GHOST BATH - Starmourner

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VÖ: 07.04.2017
Bandinfo: GHOST BATH
Genre: Black Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

1. Hypothese:

Versuchte die erste jemals veröffentlichte musikwissenschaftliche Abhandlung zu GHOST BATHs "Moonlover" (hier zu finden) noch – ohne Erfolg – die Dämlichkeit des Titels bzw. des Bandnamens zu qualifizieren, so wird in der neuen Studie anhand des aktuellen Geister-Produktes "Starmourner" bewertet, wie sinnvoll die Einverleibung der Band in das nukleare Imperium (no na: Nuclear Blast) gewesen ist; einerseits aus Sicht des Medienunternehmens und andererseits aus Sicht des Konsumenten, also aus Deiner Sicht, lieber Leser. Hypothese: Große, erfolgreiche Labels weisen auch den richtigen Riecher für gute, kleine Bands auf.

2. Einleitung:

In Kapitel 1 wurde von einer "Band" im weiteren Sinn gesprochen, doch das ist falsch: mittlerweile wird das Bad nur noch von einem einzigen Geist eingelassen: geheimnisvoll Nameless genannt. Schade, denn sein ehemaliges Pseudonym 丹尼斯 war wesentlich aussagekräftiger. Der bzw. die Amerikaner sind mittlerweile auch nicht mehr chinesisch, und falls Du nur Bahnhof oder 杰米 verstehst: siehe oben verlinktes Review.

Ziel der vorliegenden (ich betone nochmals) höchst-musikwissenschaftlichen Abhandlung war es, oben genannte Hypothese anhand der Antworten auf folgende Fragen zu verifizieren:

  1. Laut Promo-Text spielen die Geister-Bademeister nach wie vor atmosphärischen Black Metal mit Schwerpunkt auf Depressionen und anderen menschlichen Gefühlen. Sind Geister überhaupt dazu befähigt, menschliche Emotionen zu verstehen, geschweige denn diese musikalisch wiederzugeben? (Gewichtung: 40%)
  2. Ergibt die neue musikalisch-emotionale Ausrichtung der Band – Auseinandersetzung mit Freude statt Trauer, Kosmos statt Erde, Paradies statt Fegefeuer und vor allem Ekstase statt Tragödie – einen positiv signifikanten Einfluss auf die Qualität von "Starmourner"? (Gewichtung: 30%)
  3. Kann es sein, dass "Starmourner" eine Tragödie repräsentiert, obwohl dies laut Nameless  bereits der erste Teil der GHOST BATHschen Albumtrilogie (Aufmerksame Leser wissen jetzt, dass noch ein drittes Album geplant ist, Anm. d. Autors) versucht hat? (Gewichtung: 10%)
  4. Ist die Albumdauer von 72 Minuten für den Genuss eines Geisterbades förderlich oder ist das Risiko dabei ganz schrumpelig zu werden erhöht? (Gewichtung: 20%)

3. Material & Methoden:

Folgende Gerätschaften bzw. Versuchsbedingungen standen für die Ermittlung der Daten zu Verfügung:

  • Ein luxuriöser Whirlpool mit spezieller Ohrmassage-Funktion. [Anm. d. Lekt.: Aha, deswegen wurde andernorts das Budget so rigoros gekürzt...]
  • "Starmourner" – vorliegend als fröhliche Geister-Bade-Ente.
  • Ein kitschiger Traumfänger in Totenschädel-Design.

4. Ergebnisse:

  1. Nach intensivem Studium von "Starmourner" ist nicht restlos geklärt, ob Geister geschickte Imitatoren menschlicher Emotionen sind oder ob sie diese tatsächlich selbst empfinden bzw. authentisch auf akustischem Wege generieren können. Die Untersuchungsergebnisse deuten aber eher auf einen billigen Imitationsversuch hin, andere, vorwiegend menschliche Post-Metaller haben die Übertragung von Gefühlen schon wesentlich besser bewerkstelligt. Die dominante, von "Starmourner" ausgelöste Emotion lässt sich grob als Langeweile mit einem Hauch Ekel umschreiben. Ergebnis: 26%
  2. Diese Teiluntersuchung führte zu einem eindeutigen Ergebnis: Nein. Der Einfluss der neuen, nennen wir sie fröhlichen musikalischen Ausrichtung ist signifikant negativ. Weshalb? Einerseits zeigt der Vergleich mit "Moon Lover", dass die Badegeister musikalisch sehr wohl in der Lage gewesen sind, menschliche Emotionen teilweise authentisch und mitreißend zu fabrizieren (was umso enttäuschender ist) und andererseits: Wer möchte beim Genießen seiner atmosphärischen Black Metal-Band ernsthaft Gedanken an höchst-anti-black-metallische Attribute wie Freude, Paradies oder Ekstase verschwenden? Ergebnis: 15%
  3. Auch diese Frage ist eindeutig nicht zweideutig zu beantworten: Ja! "Starmourner" ist eine Tragödie, zumindest wider Willen. Erneut wird dazu der Vergleich mit "Moon Lover" herangezogen. Wo dieses Album Melancholie durch entsprechend korrelierende Stimmungen und Klänge auslösen konnte, geschieht dies auf dem aktuellen Output auf umgekehrt proportionale Weise. Je fröhlich-bescheuerter die Melodien erklingen, desto melancholischer und trauriger wird der Hörer, und diese Melodien gibt es hier zuhauf. Zugegeben, "Moon Lover" war auch kein absolutes Highlight, doch der generelle Niveau-Verlust auf "Starmourner" ist signifikant. Und das macht traurig, eine Tragödie eben… Wie da wohl das Abschlussalbum der Trilogie ausgerichtet sein wird? Vielleicht geht es dann um die essentiellsten menschlichen Emotionen: Hunger und Hass? Ergebnis: 100%
  4. Die Förderlichkeit der Albumdauer von 72 Minuten lässt sich eindeutig aus a), b) und c) ableiten. Sie geht gegen Null. Je länger der namenlose Geist vor sich hin heult, desto quälender wird der Hörgenuss. Manchmal kommt es auf solchen Alben ja zu positiven Überraschungsmomenten, wo man denkt: "Vielleicht war ich ja doch zu kritisch. Ich gebe dem Teil doch noch eine Chance!“. Doch hier: Fehlanzeige! Das Album könnte mit dem Intro "Astral" beendet sein, man würde nichts verpassen. Ergebnis: 0%

 

5. Captain’s Fazit

Um eines der Ergebnisse der Abhandlung über GHOST BATHs "Moonlover" zu zitieren: "Natürlich hat ein professionelles Label wie Nuclear Blast nicht nur poppige bzw. massentaugliche Kommerz-Metal-Bands im Repertoire. Vielfalt ist das Stichwort und Vielfalt ist definitiv positiv." Dieser Satz bedeutet trotz seines allgemein gültigen Wahrheitsgehalts nicht, dass Vielfalt in ausnahmslos jedem Fall positiv ist, denn Vielfalt benötigt natürlich auch Qualität. Somit ist die anfangs aufgestellte Hypothese widerlegt. Trotz vieler hochwertiger Veröffentlichungen rutschen auch bei großen Labels immer wieder mal unkreative, man möchte fast sagen geistlose Bands in den Label-Roster. Nach Adam Riese erreicht "Starmourner" nämlich lediglich ein Gesamtergbnis von 24,9%.

 



Bewertung: 1.0 / 5.0
Autor: Captain Critical (06.04.2017)

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