IMBER LUMINIS - Nausea

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VÖ: 26.03.2017
Bandinfo: IMBER LUMINIS
Genre: Black Metal
Label: Naturmacht Productions
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Lineup  |  Trackliste

Mit „Nausea“ widmet das belgische Mastermind hinter IMBER LUMINIS, Déhà, sein Konzeptalbum der philosophischen Novelle „La Nausée“ des französischen Existenzialistenvaters Jean-Paul Sartre. Bezüge zum dort thematisierten Erkennen der Zufälligkeit allen Seins, der Ziellosigkeit und scheinbaren Sinnlosigkeit der eigenen Existenz – und dem daraus resultierenden Hadern und Ekeln – spiegeln sich neben dem Namen des Albums auch in den Songtiteln auf „Nausea“ wider.

Trotz erneuter Beschäftigung mit einer Spielart der das eigene Leben bezweifelnden Niedergeschlagenheit, hat sich der musikalische Stil von IMBER LUMINIS seit der suizidalen Stimmung des Debutalbums „Life As Burden“ (2011) kontinuierlich weiterentwickelt. Über die Post-Black-Metal-Phase des 2014er Vorgängers „Imber Aeternus“ hinweg, schwimmt IMBER LUMINIS mit der aktuellen Veröffentlichung in einer Melange aus vorrangig melodielastigem Black-Metal, der von atmosphärischen Flächen durchzogen und mit vereinzelten Doom-Elementen angereichert ist.

Musikalische und gesangliche Merkmale werden hier jedoch eingesetzt, um dem Ausdruck des Themas zu dienen statt Erwartungen an stilistische Vorannahmen zu erfüllen. Vom Hass und der Zerstörungswut bis zur lähmenden Resignation und dem unzähmbaren Aufbäumen des Selbstbewusstseins, sind die verschiedenen Stadien im Prozess unsteter Zerrissenheit mit genau den Mitteln umgesetzt, die dafür nötig sind:

In „Meaninglessness“ realisiert die sich permanent überschlagende Stimme eine der glaubhaftesten Darstellungen purer Verzweiflung, die man aus menschlicher Materie hervorbringen kann – weil sie dies nicht, wie es häufig geschieht, über besonders hohe Lautstärke, sondern eine davon unabhängige, durch das Abgleiten in Sprache fast schon zerbrechlich wirkende, emotionale Intensität erreicht. In Songs wie „Nothing Matters“ wird dagegen Klargesang mit sich überlagernden Chören zu einem in die Leere gerufenen Monolog, der sich von beschwichtigenden Melodien in eine betäubend gleichgültige Melancholie begleiten lässt, während die Gitarren sich in "Migraine" in beinahe epische Verläufe hineinsteigern.

Mit "Nausea" ist IMBER LUMINIS ein inhaltlich interessantes Werk gelungen, mit dem man sich länger beschäftigen will. Einerseits, um es zu begreifen, aber auch, um es ganz einfach wirken zu lassen und dabei den eigenen Gedanken nachzugehen. Trotz all der intellektuellen Schwere und Dichte, lässt "Nausea" dafür genügend Freiraum, denn letztendlich muss auch IMBER LUMINIS vor der Selbstauflösung kapitulieren und loslassen: "I Resign".

Sartre wäre stolz, wäre er nicht bereits vor langer Zeit mit gutem Beispiel vorangegangen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daria Hoffmann (22.04.2017)

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