AYREON - The Source

Artikel-Bild
VÖ: 28.04.2017
Bandinfo: AYREON
Genre: Progressive Metal
Label: Mascot Label Group - Music Theories Recordings
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Alle Jahre wieder beschert uns der gute Arjen Lucassen ein neues Werk aus der Riege seines großen Projekts AYREON. 2013 ereilte uns mit "The Theory Of Everything" der letzte Longplayer, der eine komplett neue Geschichte behandelte. Mit dem neuen Werk "The Source" begibt sich der sympathische Niederländer erneut auf alte Pfade. In einem Interview verriert uns Herr Lucassen, dass er hoch und heilig versprochen hatte, die Geschichte mit "01" abgeschlossen zu haben, doch das war offensichtlich eine Lüge! "The Source" erzählt uns die Vorgeschichte und stellt einen Prolog dar. Wie fand die Menschheit ihr jähes Ende? Vieles möchte ich storytechnisch auch nicht vorwegnehmen, da uns der gute Mann im Interview mehr als genug verrät und ihr gut daran tut, wenn ihr euch das Ganze samt Musik selbst zu Gemüte führt!

Was das Lineup betrifft, bedient sich Arjen Lucassen bei alten Bekannten und ein paar neuen Gesichtern. Neben Leuten wie Russell Allen, James Labrie, Hansi Kürsch, Tommy Karevik, Floor Jansen und Co. finden wir auch neue Talente wie Mike Mills vor, der insbesondere im Opening Track mit dem simplen "01" Part eine Art moderne "Bohemian Rhapsody" kreiert hat, sehr imponierend! Auch über einen Tobias Sammet dürfen wir uns freuen, mit dem Lucassen schon 2008 ein Cover zu ALICE COOPERS "Elected" aufgenommen hat. Der Mann wollte sich diesmal nicht limitieren und nur auf neue Leute beschränken. Es sollten die besten Sänger der Welt sein und mit einem Großteil dieser hat er schlichtweg schon zusammengearbeitet. Musikalisch wirkt "The Source" weitaus wuchtiger als sein Vorgänger und erinnert stellenweise an das letzte STAR ONE Album "Victims Of The Modern Age". Insbesondere das brachiale Riffing in Songs wie "The Day That The World Breaks Down", das ALLE Sänger, aber keine wirkliche Struktur inkludiert, wird das deutlich. Auch das sehr experimentierfreudige "Everybody Dies!" knallt mit ballernden Gitarren aus den Boxen und zeigt in der Bridge ein wunderbar episches Duell zwischen den beiden Tommys (Karevik & Rogers). Eines meiner Highlights zeigt sich mit "Sea Of Machines", das hauptsächlich von Michael Eriksen und Nils K. Rue beansprucht wird. Allen voran Michael Eriksen hat eine ähnliche emotionale Tragweite inne, wie der meiner Ansicht nach aktuell beste Sänger der Welt, Tommy Karevik. Auch hierüber waren sich Arjen und Ich mehr als einig. Tommy Karevik muss nur ansetzen und die Gänsehaut ist nicht weit. Was für eine Bandbreite und Varíabilität er in seiner Stimme zeigt, ist für mich als Musikliebhaber nicht greifbar. Allein sein Part am Ende vom sehr emotionalen "Condemned To Live" schiebt sich dermaßen tief unter meine Haut, es ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es ist im Übrigen auch schön zu beobachten, dass die Aufteilung der Sänger auf dem Album sehr homogen und ausgeglichen wirkt. Kein Sänger ist überpräsent, jeder bekommt ähnliche Anteile innerhalb der Songs. Auch ein Tobias Sammet, der ja gern mal für seine Stimme belächelt wird, haut unfassbar tolle Parts raus. Da sei sein starker Auftritt im Chorus von "Run! Apocalypse! Run" zu nennen, wo er sich ein feuriges Duell mit Nils K. Rue liefert, der ja ohnehin ein absolutes Kraftpaket an den Vocals ist. "The Source" ist weitaus eingängiger als sein Vorgänger und dennoch ist es zu keinem Zeitpunkt ein eindimensionales Album geworden. Es ist vielseitig, offenbart einiges an Emotionen und bietet eine große Bandbreite an Instrumenten. Wo harte Gitarren ihren Platz haben, sind bei Arjen Lucassen am Ende des Tages auch die Streicher und Flöten nicht weit! Schön ist es auch, wie zwischen diversen Songs insbesondere musikalisch Brücken geschlagen werden. Ich nenne da nur das Grundriff von "Everybody Dies!", das in "Star Of Sirrah" nochmal auftaucht oder der Mittelteil von "Sea Of Machines", der mit "The Human Compulsion", gen Ende nochmal fast alle Sänger in Aktion zeigt. "The Source" beschert uns fast schon hymnisch anmutende Songs wie "Journey To Forver" oder "Aquatic Race", lässt aber auch die klassischen Prog Parts nie außen vor. Allein der Opener ist ein Monstrum, das sich entwickeln muss. Auch ein "The Dream Dissolves" ist eher ein Song, der sich später in den Gehörgängen festigen wird. 

"The Source" funktioniert sofort und dennoch benötigt es Zeit. Es will und es WIRD wachsen, so viel kann ich sagen. Als gesamtes wirkt die Platte unglaublich gut durchdacht und lässt keine Wünsche offen. Das Konzept des Prologs wurde in eine sehr emotionale Geschichte eingebunden, die musikalisch wunderbar erzählt wird. Ich habe selten (oder noch nie?) einen derart starken Cast auf einem Album bewundern dürfen, wo sich ein Russell Allen, James Labrie, Hansi Kürsch und Tobi Sammet die Klinke in die Hand drücken. Als Fan wird hier niemand enttäuscht sein und auch jeder andere Musikliebhaber sollte sich zwingend auf diese Reise begeben und sie auf sich einwirken lassen...



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Sonata (02.05.2017)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE