DOUBLE CRUSH SYNDROME - Die For Rock N' Roll

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VÖ: 17.03.2017
Bandinfo: DOUBLE CRUSH SYNDROME
Genre: Rock´n´Roll
Label: Arising Empire
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Nun ist es endlich da, das offizielle Debütalbum von DOUBLE CRUSH SYNDROME!
2013 gegründet, hat man im letzten Jahr einen Vertrag bei einem großen Label (Nuclear Blast/Arising Empire) unterzeichnet. Statt einer Eigenpressung im Pappschuber (wie es das inoffizielle Debüt, "The You Filter", war), bekommt man das Album nun als Download, auf schwarzen Vinyl, farbigen Vinyl (rot/weiß Splatter), Digipak CD oder als CD-Box mit zahlreichen Extras (Metallbox mit Digipak CD, Live-CD im Cardboard, zwei Schweißbänder, Autogrammkarte und drei Plektren). Das Artwork auf dem Cover der Vinyleditionen (und auch auf der Metallbox) unterscheidet sich durch das der CD durch einen roten statt weißen Hintergrund (und weißer statt roter Schrift). Schade eigentlich, da durch den mangelnden Kontrast das rote Herzlogo und die Blutspritzer untergehen und der Gesamteindruck etwas weniger dynamisch wirkt.

Musikalisch präsentieren Sänger/Gitarrist Andy Brings (ex-SODOM, Ex-POWERGOD, Ex-THE TRACEELORDS), Bassist Slick Prolidol (Ex-THE TRACEELORDS) und Drummer Julian Fischer (SNAKEBITE) energiegeladenen, mitreißenden Rock 'n' Roll mit einer ordentlichen Dosis Punk.
„Wir sehen uns in der Tradition von Bands wie Ramones, Kiss, Skid Row, Motörhead, Mötley Crüe, ohne wie diese zu klingen oder es darauf anzulegen. Es ist unsere Version von Rock n´Roll, natürlich mit viel Punk in der Instrumentierung, starken Refrains mit Pop-Schlagseite und der Power eine Kleinstadt zu zermalmen. Also eine Kleinstadt pro Song wohlgemerkt!“ Aber wir sind nicht per se lustig. Was wir tun, nehmen wir sehr ernst! Dennoch: Spaß soll, ja muss sein werden, auf und vor der Bühne!“, so Brings.

Brings werden Metalfans vor allem als Gitarristen bei SODOM (1991-1994) kennen. Wer sich Thrash Metal erwartet, hat offensichtlich Brings Aktivitäten nach SODOM verpasst (mit denen er so einige vor den Kopf gestoßen haben dürfte) und wird vielleicht enttäuscht sein. Wer sich aber trotzdem unvoreingenommen auf das Album einlässt, wird daran möglicherweise Gefallen finden.

Das Album bietet 11 Songs in 34 Minuten – kurz und knackig! Gut die Hälfte davon bekam man in den letzten Jahren schon zu hören und sehen, allerdings teilweise noch mit anderer Besetzung, da Brings der einzig verbliebene der originalen Formation ist.

Los geht's mit "Gimme Everything". Der Song bietet genau das, was darin gegen Ende vehement eingefordert wird – Action!


Der Song macht sich als Opener gut, da er schon ganz gut auf den Grundton des Albums einstimmt. Hier wird gerockt was das Zeug hält! Das soll aber nicht heißen, dass alle Songs gleich klingen, sondern es gibt hier genügend Variation, sodass jeder Song seine eigene Identität hat und sie der Hörer schon beim zweiten, spätestens dritten Mal auf Anhieb erkennt.

Zum Titelsong "Die For Rock N' Roll" ist eigentlich nichts anzumerken, dass nicht schon in der Review der Single gesagt wurde. Der Song knallt gleich beim ersten Mal ordentlich rein und dank seiner starken Ohrwurmqualitäten verleitet er auch sofort zum Mitsingen.

Ein besonders gelungener Song, der mit jedem Mal Hören besser gefällt, ist "On Top of Mt. Whateverest", der aus den anderen Songs durch die ihm inhärente Melancholie heraussticht, dabei aber zu keiner Zeit depressiv oder wehklagend klingt, sondern hier hört man einen gelungen Balanceakt zwischen melancholisch und dennoch lebensbejahend, nicht nur lyrisch, sondern vor allem auch in seiner musikalischen Umsetzung.

"Yeah! Pain!" wurde bereits mit der alten Besetzung veröffentlicht. Die Version auf "Die For Rock N' Roll" klingt noch genauso 'frantic', hat aber noch etwas mehr Wumms und klingt voller.

"I wanna be your monkey, I wanna be your to-to-tool" – aua! Nein, so etwas darf einfach nicht gefallen! Aber jeder Widerstand ist zwecklos. So sehr man sich auch dagegen sträubt und so leicht es auch sein mag "I Wanna Be Your Monkey" nach einmaligen Hören abzuschreiben, früher oder später erwischt man sich selbst dabei, wie das Lied plötzlich in der Playlist im eigenen Kopf abgespielt wird und man unwillkürlich mitsingt. Das spricht für die Songwritingqualitäten, denn auch wenn der Inhalt der Lyrics in diesem Fall nicht so berauschend ist, so sind die Melodien bei DOUBLE CRUSH SYNDROME durchgehend so eingängig, dass sie sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzen.

