CRYONIC TEMPLE - Into the glorious battle

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VÖ: 21.04.2017
Bandinfo: CRYONIC TEMPLE
Genre: Power Metal
Label: Scarlet Records
Lineup  |  Trackliste

Da kommen schwedische Power Metaller, man hört sich das heroische Intro an und die Bilder von galoppierenden Einhörnern schießen vor dem geistigen Auge an einem vorbei. Gut, dass es dann Bands wie CRYONIC TEMPLE gibt, die ihren Sound klischeetechnisch weit genug entrümpeln, um aus dem bekannten Sumpf üblicher Muster herauszuwaten und sich durchaus interessant machen. Mit dem mit geschlagenen 14 Songs vollgepackten Album „Into The Glorious Battle“ schwenkt die Truppe ordentlich die Standarten, schnallt den Pferden die Hufeisen an und donnert dann doch, anstatt ins heroische Mittelalter, in die Zukunft. 

Mit einem Konzeptalbum voller gloriöser Schlachtfloskeln, aber einem durchaus sehenswerten und vor allem hörenswerten roten Faden kommen CRYONIC TEMPLE nunmehr inklusive aufpoliertem Line-Up und neuem Sänger um die Ecke. Abgeklopft den allzu pathetischen Epic-Staub und dafür eindeutig in melodischere Gefilde voranschreitend, rammen die Schweden ihre Flagge wuchtig in den Melodic-Power-Boden. Es wird sich weitgehend auf nicht ganz so klopfendes Tempo konzentriert, als die Vorgängerscheiben es zuwege gebracht haben. Zudem schafft die neue Stimme am Mikro ein viel abgerundeteres Gesamtbild, als das zuletzt doch sehr aufgekratzte Album. Im Melodiesektor tummelt sich ein gekonnter Mix von Hooks und dezenteren Linien, zwischen herausragenden, aber keineswegs überbordenden Szenen, während der ganze epische Pathos auf ein sehr gut zu verkraftendes Maß heruntergeschraubt wurde. Schlussendlich kann man bei „Into the Glorious Battle“ mit Fug und Recht behaupten, dass die doch recht beachtliche Pause zwischen dem letzten und dem aktuellen Album CRYONIC TEMPLE unglaublich gut getan habet, um zu reifen und sich in ihrem etwas gewandelten Sound wiederzufinden. 

Ein wenig in die Irre zu leiten vermag das Intro, das direkt an holde Ritterlichkeit, schwertkämpfende Helden und fiese jungfernverspeisende Drachen denken lässt. Doch CRYONIC TEMPLE belehren schon bald eines Besseren. Nicht nur die Sirenen direkt im Intro deuten darauf hin, dass hier etwas anderes im Spiel ist, sondern auch der Start in das Album mit „Man Of A Thousand Faces“, das nach bester Melodic Power Manier komponiert und ohne große gläservernichtende gesangliche Spitzen, dafür aber durch abgerundeten Feinschliff in der Eingängigkeit besteht. Dieser ausgeglichenere Kompositionsstil zieht sich durchgehend durch das Set an Songs. Dazwischen wird das Tempo durch die balladenhaften Tracks „Heroes Of The Day“, „The War Is Useless“ und „Freedom“ heruntergedrosselt, die zwar mit den nötigen Kitsch, aber nicht triefend und saftend die musikalische Bausteinesammlung in diesem Konzeptalbum vervollständigen. Wobei „Freedom“ als Aussteigerballade im Gegensatz zu vielen anderen Album-Settings nicht die Hütte abreißt, aber durch die beruhigende Stimmung und nicht zuletzt durch die fast schon verträumte, herausstechende Gitarrenlinie einen spannenden und gleichzeitig stimmungsvoll-beruhigenden Abgang aus dem Schlachtengetümmel des Konzepts darstellt. 

Der Plan ist voll aufgegangen und so erhält man hier ein fast lückenlos starkes und gut durchdachtes Album, das sich zwar nicht immer mit Innovation zwischen den einzelnen Songs überschlägt, aber einen greifbaren roten Faden nicht nur textlich, sondern auch musikalisch durch die gesamten 14 Songs webt. Diese Schiene steht dem schwedischen Quintett außerordentlich gut. CRYONIC TEMPLE waren vielleicht tot geglaubt, doch sind sie wieder da! Und das stärker als bisher!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (24.04.2017)

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