HORTE - Horte

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VÖ: 07.04.2017
Bandinfo: HORTE
Genre: Psychedelic Rock
Label: Svart Records
Lineup  |  Trackliste

Psychedelisch, verträumt, kalt, beruhigend, entschleunigend, entspannend, mysteriös, düster, melancholisch, puristisch, einzigartig, manchmal impulsiv, hypnotisch, sphärisch, surreal, emotional: das alles (und noch viel mehr) sind Adjektive, mit denen man HORTE und ihr selbstbetiteltes Debütalbum charakterisieren könnte und doch fällt es ausgesprochen schwer, die Finnen und ihr Schaffen in angemessene Worte zu hüllen. Auch das Coverartwork deutet darauf hin, dass es sich hier um eine bislang unentdeckte Zellstruktur handelt, die unbekannt erscheinende, kryptische Soundcollagen wiedergibt, in denen man stundenlang versinken kann. In etwa so, als hätte man es hier mit einer Kreuzung aus ORANSSI PAZUZU und ( D O L C H ) zu tun, nur eben gänzlich ohne Metal, dafür aber mit einer Eigenkreation aus Psychedelic- und Post-Rock, Dream Pop, Synthwave und natürlich tief schlummerndem Wahnsinn.

Vorab ein Selektierungshinweis: Für Eventtouristen, Thrillseeker und generell Menschen mit Konsum-orientierten Musikgeschmack sowie dem ein oder anderen Krone-Minimusikjournalistchen mit Diagnose aus dem Autismus-Spektrum (danke, Dr. Daria Hoffmann) ist "Horte" logischerweise die komplett falsche Baustelle, eigentlich sogar die komplett falsche Baustelle im komplett falschen Universum. In anderen Worten: HORTE machen sachte Nischenmusik im Outer Space.

Man kann es also auf zwei simple Optionen runterbrechen: Entweder man schläft im positiven oder im negativen Sinne dazu ein. Mir jedenfalls ist das Glück zuteil geworden, dass erstere Auswahlmöglichkeit zur Entspannung beigetragen hat. Ob Wohlgefallen oder nicht, hängt höchstwahrscheinlich aber auch sehr stark davon ab, in welcher Situation man den Erstkontakt sucht und mit welcher Erwartungshaltung man das Album angeht. Ganz selten wagen sich HORTE mal wie in manchen Passagen von "Viimeinen Linja" oder "Saatto" aus ihrem musikalisch-introvertierten Habitus und werden für ihre Verhältnisse laut, was für den neugierigen Hörer selbstverständlich nicht ganz einfach zu händeln ist, sich für den mentalen Shutdown aber bestens eignet. "Sekvenssi" beispielsweise lässt seinem sphärischen Ambient-Intro gut zwei Minuten Zeit, um sich dann letztlich in noch sphärischere Keyboardtöne und stoisches Schlagzeugspiel aufzulösen. Dazu der immer wieder auflodernde, knarzende Bass sowie die klare, warme Stimme der Dame am Mikrofon und es ist um mich geschehen.

HORTE brauchen für ein in sich geschlossenes Kunstwerk wie "Horte" also nicht viele Hilfsmittel, sondern einfach nur ihr außergewöhnliches Gespür im Songwriting. Das Debüt der Finnen ist keine Ansammlung von einzelnen Highlights, es profitiert von der brillianten Atmosphäre des Kollektivs und der nicht aus Selbstzweck entstandenen, minimalistischen Einzigartigkeit des Sounds, welche sich nur schwerlich angemessen illustrieren lassen. Svart Records beweisen also einmal mehr, dass sie das Label für die ganz besonderen Kostbarkeiten sind und mausern sich mit einem immer stärker werdenden Line-Up zu einem echten Geheimtipp für die Sorte Hörer, die das Wort "Tellerrand" aus ihrem eigenen Vokabular gestrichen hat.

Wer sich ein vages Bild davon machen möchte, bitteschön:



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (11.04.2017)

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