INFERNÄL MÄJESTY - No God

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VÖ: 14.04.2017
Bandinfo: INFERNÄL MÄJESTY
Genre: Thrash Metal
Label: High Roller Records
Lineup  |  Trackliste

Nicht jeder zweite Frühling einer Achtziger-Band ist zwingend, eine rühmliche Ausnahme bilden dabei INFERNÄL MÄJESTY, die mit „No God“ eine Renaissance erleben. Erfuhr ihr packendes, seinerzeit über das damals äußert renommierte Roadrunner-Label vertriebene Albumdebut „None Shall Defy“ zwar erst posthum seine verdiente Anerkennung, so stehen die Urmitglieder Steve Terror und Kenny Hallman sowie Sänger Chris Bailey auch drei Dekaden später noch in vollem Saft und fackeln mit dem neuen Longplayer ein mächtiges, dunkles Thrash-Feuerwerk ab. "Nigrescent Years Of Chaos" (zur metalarchäologischen Exkursion) bereitete die immer noch vorhandene Anhängerschaft der Kanadier auf das Comeback-Album vor. Doch „No God“ überrascht wahrscheinlich nicht nur mich, treibt amtlich nach vorne und bietet eine ganze Latte an explosiven, zwar komplex konstruierten, aber dennoch griffigen Granaten auf.

Hervorstechend dabei der treibende Opener „Enter The World Of The Undead“, der den Hörer gleich für den kompletten Hördurchgang gewinnt. Gern darf es auch etwas melodiöser sein („In God You Trust“ oder „Another Day In Hell“), dann wiederum darf wieder amtlich marschiert werden (das hackende „Signs Of Evil“). Das rabiate Thrash Metal-Sperrfeuer auf Longplayer Nr. 4 wird durch professionell gesetzte Breaks und höllische Grooves aufgewertet und abgerundet. Die altgedienten Recken klingen dabei so erfrischend und durchschlagskräftig wie eine Nachwuchscombo und fesseln mit geilem, fetten Riffing. Und das, obwohl die Kanadier einige Zeit weg vom Fenster waren (der letzte Dreher datiert mit 2004), man aber bei „No God“ sehr gut die Routine der Erfahrenen merkt, wie der galoppierende Brecher „Nation Of Assassins“ (der vom Interludium „False Flags“ eingeleitet wird) belegt, wenngleich „Kingdom Of Heaven“ konventionell daherkommt.

Die vorausgegangene „House Of War“-Single verbreitet Atmosphäre und auch der neue Videotrack „No God“ wird einem wie auch der Rausschmeißer „Extinction Level Event“ ins Ohr getackert. Oldschool-Fetischisten könnten sich etwa am modernen Sound stoßen oder sich wünschen, dass das über einstündige Album ein wenig gestrafft wäre, dennoch ist es INFERNÄL MÄJESTY gelungen, den Staub der Nostalgie wegzufegen und ihr in den Achtzigern begründetes Erbe in zeitgemäßer Form in die Gegenwart zu transferieren. Die Kanadier bürgen auch drei Dekaden nach ihrem ikonischen Debut-Album für Qualität und liefern mit „No God“ ein in ein modernes Soundkleid gewandetes, atmosphärisch dichtes Manifest voller Thrash-Attacken ab, das man sich als Genre-Liebhaber gönnen sollte. Zwar nicht systemwichtig, aber ein in seiner Güte sehr empfehlenswertes wie in seiner Stärke überraschendes Kleinod.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (13.04.2017)

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