ATLAS PAIN - What the Oak Left

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VÖ: 10.03.2017
Bandinfo: ATLAS PAIN
Genre: Epic Metal
Label: Scarlet Records
Lineup  |  Trackliste

Es ist nicht zu bestreiten, dass die Italiener schon lange einen Hang zur Kunst in den verschiedensten Variationen hatten. Beginnend mit den kolossalen Bauwerken des antiken Roms, über literarische Großtaten des Dante Alighieri, bis zu den unübertroffenen Kunstwerken der Renaissance von Maestros wie Leonardo da Vinci, die Italiener hatten schon immer ein Händchen dafür, Großes für die Nachwelt zu schaffen. Bis heute sollte dieser Trend auch immer wieder einmal in der Musik aufgegriffen werden, da stellt auch die Metal-Szene keine Ausnahme dar. Seit 2013 scheint sich aber besonders eine Band aus dem schönen Mailand ihrem Instinkt hinzugeben, epochale Werke zu schaffen. Zumindest scheint das der Gedanke zu sein, den die Musiker von ATLAS PAIN in ihrer Musik verfolgen. Die Frage, die die Band mit ihrer Musik zu beantworten versucht, ist nämlich Folgende: "Gibt es eine Verbindung zwischen Filmmusik und Heavy Metal?" Zugegeben, eine Frage, die sich bereits viele Musiker rund um den Globus stellten. Die Antwort der Musiker von ATLAS PAIN lautet wie folgt: Eine Kombination der Epik der Filmmusik nach Vorbildern wie HANS ZIMMER, und der rohen Kraft und Geschwindigkeit des Pagan Metal. Dabei, so die Band, sei vor Allem die Macht des Orchesters in den Vordergrund gestellt, die der Welt zeigen soll, wie schön und doch hart die Aufgabe sein kann, Metal und Filmmusik miteinander zu verbinden. Dass ein solches Vorhaben nicht gerade zum Scheitern verurteilt sein muss, das wurde bereits vielfach unter Beweis gestellt, erfreuen sich doch verschiedenste Bands des Symphonic Metal auch außerhalb der Metal-Szene großer Beliebtheit, nicht zuletzt wegen der ganz eigenen Ästethik, die die Verbindung der beiden Elemente mit sich bringt. Ein Ausdruck, den man sich im Kopf behalten sollte, wenn es um das frisch erschienene Werk von ATLAS PAIN mit dem verheißungsvollen Namen "What the Oak Left" geht, ist dabei wohl auch "ganz großes Kino". Was damit nun exakter gemeint ist? Nun, finden wir es heraus!

