KLABAUTAMANN - Smaragd

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VÖ: 06.06.2017
Bandinfo: KLABAUTAMANN
Genre: Melodic Black Metal
Label: Zeitgeister Music
Lineup  |  Trackliste

Nach acht Jahren ist es endlich soweit: Der Nachfolger des 2009er Albums „Merkur“ ist da! Darauf hatte wohl nicht nur ich mit Spannung gewartet, seitdem durch einige Infos der Band klar geworden war, dass das neue Album wirklich wieder in diese Richtung gehen würde.

Mit der „Merkur“ hatten KLABAUTAMANN vor allem dadurch aufhorchen lassen, dass sie auf eine sehr interessante Art und Weise Black Metal mit ruhigeren, jazzigen Passagen und Stilelementen verbanden und noch mehr als auf den Vorgängern „Der Ort“ und „Our Journey Through the Woods“ auf ungewöhnliche Rhythmen und Takte sowie Tempowechsel setzten. Dadurch verlangte dieses Album den Hörern zwar einiges ab, aber es erschöpfte sich auch nicht wie so viele andere Alben, da es immer wieder neue Dinge zu entdecken gab und das Album bei jedem Hören irgendwie ein wenig anders wirkte - zumindest auf mich -, wie das auch bei einem wirklich guten Film der Fall ist, den man sich wieder und wieder anschauen kann.

Viele Hörer – mich eingeschlossen – erwarteten danach mit Spannung das nächste Album, von dem sie sich eine Fortsetzung bzw. Weiterentwicklung des Stils der „Merkur“ erhofften. Diese Hoffnungen wurden auf „The Old Chamber“ freilich ein wenig enttäuscht, da dieses Album doch weitaus schwarzmetallischer als das bisherige Schaffen ausfiel, wenngleich es weiterhin klar nach KLABAUTAMANN klang. Mit dieser Entwicklung konnte ich beim ersten Hören nicht wirklich viel anfangen, als ich das Album dann aber nach über einem Jahr nochmals auflegte, konnte ich mich immer mehr damit anfreunden, zumal es schon einige echt richtig geile Riffs und Rhythmen hat.

Nichtsdestoweniger hoffte ich weiterhin auf eine Weiterentwicklung der „Merkur“, welche mit „Smaragd“ nun erscheinen sollte, wie die Vorabinfos und der Promotext nahelegten. So gibt es auf diesem Album neben akustischen Gitarren auch wieder einige Gastmusiker zu bestaunen, deren Ankündigung schon früh meine Speicheldrüsen reizte. Mit dabei ist Clemens Toyka, der wie schon bei ISLAND für Blechbläser, genauer gesagt Posaune, zuständig ist. Dazu gesellen sich noch Fredy Schnyder (NUCLEUS TORN) an der Hammond-Orgel und Anna Murphy (NUCLEUS TORN, CELLAR DARLING, ex-ELUVEITIE), welche bei einem Lied („Murderers“) Hurdy-Gurdy bzw. Drehleier spielt und zudem beim letzten Song („Frozen in Time“) die Vocals übernommen hat. Eine weitere Neuerung stellt der allgemein weitaus häufiger auftretende Klargesang dar, welcher von den Niederländern Chester Gerritse und Ingo Kerstjens übernommen wurde.

