LOATHE - The Cold Sun

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VÖ: 14.04.2017
Bandinfo: LOATHE
Genre: Metalcore
Label: Sharptone Records
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Lineup  |  Trackliste

Düsterster Core aus UK befindet sich mit LOATHE auf dem Vormarsch! Die Atmosphären-Meister treffen mit ihrem Debütalbum „The Cold Sun“ absolut ins Schwarze und lassen den Hörer mit einer Mischung aus Begeisterung und eiskaltem Schauer zurück. Wer hier Metal von der Stange erwartet ist definitiv falsch beraten, denn LOATHE produzierten das wohlüberlegte musikalische Äquivalent einer ausgewachsenen Depression, das mit Stilbrüchen und künstlerischen Details keinesfalls geizt.

Das elektronische und kaum hörbare Intro und Namensgeber „The Cold Sun“ schleicht sich wie eine Geisteskrankheit aus der Dunkelheit heran und lässt daran zweifeln, dass das Album überhaupt schon begonnen hat – aber dreht jetzt bloß nicht an der Lautstärke, die Schocksekunde folgt früh genug! Raffiniert groovig und mit schizophren unterteilten Synths, die das Stereosystem bis zum Anschlag ausreizen, melden sich LOATHE lautstark mit „It’s Yours“ zu Wort und machen von Anfang an keinen Hehl daraus, wohin die Reise geht: Ein wilder Stilmix aus hemmungslosen Screams, wilden Mosh-Parts, düsteren Cleanpassagen und markerschütternden Klangbrüchen hämmert auf die Trommelfelle ein und gehört mehr als ein mal gehört, um wirklich durchschaut zu werden. Etwas weniger komplex, aber dafür umso Core-lastiger, geht es weiter mit „Dance On My Skin“, das weder an Groove noch an Tempo spart und so auf dem Fundament einer düsteren Atmosphäre zu einem tollen Gesamtprodukt wird. Das nachfolgende „East Of Eden“ offenbart sich als musikalisches Highlight der Platte (neben „Stigmata“, aber dazu später mehr), das mit fein geschriebenen Strukturen und einem hoch energetischen Refrain auftrumpfen kann. Richtig stark! In den kommenden Tracks bewegen sich LOATHE auf einem ähnlich hohen Niveau, wobei sie in der zweiten Hälfte des Albums vermehrt mit instrumentalen Parts experimentieren, die stark an künstlerische Videospiel-Soundtracks á la HYPER LIGHT DRIFTER (wer das nicht kennt: an dieser Stelle meine fachmännische Empfehlung) erinnern, und sich überraschend gut in die innovative Metalcore-Interpretation LOATHEs einfügen. Zu nennen wären hier „3990“, „P.U.R.P.L.E.“, „The Omission“ oder Elemente aus „Loathe“. Ein zweiter Dauerbrenner auf „The Cold Sun“ findet sich wie angekündigt mit „Stigmata“, das sich für jeden einzelnen Aspekt des Songs in seinen drei Minuten ausreichend Zeit nimmt und ihn bestechend gut ausarbeitet, und allgemein eher in den langsameren Gefilden der Platte anzusiedeln ist. Nicht anders als atemlos wird man schlussendlich von dem bodenlosen „Babylon“ zurückgelassen (wer den Song hört, wird verstehen was ich meine), das eingeleitet wird von dem Zwillingspaar „Nothing More“ und „Never More“, die gleichzeitig die beiden musikalischen Extreme des Rausschmeißers wiederspiegeln.

Nach den unzähligen Durchläufen, die ich mit „The Cold Sun“ schon genießen durfte, bleibt festzuhalten, dass es nur eine Möglichkeit gibt, dieses vielschichtige Werk angemessen aufzunehmen: Allein, entweder auf einer vernünftigen Anlage oder Kopfhörern, und mit viel Ruhe. LOATHE liefern mit ihrem Debüt eine musikalische Reise durch die psychischen Abgründe des Menschen und einen tiefen Einblick in die Seele, der ein flaues Gefühl im Magen und das Bedürfnis, die 12 Songs sofort noch einmal zu hören, hinterlässt. 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (11.04.2017)

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