RA'S DAWN - From The Vile Catacombs

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VÖ: 10.03.2017
Bandinfo: RA'S DAWN
Genre: Metal
Label: Roll The Bones
Lineup  |  Trackliste

Der Raum Koblenz hat sich langsam aber sicher als einer der metallisch stärksten im deutschen Lande herauskristallisiert. Neben zahlreichen Konzertlocations (kaum ein Wochenende ohne Show) produziert die Stadt samt angrenzender Regionen regelmäßig qualitativ hochwertige Outputs. Namen wie METAL INQUISITOR oder DESASTER sind bereits etablierte Größen, zukünftig wird man wohl auch häufiger über Bands wie SECUTOR, ADDICT oder I.M.NAIL stolpern. Als der verantwortliche Redakteur vor vielen Jahren in besagtes Städchen zog, war sein erster Berührungspunkt mit der Szene allerdings eine Band Namens RA'S DAWN, welche damals gerade ihre Platte "At The Gates Of Dawn" herausgebracht hatten. Nach ein paar Shows in den Folgejahren wurde es allerdings still um den Fünfer. Um so mehr dann die freudige Überraschung, dass mit "From The Vile Catacombs" nun endlich ein Lebenszeichen der Truppe in den Regalen steht. Hat sich das Warten gelohnt? Lokalpatriotismus beiseite: Was RA'S DAWN auf diesem Album abliefert, ist einfach nur sensationell!

War "At The Gates Of Dawn" noch ein recht verkopftes Album, welches sich stets zügeln musste, nicht zu sehr nach NEVERMORE oder COMMUNIC zu klingen, so ist "From The Vile Catacombs", bei aller immernoch vorhandenen Progressivität, zu allererst ein Album das gewaltig in den Arsch tritt. Die Stücke zeigen sich allesamt kompakter, treffsicherer und begeistern trotz allerhöchstem technischem Niveau und schwindelerregender Frickeleien bereits beim ersten Durchlauf. Der Opener "Inside Out" zeigt direkt, wie man einen echten Kracher schreibt: Drückendes Riffing und punktgenaues, nuanciertes Drumming peitschen den Song vorran, während Sänger Olaf Reimann das Kommando übernimmt und den Song über eine spannende Bridge in einen absoluten Killer-Refrain leitet. Das Thema Refrains war auf der letzten Scheibe noch ein wenig nachlässig behandelt, hiervon kann auf dem aktuellen Rundling keine Rede mehr sein. Siehe zum Beispiel "Crusher", welches der vielleicht kompakteste, zielgerichtetste Song im Schaffen von RA'S DAWN sein dürfte. Aber trotzdem: Granate! Zurück zu "Inside Out", welches den Hörer im Mittelteil mit einem hinterhältigen Thrash-Break überrascht und einem den Nacken bricht. Geil! Apropos Thrash: "Revenant Soul" hätte die ohnehin schon fantastische "Evolution Of Chaos"-Platte von HEATHEN auf den endgültigen Klassiker-Thron hieven können, aber dafür veredelt er nun dieses gute Stück Stahl. Weiter im Text: "Ghosts Of My Mind" ist eine punktgenaue Hommage an Jon Schaffer zu "Dark Saga" Zeiten und mit "(We Play) The Music Of The Devil" zeigen die Jungs, wie man eine amtlich rockende Metal Hymne schreibt ohne in Klischees abdriften zu müssen. Ein bisschen RAGE mag hier durchklingen, aber es gibt durchaus schlechtere Referenzen.

"Soraya's Eyes" ist das erste von zwei Epen und erinnert am ehesten an "At The Gates Of Dawn". Nur mit dem Twist, dass wir hier eine Gastsängerin zu hören bekommen. Das Stück ist dann auch das progressivste auf dem Album und zitiert die namenstechnisch obligatorischen orientalischen Einflüsse, wobei das Drumming von Marco Freimuth hier und da mal an SEPULTURAsche Percussion erinnert. Passt aber hervorragend ins Gesamtbild. Der einzige Kritikpunkt ist das etwas unkreativ gesetzte Fade Out am Schluss, welches in einer eigentlich spannenden Sequenz einsetzt. Hier hätte man gerne bis zum Schluss weiterdenken können, um dem Song ein würdiges Finale zu setzen.

Das man hierzu durchaus in der Lage ist, zeigt das abschließende Mammutstück "From The Vile Catacombs Of Sahure", bei dem die Männer Songwriting auf Weltklasse-Niveau an den Tag legen. Das Werk atmet den Spirit der Großtaten von BLACK SABBATH, METALLICA, NEVERMORE, ein klein wenig DREAM THEATER und noch weniger, aber durchaus herauszuhören, HELLOWEEN. Selbstverständlich würde man RA'S DAWN nicht in die Melodic-Ecke schieben, das schafft auch die neu gewonnene Eingängigkeit nicht. Aber strukturell erinnert das Stück dann doch ein bisschen an die beiden Longtracks der "Keeper"-Album, und das ist als absolutes Kompliment gemeint. Hierzu zählt vor allem der effektive Einsatz des neuerlichen Killerrefrains, welcher einem die Entenpelle vom Arsch bis zum Nacken und wieder zurück laufen lässt. Song des Jahres? Here you are!

Fazit: In der Schnittmenge aus Power, Heavy und Thrash Metal wird es dieses Jahr auch von den Major Releases her nichts besseres geben, als "From The Vile Catacombs". Ehrlich gesagt hat es vielleicht seit fünf Jahren oder länger kein Album gegeben, bei dem Härte, Progressivität und Eingängigkeit so gut ausbalanciert sind wie hier. "Support The Underground" mag ein schöner Slogan sein, aber dieses Album hier spielt tatsächlich jeden Headliner brutal an die Wand. Somit soll RA'S DAWN der Erfolg hoffentlich auch gegönnt werden, der ihnen mit diesem Release zu einhundert Prozent zustehen sollte



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (03.04.2017)

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