Unbestreitbar ist, dass sich ATLAS PAIN über die gesamte Spielzeit ihres Albums dem "epischen" Teil von Epic Metal mit viel Hingabe zuwenden. Was mit dem Intro von "The Time and the Muse" mit sanften Klavierklängen und geflüsterten Vocals beginnt, entfaltet sich sehr schnell in die mit Chören untermalte und in einem folkigen Refrain gipfelnde Himmelfahrt namens "To the Moon", die den Hörer gebührend in der Welt von ATLAS PAIN willkommen heißt. Genannte Nummer ist ein guter Maßstab dafür, was von dem ersten Full-Lenght Album der Italiener zu erwarten ist: Mitreißende Melodien, aufwändig in Szene gesetzte Passagen, in denen die Lead-Gitarre mehr als alles andere die Führung übernimmt, ständig begleitet von episch angehauchter Keyboard-Untermalung und einer nicht zu verachtenden Portion Kitsch. Den Höhepunkt von alledem erlebt "What the Oak Left" mit dem Song "The Storm". Ab hier offenbart sich allerdings auch ein unschöner Beigeschmack des Klangerlebnisses, das hier dargeboten wird, da langsam aber sicher die Magie der fast durchgehend durchlebten Höhepunkte, die ATLAS PAIN hier bieten, ihren Charme zu verlieren droht. Das Einzige, was den Hörer davon abhält, des ewigen Exzesses des Albums überdrüssig zu werden, sind die sporadisch eingestreuten, aber dann auch konsequent durchgeführten, kontrastreichen Passagen, wie die wiederkehrende Tapping-Untermalung des Songs "Ironforged" (EDDIE VAN HALEN wäre stolz) oder die ein ums andere Mal angestimmten, dezenter untermalten Ansprachen wie auf "Annwn's Gate", sowie der friedliche Klavier-Einsatz auf "Till the Dawn Comes". Diese dienen als die wenigen Verschnaufpausen, die die Band dem Hörer gibt, nur um ihn im nächsten Moment wieder unter einer Welle aus schnell gespielten Arrangements zu begraben. Das Finale des Albums stellt das mit 11:30 überlange "White Overcast Line" dar, in dem die Italiener endgültig die Brücke zur Welt der Filmmusik schlagen und nochmals ihre ganze Energie in die gewollte Epik ihres Werkes stecken, was nach einem derartigen Album fast schon in Erschöpfung beim Zuhören gipfelt. Nichtsdestotrotz möchte man am Ball bleiben, um schließlich mit den (metaphorischen) End-Credits zufrieden aus der Vorführung entlassen zu werden.

Neben dem ganzen Exzess, den ATLAS PAIN hier bieten, wirken die Vocals im Vergleich fast schon belanglos. Doch leisten vor Allem die in den ruhigeren Song-Passagen eingesetzten Ansprachen und Rufe einen zwar nur kurz erkennbaren, aber spürbaren Beitrag zur starken Atmosphäre des Albums, die den musikalischen Konstrukten der Band zusätzlich Leben einhaucht. Ähnlich verhält es sich mit den meist gegrowlten Passagen in den Strophen, welche aber durch die bombastische Klanginszenierung oft ins Hintertreffen geraten und eher ein Beiwerk zum Instrumental sind. Dazu muss man aber auch sagen, dass das bei einer Band, die selbst sagt, in ihrer Musik ein Hauptaugenmerkt auf die orchestrale Gestaltung zu legen, wohl nicht allzu unerwartet kommt.

Was lässt sich letztendlich über "What the Oak Left" sagen? Den Hörer erwartet hier zweifellos ein mit viel Aufwand und Liebe gestaltetes Stück Epic Metal. Die Stimmung ist mal ruhig, mal heldenhaft, mal richtiggehend aggressiv, die Ausführungen der oft vielstimmigen Arrangements sind sehr gefühlvoll durchgeführt und mitreißend, womit die Band genau das erreicht hat, was sie sich zum Ziel gesetzt hat. Trotz alledem gibt es einen Punkt, in dem ATLAS PAIN es nicht schafft, zu glänzen: Originalität. Vor Allem der Track "The Storm" bedient sich nicht nur unterschwellig an Stilmitteln, die schon einige Jahre zuvor von Genre-Platzhirschen wie EQUILIBRIUM gerne verwendet wurden. Obgleich die Ausführung hier merklich besser gelungen ist, sind gewisse Parallelen zu anderen Vertretern des Epic Metal nicht von der Hand zu weisen und ringen "What the Oak Left" das ab, was es zu einem wirklich herausragenden Einzelwerk gemacht hätte, das ohne Abzüge für sich steht und über alle Zweifel erhaben ist. Sieht man von dieser nicht unbekannten Genre-Krankheit jedoch ab, entfalten die vier Musiker hier jedoch ein wahres musikalisches Kunstwerk, das es wert ist, gehört zu werden und dazu in der Lage ist, ein Sprungbrett für eine große Karriere zu werden. Ob die Band ihren Stil in den nächsten Jahren noch verfeinern und kleinere Schwächen ausbessern kann, wird sich noch zeigen.

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (30.04.2017)

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