SCUORN - Parthenope

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VÖ: 25.02.2017
Bandinfo: SCUORN
Genre: Symphonic Black Metal
Label: Dusk Tone
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Lineup  |  Trackliste

Momentan tut sich einiges im Land der Schwarzwurzeln. Leggingstragende kommen ungefragt rein und wärmen gelangweilt ihre pentagrammverzierten Fingerknöchel an brennenden Stabkirchen. Dem Black Metal ergeht es wie seinem Verwandten, dem heißen, schwarzen Kaffe-Classico: damit kann man so gut wie alles mischen – und deshalb wird es auch gemacht. Zum Beispiel neapolitanische Folklore. Alles kann, nichts muss – eine den philosophischeren unter den Kleinanzeigen für Swingerclubs entnommene Maxime wird endlich ihrer wahren Bestimmung zugeführt. Dass neue Ideen und ungewöhnliche Kombinationen nicht zwangsläufig belächelt werden sollten, beweist SCUORN.

SCUORN ist ein seit 2008 bestehendes, italienisches Symphonic-Black Metal Soloprojekt. Der Name bedeutet in der neapolitanischen Sprache soviel wie Scham oder Schande. Für sein Debüt „Parthenope“ muss sich Multitalent Giulian, von dem fast alle Arrangements und Vocals stammen, aber keineswegs schämen. Das Konzeptalbum erzählt aus der bewegten Geschichte Neapels mit ihren hellenisch-römischen Ursprüngen. Jeder Song behandelt eine Legende oder Anekdote aus dieser Zeit – beispielsweise die Zerstörung Pompeiis durch den Ausbruch des, auch noch heute am Golf von Neapel bedrohlich unruhig schlafenden, Vesuv.

Neben Black Metal-Riffs, epischen Sinfonie-Elementen, Chören und gegrowlten Vocals zeichnet sich "Parthenope" deshalb ganz wesentlich durch die Motive und die Instrumentierung traditioneller neapolitanischer Volksmusik, der Canzone Napulitana, aus. Wenn SCUORN, wie in „Virgilio Mago“, die typische Mandolinen-Spielweise auf die E-Gitarre überträgt, kommt das einer kleinen Alltagserleuchtung gleich, die plötzlich sehen lässt, wie eng scheinbar Unvereinbares miteinander verbrüdert sein kann.

Tarantella und Tremolo: Black Metal, Mandoline und Vesuv haben sich offensichtlich gesucht und in SCUORNs Musik, ja sogar im Bandlogo gefunden. Das wirft kurz die Frage auf, ob Giulian sich damit nicht für die Ewigkeit auf dieses Thema festnagelt. Diese Gedanken trüben jedoch keineswegs den Blick auf die Durchschlagskraft von "Parthenope". Vielmehr ist es gerade die Exotik der Spezial-Nische, die SCUORN zwischen all den ebenso guten Veröffentlichungen herausragen lässt. So kann man umso gespannter sein, ob und wie sich das Projekt thematisch weiterentwickeln wird.

Drei Instrumentalstücke unterteilen das Album. Das erste davon, „Cenner' e fummo“, geleitet als Intro mit einer dramatischen Orchesterausarbeitung in die Stimmung alter Gladiatorenfilme. Sobald man sich darauf einlässt, wird man von „Parthenope“ zuverlässig in die zu erzählende Welt begleitet und das gelingt nicht zuletzt durch die intensive und raumfüllende Produktion des Mannes, der auch FLESHGOD APOCALYPSE zum epischen Durchbruch der vierten Wand zum Hörer verhilft: Stefano Morabito. Besser würde es nur mit einem echten Symphonieorchester klingen – aber wer hat das schon in der Garage?

Das beinahe neunminütige Titelstück „Parthenope“ bildet passenderweise auch atmosphärisch das Grande Finale des Albums. Mit emotionsgeladenen Filmausschnitten, verzweifelten Schreien von sich auf dem Weg in den Wahnsinn befindenden Menschen und bis zum Anschlag aufgedrehtem Orchester wird der Druck derart erhöht, dass man sich nach dem letzten Ton fühlt, als sei man gerade von etwas sehr sehr Mächtigem, lavaspeiend angebrüllt worden. Nach dem instrumentalen Abspann "Megaride" ist leider Finito. Gegen die Trauer gibt es aber einen praktischen Lifehack: noch einmal hören.

Anspieltipps:

"Fra Ciel' e Terr'"


"Virgilo Mago"



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daria Hoffmann (20.04.2017)

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