MONODUAL721 - Erste Schritte

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VÖ: 31.10.2016
Bandinfo: MONODUAL721
Genre: Dark Rock
Label: Bleeding Star Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ried im Innkreis ist bekannt für eine Fußballmanschaft und ein sorgenfreies Stadion. Glaub ich. Weiß ich. Mehr weiß ich nicht über Ried im Innkreis. Außer, dass die vier Knaben von MONODUAL721 ihre Wirkungsstätte dort haben. Ihre Presseinformation liest sich, als ob der lokale Germanistenstammtisch eine Flasche Kraken-Rum attackiert hat, um dann philosophisch loszulegen: 

"Die Musik ist laut. Ausser man dreht sie nicht so auf, da dies ja immer von der individuellen Lautstärkeneinstellung abhängig ist.
Doch da ist da - auch wenn es in der Etappe oft unerträglich ist und kaum zu nehmen. Ein Anstoss für sich zu adaptieren. Ein
Homukolos der Abstrusitäten - nicht nur am Abend - der angestossen zur Bewegung drängt um letztendlich festzustellen, dass es
doch nur schön ist auf der Welt zu sein. Nomen ist Omen MONO DUAL 721 Ambivalenz in hörbarer Form."

Warum auch nicht. Auch ich war ein Knabe, nicht nur mit lockigem Haar, sondern auch mit dem Anspruch, der deutschen Sprache unentdeckte Untiefen und Mahlströme abzuringen, sie zu sublimieren und zugleich soweit zu reduzieren, dass das Maximum an Emotion in so wenigen Worten wie notwendig abgebildet werden kann.

Musikalisch ist es fantastisch elektronisch. Fruity Loops - Metal, man verzeihe mir die möglicherweise blasphemische Bezeichnung. Eine schöne Mischung aus den frühmetallischen KRUPPS zu "I"-Zeiten, RAMMSTEIN (ja, ich weiß, aber die Betonung in Knuddls Gesang hat eine Lindemannsche Ausprägung), vielleicht ein wenig YOUNG GODS, diese Richtung. Und neben Lindemanns Till, klingt gesanglich auch der heimische Falke ab und zu durch.

Das ist jetzt kein Album für den Headbangers Open Air - Pilger, aber den Anspruch stellen MONODUAL721 mit Sicherheit nicht. 

Die Jungs haben sichtlich Spaß am basteln an Sounds, am Schaffen von, wie soll ich sagen, vertonter Lyrik. Die Texte gefallen mir wirklich gut, das Darunter auch. Natürlich könnte man hier eine etwas dickere Produktion auffahren, aber es ist gut für das was es ist. Klar kann man durchzechte Nächte damit verbringen, die Texte bis in die subatomarsten Fragmente zu zerreissen, aber deutsche Lyrik mag man, oder auch nicht. Ich stehe firm nahe dem Zweiteren. Das gesamte Klangbild wirkt noch etwas fragil, hier gehe ich aber davon aus, dass sich das beim nächsten Output hin zu einer etwas stringenteren Geschichte entwickelt.

Herausragend sind die Spielereien im elektronischen Bereich. Das erinnert an die Synthetisierung der Musik in den 80ern, an blubbernde Sequenzer und an Synthieburgen. Heute macht man das schick mit Fruity Loops. Spricht nichts dagegen, wenn die Klangwelten so variantenreich sind wie hier bei MONODUAL721. Warum das Album erst jetzt bei uns auftaucht entzieht sich meiner Kenntnis, doch wie sagte einst Schiller so schön: Spät kommt ihr - doch ihr kommt! (Ich zitiere hier ausdrücklich Schillers "Wallenstein" und niemand Anderen!). 

Die ersten Schritte der Oberösterreicher sind ein wahrhaft gelungenes Stück Elektrometal mit Anspruch. 

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (09.04.2017)

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