TRIAL - Motherless

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VÖ: 07.04.2017
Bandinfo: TRIAL
Genre: Heavy Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

Trollhättan ist auf jeden Fall ein deutlich lässigerer Name für einen Heimatort als Kerschbaum, St. Ignatius oder Unterlupitscheni. Die letzten drei Ortsnamen sind tatsächlich im Deutschsprachigen existent. Trollhättan nicht. Das liegt daran, dass die Hütten der Trolle in Schweden liegen und eben nicht in der Süd-, der Südweststeiermark oder irgendwo in Bayern. 

"Hä?", mag sich der mündige Bürger fragen, was will er uns damit sagen, der elitäre Schreiber aus den Stormbringer-Towers. Tja, meine Aposteln, wahrlich, ich sage euch, TRIAL kommen aus Trollhättan. [Anm. d. Lekt.: Kollege, wir müssen mal wieder über Anzahl und Wirkungsstärke der Medikation sprechen...]

Pure Zeilenschinderei, missverstandene Satire oder schneidende Ironie? Nichts von dem, sondern das neue Album von TRIAL. Es nennt sich "Motherless" und rollt auf über einer dreiviertel Stunde einen sehr in Anspruch nehmenden Power/Occult-Metal-Teppich aus. Beim ersten Drüberhören ergötzt man sich noch an den starken Vocals und den immer wieder aus der Gischt hervorlugenden Melodien, dann wird es aber spannend. Das Album ist bei weitem nicht so eingängig, wie man am Beginn des titelgebenden Openers meinen möchte.

Und hier steht man vor einer Wegkreuzung. Wirft man die Scheibe reflexartig in den zu trennenden Müll, weil zu anspruchsvoll, zu langatmig oder zu-was-auch-immer? Oder setzt man sich hin und gibt "Motherless" eine Chance? Ich meine, sie haben sich Zweiteres verdient, denn man wird durch ein jedenfalls interessantes Album belohnt. Gut, die Occultmetal-Schublade ist volatil, weil nichtssagend, geht es hier doch ausschließlich um den lyrischen Inhalt. Das wird auch hier getan, aber die Musik ist gut aufgestellt, um die Inhalte spannend zu transportieren.

Wichtig dabei, der Sound. Und hier kommt uns ein Trend zugute, der schön langsam den Heavy/Power Metal einnimmt. Die Rückkehr zu organischen, analog klingenden Klangbildern. Keine 147 Spuren die im Rechner bis zum Kippen der Magensäure gepimpt werden, keine zu tode getriggerten Drums und ein Sänger der sich diese Bezeichnung auch verdient. Er mag zwar bisweilen etwas arg hoch lobpreisen, zeitweise gemahnt er an den AVANTASIA-Tobi, aber das kann der gute Hr. Johansson. Das Album ist, das wird meine Heerschar an Aposteln schon erkannt haben, ein zäher Brocken, den man sich erarbeiten darf. So man das tut, gibt es eine Menge an Melodien und an Stimmungen zu entdecken.

Kein Songwriting im klassischen Sinne, sondern Erzählungen musikalischer Natur. Exemplarisch sei hier das an ein Ritual erinnernde "Birth" genannt. Ein anfangs zäher Monolith, der aber mit der Zeit immer mehr an Substanz gewinnt. Kollegen aus anderen Plattformen meinen, in dem Song einen blackmetallischen Duktus zu erkennen. Der Song ist dunkel, keine Frage, aber auf dem Album bleibt alles im Metal verhaftet. Hier greift die immer wieder auf dem Album greifende Dualität zwischen eher düsteren Momenten und beinahe als fröhlich zu bezeichnenden Rhythmen. 

Sei es wie es wolle, TRIAL begeben sich mit "Motherless" in eine sehr anspruchsvolle, progressive Ecke des Heavy Metal, die bei einigen Songs wirklich etwas Zeit braucht, um zu greifen. Dann geht es allerdings auch lange nicht mehr aus dem Kopf. Starke Sache!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (06.05.2017)

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