten Gesang. Für alljene, die es lieben in eine musikalische Welt aus Kälte, Verzweiflung und Todessehnsucht einzutauchen, sich von durchdachtem Stimmungsaufbau einen eisigen Schauer über den Rücken jagen zu lassen, ist „Vapaus“ das Album der Wahl. Eine erneute Demonstration, welch mächtige akustische Welten sich in der Weite Finnlands verbergen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (29.03.2017)

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