JON LORD - Windows

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VÖ: 28.04.2017
Bandinfo: JON LORD
Genre: Symphonic Rock
Label: earMusic
Lineup  |  Trackliste

Der Reigen von JON LORD-Wiederveröffentlichungen geht munter weiter: nach der „Gemini Suite“ letztes Jahr ist jetzt „Windows“ (original aus 1974) dran. Auch hier wurde noch mal sanft nachgemastert (ausgehend von den originalen Stereospuren, die in den legendären Abbey Road-Studios gemixt wurden), was dem Klang im Vergleich zum Original noch etwas Klarheit hinzufügt, ohne jedoch den ursprünglichen, auf Vinyl ausgelegten Sound zu stark zu verändern.

Und wie die „Gemini Suite“ ist „Windows“ eine Mischung aus klassischen Elementen und Bluesrock und insofern eine Weiterentwicklung, als der zweite Teil der Scheibe (für ältere Semester: die „B“-Seite der Platte) „Window“ im Mittelteil auf der „Gemini Suite“ aufbaut. Im Gegensatz zum Vorgänger arbeitete JON LORD bei „Windows“ mit dem deutschen Komponisten Eberhard Schoener zusammen, der auch den Dirigentenpart bei dieser Live-Aufnahme übernahm.

Und auch hier sind wieder einige Kollegen und Freunde aus dem Dunstkreis von DEEP PURPLE dabei, von Glenn Hughes über David Coverdale oder Pete York – diese Rocker machten wohl damals einen interessanten Kontrast zu den auch beteiligten, klassisch ausgebildeten Musikern und Sängerinnen.

Der erste (instrumentale) Track „Continuo On B.A.C.H.” beginnt noch recht verhalten, bis sich die Orgel einschaltet. Die Basis kommt von J.S. Bach, dessen nicht fertig gestellte Fuge Jon Lord und Eberhard Schoener hier aufgreifen. Die Klassik-Parts werden immer wieder von modernen Teilen abgelöst, sei es von geschmeidig groovenden Blues-Parts, einem Drumsolo, oder Jazz-Trompeten (und auch ein an Schostakowitsch erinnerndes Violin-Solo ist dabei). Wer sich hier Anklänge an DEEP PURPLE (abgesehen von den typischen Lord-Keyboards) erwartet, wird enttäuscht – erst nach 15 Minuten (und damit in der letzten Minute des Tracks) poppt so etwas wie ein DEEP PURPLE-Gitarrenriff auf.

Dem Konzept von Klassik- und Rockparts, die sich abwechseln, bleibt Jon Lord auch bei „Window“ treu. Wobei es hier diesmal stärker in die Richtung seiner Stammband geht – man kann hier relaxte „Lazy“-Anklänge genauso heraushören wie schwermütigere „Child In Time“-Momente. Abgesehen davon sind hier die Gesangsleistungen bemerkenswert, vor allem Coverdale und Hughes können hier auftrumpfen. Zwischendurch kommen auch zwei Sopranstimmen vor, deren Gesangsakrobatik zwar beeindruckend ist, aber deren Tonlagen für nicht Opern-gestählte Ohren recht anstrengend sind. Die klassischen Teile sind diesmal eher romantisch geprägt, Sibelius oder Dvořák sind hier wohl Pate gestanden.

„Windows“ steht trotz seiner unbestrittenen Qualitäten etwas zwischen den Stühlen: Rock-Fans kommen schwer mit den Klassik-Parts zurecht und diese wiederum sind für eingefleischte Klassik-Fans etwas zu seicht. Auch das Revolutionäre der Klassik-/Rock-Mischung war vier Jahre nach der „Gemini Suite“ wohl etwas verklungen.

Trotzdem bleibt „Windows“ ein faszinierendes Zeitdokument, das vor allem für Fans von Lords Keyboardspiel und DEEP PURPLE-Komplettisten interessant ist, besonders im neu gemasterten, modernen Gewand.



Ohne Bewertung
Autor: Luka (25.04.2017)

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