NIGHTRAGE - The Venomous

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VÖ: 31.03.2017
Bandinfo: NIGHTRAGE
Genre: Melodic Death Metal
Label: Despotz Records
Lineup  |  Trackliste

Eigentlich könnte ich meine Einleitung zu "The Puritan" für den neuesten NIGHTRAGE Opus "The Venomous" 1-zu-1 kopieren, da sich in den seither verstrichenen drei Jahren im hohen Norden wenig geändert hat: SOILWORK und IN FLAMES begehen mit tollen Alben weiterhin andere Pfade (jaja, mimimi, die klingen nicht mehr wie früher; 15 Jahre nach "Reroute To Remain" sollte selbst dem allergrößten Konservatismus-Träumer allmählich dämmern, dass sich die Göteborger im steten Wandel befinden und kein Back-To-The-Roots-Album just for the sake of back to the roots einspielen werden), ARCH ENEMY sind mit ihrem Brülläffchen Alissa White-Gluz und Reißbrett-Amott immer noch stinklangweilig und völlig unkreativ (vielleicht kann Jeff Loomis ja für frische Ideen sorgen; wie kann man bitte ernsthaft behaupten, das "Khaos Legions"-Gerümpel liesse den Hörer mit "unsterblich erscheinenden Metal-Smashern mit der Zunge schnalzen"?) und AT THE GATES sind halt weiterhin grandios. In Schweden also nichts Neues. In Griechenland, dem Beta-Schweden von Marios Iliopoulos allerdings auch nicht - for better or for worse.

Sicherlich war "The Puritan" kein schlechtes Werk, aber unter dem Strich wandern von NIGHTRAGE entweder "Sweet Vengeance" oder "Insidious" im heimischen Soundapparat. Oder beide, also nacheinander. Und da letzteres gerade mal blutjunge sechs Lenzen auf dem Buckel hat, kann man nicht mal zur typischen "Früher waren die aber besser"-Abwehrhaltung auszucken - welch ein Jammer! Nunja, dasselbe Urteil trifft irgendwie auch auf "The Venomous" zu: Es unterschreitet das Spitzenlevel des Exil-Schweden-Instituts nur unerheblich und hat natürlich auch wieder einige Melodien in der Auslage, die der nimmersatte Göteborg-Fanatiker sicherlich dankend absorbiert, aber man hat es eben auch schon in besserer und essenziellerer Ausführung gehört. 

Nichtsdestotrotz sollte man sich nicht die Dreistigkeit erlauben, Songhighlights und IliopoulosHingabe für diese Spielart (man nimmt es ihm immer noch ab, dass er diesen Stil nicht kopiert, sondern ihn einfach lebt) unerwähnt zu lassen, denn davon gibt es, der Kritik auf hohem Niveau zum Trotz, immer noch genügend auf "The Venomous". Als Beispiel nehme man einfach die Harmonien des öffnenden Titeltracks oder von "Abhorrence", die melodische Raserei eines "Metamorphosis / Day of Wrath", oder aber die geradlinigen Straight-Outta-90er-Gedächtnisriffs von "Bemoan" und "Disturbia". Wie gesagt: tut keinem weh und hat ein paar schmissige Songs in petto. Dafür ist das ebenfalls schon von NIGHTRAGE gewohnte Experiment mit den Clean Vocals auf diesem Album komplett gescheitert, weil Lawrence Mackrory (DARKANE) wirklich überhaupt nicht zu "Affliction" bzw. zum Göteborg-Flavor an sich passen mag. Sei's drum.

Das Fazit zu "The Venomous" kann man eigentlich schon dem zweiten Absatz dieser Rezension entnehmen, weswegen ich abschließend nur noch hinzufügen möchte, dass man sich den siebten Output von NIGHTRAGE in's Regal stellen kann, ohne dem dafür verbrauchten Platz hinterherweinen zu müssen - das las sich oben stellenweise vielleicht negativer als es eigentlich gemeint war. Klar, fundamental sind die zwölf Songs nicht, aber von banalen Copycats sind Marios Iliopoulos und seine Mannen eben auch immer noch etliche Lichtjahre entfernt.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (04.04.2017)

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