VALBORG - Endstrand

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VÖ: 07.04.2017
Bandinfo: VALBORG
Genre: Doom Metal
Label: Lupus Lounge
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Lineup  |  Trackliste

Hey Atompetze, bitte schäm' dich nicht, zu sterben. Lass uns gemeinsam amputierten Beines in die Strahlung marschieren. Hand in Hand. Bis wir kotzen. Marschieren! Marschieren! Mar-schie-ren!

VALBORGs sechstes Album in neun Jahren hat die Wasseroberfläche durchbrochen – und VALBORG marschieren. Jagen. Zielstrebig. Entschlossen. Aus dem eisigen Meer heraus. Die Gitarrensaiten kratzen rostig die Salzkruste vom Nagel. Der Stahlhelm durchdringt die gefrorene Gischt. Immer weiter. Unnachgiebig. Keine Gnade. Der einzige Weg führt voran. Musikalische Schubladen sind zur Beschreibung obsolet. Rohheit, Kraft, Wahnsinn und Verzweiflung würgen den Hörer manisch lachend bis zum Finale am „Endstrand“ – und das ist pure Romantik. Wie Sex im Grab. Mit Maria. Heil Satan!

Der sich aus den ebenso minimalistischen wie drastischen Texten und der Art des Vortrages ergebende Brachialhumor birgt die Erlösung aus Beklemmungen, die einen immer dann umwinden, wenn Deutsche ekstatisch schreiend vorwärts stiefeln: „Strand aus Beton, Kern aus Diamant“. Es ist ein Spiel mit kriegsästhetischen und musikalischen Klischees – und genau dieser Umstand bindet die Wirkung an das Verständnis der deutschen Sprache, denn die lyrische Linie, auf der hier balanciert wird, ist beinahe unübersetzbar. Doch von VALBORG wird man nicht einfach aus Effekthascherei mit starken Worten bebrüllt und dann liegen gelassen. Im Gegenteil: Die pure und direkte Schönheit der nihilistisch anmutenden Äußerungen bildet die tragende Säule des Albums.

„ I C H   S C H ÄM E   M I C H ,   Z U   S T E R B E N ! “

Wer von der schieren Wirkung poetischer Begriffe wie „Orbitalwaffe“, „Neutrinosarg“ und „Astralpanzer“ nicht in seinen Grundfesten erschüttert wird, wer vor der „Beerdigungsmaschine“ und ihren hypnotisch repetitiven Riffs nicht aus tiefstem Herzen schluchzend auf die Knie niedersinkt, der hat nicht gelebt. Der frisst den nasskalten Sand und schmeckt nicht das saftige Herzblut, mit dem er getränkt ist.

„Endstrand“ funktioniert ganz unabhängig von persönlichen Vorlieben und den Merkmalen verschiedener Stilrichtungen als ‚Ding an sich‘. Das persönliche Erlebnis mit VALBORGs Musik kann zwar besser oder schlechter sein als irgendetwas, aber nicht dieses Album. „Endstrand“ ist mit genau diesem Sound, diesen Texten und dieser Zusammenstellung von Songs vollkommen – die perfekte Version seiner selbst.

Anspieltipps:

„Bunkerluft“:  ein besonders herausstechender, weil bedrückend ruhiger Sonderling. Verschimmelt und feucht. Ekelhaft, geheimnisvoll und sexy. Mit psychotischem Krautrock-Touch und Lyrics, die in einer Zeile mehr Inhalt anbieten, als man in vier Minuten begreifen kann: „Gehirne aus Kristall warten tausend Jahre lang. Strahlenschlag. Neutrinosarg. Krustenschild. Die ganze Welt.“

„Beerdigungsmaschine“:  der Prototyp des „Endstrand“-Feelings in Vollendung. Die Lyrics sind der Titel. Die Gitarren folgen ihm hinab ins Grab. Graben im Takt der Maschine, tiefer und tiefer und stoßen die Schaufel in die letzten Spuren einer vergammelten Seele.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Daria Hoffmann (18.04.2017)

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