FÄULNIS - Antikult

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VÖ: 10.03.2017
Bandinfo: FÄULNIS
Genre: Black Metal
Label: Grau
Lineup  |  Trackliste

Seuche von FÄULNIS polarisiert nun schon seit 14 Jahren mit Musik, Attitüde und Texten, ist zudem als Kolumnist für metal1.info tätig und fällt außerdem – im Gegensatz zu Musik und Attitüde – in Interviews als durchaus sympathisch und unprätentiös auf. Im Stile seiner als „SickBlackArt“ selbstbetitelten Musik ist nun „Antikult“ das dritte Vollalbum. Das vorab veröffentlichte Video zum Lied „Metropolis“, in welchem Hermes Phettberg einen ihm irgendwie würdigen Auftritt hat, trägt mit seiner Anti-Ästhetik sicher weiter zu Kontroversen bei. Allerdings ist es gewiss eine gute Introduktion für dieses Album, da es einem einen guten Einblick gibt, was mit „Antikult“ generell gemeint sein könnte.

Allgemein sind FÄULNIS dem Stil und Sound treu geblieben, den sie auf der „Snuff II Hiroshima“ eingeschlagen haben. Das bedeutet eine interessante Mischung aus traditionellem Black Metal, Rock und einer guten Portion Punk. Letzterer zeigt sich neben einigen Riffs auch vor allem in Seuches gewohnter gesanglicher Darbietung – dem wütenden, laustarken Schreien – und den rotzigen Texten. Im Unterschied zum Vorgänger habe ich aber den Eindruck, dass dezente Soli eine gewichtigere Rolle spielen. Ebenso fallen bei etlichen Songs die Leadmelodien auf, die die meist eher simplen Spuren der Rhythmusgitarre unterstützen und dem Klanggewand das gewisse Etwas verleihen. In Puncto Sound kann man sich im Übrigen nicht beklagen, denn der ist gewohnt ausgewogen und klar, aber nicht zu klar. Im Vergleich zum Vorgänger scheint der Gesang allerdings etwas weniger vordergründig im Mix zu stehen.

Beim Blick auf die Tracklist fällt zunächst auf, dass die Lieder durchschnittlich etwas kürzer ausgefallen sind als beim Vorgängeralbum, was einem vermehrten Fokus auf punkige Elemente bei den Songstrukturen sowie allgemeiner Kompaktheit zugrunde liegen könnte. Anhand der Songtitel lässt sich auch schon erahnen, dass sich thematisch nicht allzu viel geändert hat, und es wohl weiter um persönliche Abgründe, Verarbeitung von Lebenserfahrungen und Gesellschaftskritik in einer Art Kneipenmentalität geht. „Arroganz von unten“ ist in diesem Sinne eine treffliche Beschreibung jener Attitüde, die Fäulnis ausmacht und darstellen will.

Musikalisch gesehen ist diese Scheibe sehr abwechslungsreich ausgefallen, es gibt sowohl rasende BM-dominierte Parts mit Blast Beats oder Doublebass als auch etliche ruhigere Passagen, in welchen gar cleane Gitarren zum Einsatz kommen. Die Kombination aus beidem ist besonders bei „MS Fäulnis“ sehr gelungen. Seuche und seine Mitstreiter scheinen generell ein Händchen für mitreißende, intensive Tremolo-Leadmelodien zu haben. Derer gibt es vor allem in der ersten Hälfte des Albums etliche, die mich durchaus begeistern.

Vor allem in Bezug auf jene Leadmelodien bei den Black Metal-Parts habe ich an etlichen Stellen sehr starke Assoziationen, was in dieser Form nicht allzu häufig vorkommt. Da fühle ich mich dann an charakteristische Passagen etlicher klassischer BM-Alben erinnert, die ich aber nicht ganz konkret zuordnen kann. Mich beschleicht da der Eindruck, dass dies nicht ganz ungewollt ist, da es auch irgendwie zum Antikult-Konzept passen könnte.

Letztlich haben FÄULNIS mit diesem Album ein Stück Musik abgeliefert, welches durchaus Qualität hat und unter die Haut zu gehen vermag, wobei es musikalisch allerdings nicht unbedingt innovativ daherkommt, was aber schätzungsweise auch nicht die Absicht der Protagonisten gewesen sein dürfte. Und obwohl ich einige Parts echt richtig stark und mitreißend finde, war es bei mehreren Hördurchgängen so, dass mich das Album nach der ersten Hälfte nicht mehr zu fesseln vermochte und mich letztlich erst beim letzten Lied „Der König“ wieder aufhorchen ließ. Das mag daran liegen, dass diese Musik nicht 100-prozentig mein Ding ist, kann aber auch damit zusammenhängen, dass mir der Gesangsstil im Endeffekt zu eintönig ist und mir die extremen Texte an etlichen Stellen einfach viel zu aufgesetzt erscheinen.

Übrig bleibt dennoch ein überdurchschnittlich gutes Album, das ich mir sicher von Zeit zu Zeit mal geben werde, wenn ich in der Stimmung dazu bin, und das mich mit einer gewissen Spannung erwarten lässt, was FÄULNIS in der nächsten Zeit noch so hervorbringen werden.

Dieses Review ist auch in englischer Sprache bei thought-palace.com verfügbar



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (22.04.2017)

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