Diese leichtherzige Nummer ist eher die Ausnahme auf "Die For Rock N' Roll", auf die mit "Slow Suicide" der stärkste Gegensatz folgt. Aber selbst in dieser eher düsteren, nachdenklicheren Nummer schimmert der für DOUBLE CRUSH SYNDROME typische Kampfgeist ein klein wenig durch. "I hate my life as much as you, but I like the things that I do" – für Leute, die lamentieren oder glauben, die Welt drehe sich nur um Geld, hat man keine Zeit, denn auch wenn man in "Gimme Everything" auch danach forderte, macht Geld alleine nicht glücklich, auch wenn es das Leben etwas leichter macht.

Die Grundhaltung der Band wird auch in "Can't You Be Like Everyone Else" zum Ausdruck gebracht. So mancher mag die rebellische Attitüde als juvenil abtun, was aber absolut nicht zutreffend ist, denn selbst als Erwachsener gibt es immer wieder Situationen, in denen man anderen, oder der Welt generell den Mittelfinger entgegenstrecken möchte und sich nicht Konventionen und den Erwartungen anderer beugen möchte. Im Prinzip tat ja auch Georg Danzer in Liedern wie "Geh in Oasch", "Ihr kent's mi" oder "Hupf in Gatsch" dasselbe, aber als "Liedermacher" wird man halt ernster genommen denn als Rocker. Brings zu den Texten: „Wir sind auf jeden Fall dagegen! Wogegen genau wissen wir manchmal selbst nicht mehr, aber mit einer gewissen punkigen Grundwut im Bauch ist das total egal. Hauptsache nix gefallen lassen! Es gibt bei uns jedoch keinen ideologischen oder politischen Überbau. Wir definieren Punk anders. Wir stehen nicht mit politisch korrekter Markenkleidung irgendwo im Wald rum, und brüllen kopflastige Parolen in die Welt! Wir machen uns hübsch und wollen unterhalten! Einige Lieder zelebrieren die Liebe, andere verteufeln sie. Was alle Songs inhaltlich eint, ist die niemals endende Hoffnung und der Wille, ein selbstbestimmtes, freies Leben zu führen, zu lieben, zu lachen und zu weinen, mit dem festen Glauben, dass alles gut wird! Stark sein! Glücklich sein!“
Aber auch musikalisch ist "Can't You Be Like Everyone Else" ein weiteres Highlight auf dem Album, das den Hörer mitreißt indem es zunächst Spannung aufbaut und dann mit aufpeitschendem Rhythmus losgaloppiert.

Die restlichen Songs können sich ebenfalls sehen lassen, selbst wenn manche Songs nicht gleich beim ersten Mal zünden ("Unfriend Me Now") oder vermutlich erst live ihre volle Wirkung entfalten ("She's A Pistol"). "Blood On My Shirt" etwa rockt mit einem nahezu AC/DC-mäßigen Riff und auch bei "Revolution" donnert es gewaltig.

Als 'Bonustracks' (die auf allen käuflich erwerblichen Versionen enthalten sind) gibt es drei weitere Songs. Darunter "F**k You Is My Answer", das im ersten Moment an "New Rose" von THE DAMNED erinnert. "And They Say We Are The Freaks" und "Right Now" stechen besonders heraus, denn das ist nicht Brings' Stimme, die hier ertönt, sondern Slick Prolidols tiefere Bassstimme, die in anderen Songs einen schönen Kontrast zu Brings höherer und jünger klingenden Stimme bildet. Die beiden Songs sind die einzigen auf dem Album, die nicht von Andy Brings, sondern von Slick Prolidol geschrieben wurden.

Wie man immer wieder hört, früher ging man auf Tour um Werbung für das neue Album zu machen, heute veröffentlicht man eine neue Scheibe um die nächste Tour zu bewerben. „Wir gehen raus mit der festen Absicht, dem Publikum die geilstmögliche Rockshow zu bieten! Wir zwingen die Leute, Spaß zu haben!“ und das kann man sich während man "Die For Rock N' Roll" lauscht bildlich vorstellen.

Lobend hervorheben muss man auch die Produktion (produziert und gemischt wurde das Album von Andy Brings), die "Die For Rock N' Roll" ihre Kanten lässt und dank Vermeidung übermäßigen Einsatzes diverser Spielereien, die die aktuelle digitale Technik ermöglicht, auch sehr frisch klingt. Das Album hätte vor 10 Jahren schon gut geklungen und wird mit Sicherheit auch in 10 Jahren noch nicht verstaubt klingen.

Zweifelsohne werden die Meinungen was DOUBLE CRUSH SYNDROME betrifft weit auseinandergehen. Nichts für 'trve' Metaller oder Leute, die sich an technischen Raffinessen ergötzen wollen. Auffällig ist, dass die Band scheinbar einen überdurchschnittlichen Anteil an weiblichen Fans hat. Sicherlich wird die eine oder andere an einem Triple Crush Syndrome leiden, aber vielleicht liegt es teilweise auch am alten Klischee, das Mädchen und Frauen poppigere Musik bevorzugen oder schlicht und einfach weniger Hemmungen haben, so etwas zuzugeben als Typen, die glauben ihr Image als "harter Kerl" pflegen zu müssen.

Sicher, die Songs sind einfach gestrickt – so what? Wie schon frühe Klassiker von "Tutti Frutti" bis "Great Balls of Fire" zeigten, braucht Rock 'n' Roll nicht mehr um effektiv zu sein. "Die For Rock N' Roll" ist jedenfalls ein sehr gelungenes Album, das Fans, die Rock 'n' Roll mit punkiger Attitüde mögen, so einiges zu bieten hat.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (08.04.2017)

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