SKYCLAD - Forward Into The Past

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VÖ: 28.04.2017
Bandinfo: SKYCLAD
Genre: Folk Metal
Label: Listenable Records
Lineup  |  Trackliste

Acht Jahre, einen Brexit, den europaweiten Vormarsch der Neuen Rechten und vielleicht auch die Elektion eines Donald Trump hat es gebraucht, bis SKYCLAD wieder aus ihrer künstlerischen Kryostase erwacht sind, um sich anschließend aus den britischen Niederungen zu erheben und das neue, vierzehnte Album "Forward Into The Past" zu veröffentlichen. Der Titel lässt sich dabei durchaus wörtlich nehmen, denn die Welt bzw. ihre Einzelteile bewegen sich mit großen Schritten zurück in's Mittelalter, wo Ängste über Fakten obsiegen und jeder dahergelaufene Pseudo-Wissenschaftler im Internet, aber auch in der Öffentlichkeit krude Theorien aufstellen kann, ohne sie belegen zu müssen, weil es immer eine Handvoll geistiger Unzurechnungsfähiger gibt und geben wird, die jegliche Verzerrung der Realität für bare Münze nehmen, diese ungefiltert weitertransportieren und weitere Rezipienten mit Unverstand infizieren, was wiederum zu zahlreichen kollektiven Gehirnblackouts führt.

Nun waren SKYCLAD nie dafür bekannt, mit extremistischen oder gar populistischen Aussagen aufzufallen - vielmehr war das Sextett immer eine souveräne Gegenbewegung, die zwar stets kritische Äußerungen getätigt hat, sich aber nicht zu unüberlegten Aktionen oder Texten hat hinreißen lassen. Trotzdem wird man nach dem folkig-typischen Intro "A Storytellers' Moon" in "State Of The Union Now" den Eindruck nicht mehr los, als würde es mächtig in ihnen brodeln. Eine derartig aggressive Melange aus Extreme Metal und Punk (Gitarrist Dave Pugh ist nach langjähriger Abwesenheit seit 2014 wieder in der Band) hat man von der Folk-Legende seit gefühlten Dekaden nicht mehr gehört und auch "Change Is Coming" (mitsamt Video im Fernseh-News-Format) entwickelt, auch wenn es im Songwriting deutlich traditioneller ausgerichtet ist, eine Dynamik und Energie, die SKYCLAD auf den vorangegangen Werken hier und da etwas abgegangen ist.

Den furiosen Einstieg kontern die sechs erfahrenen Musiker mit "Starstruck" und "A Heavy Price To Pay" (düpiert mühelos einen Großteil der Folk-Metal-Szene), die beide stark auf die jüngere Vergangenheit in der Diskografie verweisen, zunehmend folkigere Züge annehmen und das Ventil der Angriffslust erstmal wieder schließen. Das trägt nicht nur der Abwechslung zu, sondern steht SKYCLAD auch deshalb gut zu Gesicht, weil sie musikalisch eben nie die dauerkeifenden Wutbürger, sondern kluge Köpfe mit rebellischer Ader, aber auch großem Horizont und Repertoire waren. Letzteres spielen sie auf "Forward Into The Past" auch gekonnt aus, sodass natürlich auch die melancholischere Note ihren Platz findet, die der gerne mal (zu Unrecht) gescholtene Kevin Ridley im Albumhighlight "Words Fail Me" vergoldet.

Bemerkenswert wird ab diesem Punkt auch die Qualitätsdichte, die den vierzehnten Longplayer der Briten ziert, denn anstatt komplett abzubauen, haben SKYCLAD trotz ihrer wuchtigen 13-Songs-Tracklist noch genügend bereicherndes Songmaterial für die zweite Halbzeit aufgespart, dass man bei "Forward Into The Past", wenngleich die Vorläufer sicherlich nicht übel waren, von ihrem womöglich besten Album seit langer langer Zeit sprechen kann. Im Titeltrack flechtet man ganz in der eigenen Tradition wunderschöne Akustik-Gitarren-Melodien ein, in "The Measure" wird man fast schon ein wenig thrashig (und lässt sogar die Soli flirren!) und in "The Queen Of The Moors" begeht man mit Acapella sowie treibenden Rhythmen mythologische Pfade. Dass hier lediglich "Last Summer's Rain" nicht ganz Schritt halten kann, spricht für die Güte des Gesamtwerks.

Und nach dem Ausklang, den die wehmütigen "Borderline" und "A Storytellers' Moon (Outro)" famos einläuten, bin ich wirklich angenehm überrascht und würde dabei sogar so weit gehen, dass ich "Forward Into The Past" zu meinen bisherigen Jahreshighlights zählen würde. Das ausgezeichnete Cover, die stimmige wie mannigfaltige musikalische Darbietung sowie die interessanten und ansprechend vorgetragenen Themen sprechen eine eindeutige Sprache: SKYCLAD sind 27 Jahre nach ihrer Gründung wieder eine Macht, eine force to reckon with. Die leidenschaftliche Akribie, die hier investiert wird, sucht ihresgleichen und verkündet von einer Band, die wie aus dem Nichts mit einem fantastischen, nahezu makellosen Folk-Metal-Album besticht.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (24.04.2017)

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