Posaune? Hammondorgel? Klargesang? Und dann auch noch Drehleier? Das mag für manche eher puristisch angehauchte Metaller etwas befremdlich klingen. Aber keine Sorge, euch erwartet hier keineswegs fröhlich-poppiges Folk-Gedudel! Die Posaune fügt sich wie schon bei ISLAND sehr gut in den Sound ein, was gleichermaßen für die Hammond-Orgel gilt. Beide sind zwar in etlichen Liedern vorhanden, aber sie fallen kaum auf, wenn man nicht gezielter darauf achtet, da sie eher hintergründig agieren, also in etwa das machen, was bei anderen Bands ein dezentes Keyboard, effektbeladene Gitarren oder Streicher zu erreichen vermögen. Wie ein wohldosiertes Gewürz drängen sie nicht in den Vordergrund, sind für den Gesamtsound und die Atmosphäre aber außerordentlich wichtig. Zwar spielt Anna Murphy in erwähntem Lied ein Solo, aber das hat mit eher fröhlichen Folk-Parts à la ELUVEITIE ebenso wenig zu tun wie ihre zerbrechlich-ausdrucksstarke Gesangsleistung im letzten Lied, die eher an ihre Performance auf z. B. der letzten Scheibe von NUCLEOUS TORN erinnert. Auch die klaren Gesangsbeiträge der beiden Gastsänger, welche ihre prominentesten Auftritte beim Opener „Into Depression“ und den gänzlich ruhig gehaltenen Liedern „In My Shadow“ und „As the Snow Melted“ haben, wirken keineswegs poppig-aufdringlich, da sie dazu zu introvertiert intoniert sind. Wenn man Vergleiche zu den Vorgängern ziehen möchte, dann sind letztere Lieder das, was „Noatun“ auf der „Merkur“ war. Dazu gibt es jede Menge Lieder und Abschnitte, die man auch schon bei der „Merkur“ bewundern durfte, angereichert um etliche Nuancen, von denen die Gastbeiträge nur einen Teil darstellen.

Musikalisch betrachtet ist das Album unglaublich spannend und interessant aufgebaut. Tim und Florian zeigen an Gitarren und Bass nochmals ihr ganzes Können, es gibt auch in den ruhigen Abschnitten jede Menge interessanter Rhythmen, Akkord- und Tonfolgen, welche das Ganze nicht langweilig werden lassen. Die schwarzmetallischen Teile bieten sowieso das, was mich auch an der „Merkur“ schon so fasziniert hat, wobei hier vor allem die meist zweistimmigen Gitarrenlinien hervorzuheben sind. Hinsichtlich des allgemeinen Sounds habe ich absolut nichts auszusetzen, er ist den einzelnen Elementen ideal angepasst, alles ist perfekt hörbar, mal druckvoll-fetzend, mal schneidend, mal gefühlvoll-zerbrechlich. Da hat auch Armin Rave wieder einmal hervorragende Arbeit geleistet.

Angesichts dessen, dass Session-Drummer Patrick Schroeder keinen Metal mehr übt, wie Florian im Interview berichtete, ist seine Leistung auf diesem Album umso beeindruckender. Letztlich gibt es nämlich wieder jede Menge krummer Takte zu hören, vornehmlich 5/8, 6/8, 7/8 und 11/8, welche teilweise ganze Lieder durchziehen. Dass die Songs nie geprobt wurden, ist zumindest für einen Außenstehenden kaum wahrnehmbar. Wen also ungerade Takte, Taktwechsel und interessante Tonartwechsel zu fesseln und berühren vermögen, der ist hier gewiss an der richtigen Adresse. Zumindest ich habe ein Faible dafür, was ich, seitdem ich darauf gezielt höre, rückblickend schon bei etlichen meiner Lieblingslieder feststellen durfte.

Gesanglich liefert Tim Steffens eine sehr differenzierte und akzentuierte Leistung ab, indem die Variationen beim Schreien und Growlen ausgezeichnet mit den jeweiligen Stimmungen der Passagen abgestimmt sind. Das stellt für mich auch nochmal eine Weiterentwicklung zu den bisherigen Veröffentlichungen dar.

Was die Dynamik der einzelnen Songs angeht, so sind sich KLABUATAMANN dahingehend treu geblieben, dass ruhige Passagen häufig mit rasenden Black-Metal-Teilen alterieren, was interessante Spannungsbögen erzeugt, die der geneigte Hörer erst einmal nachvollziehen muss. Metal-lastige Mid-Tempo-Passagen, wie sie vornehmlich die „The Old Chamber“ ausmachten, sind beispielsweise bei „Murderers“ und „Enemies‘ Blood“ vorhanden, treten allgemein häufiger auf als noch auf „Merkur“. Insgesamt wirkt das Album aber trotz der doch recht kontrastierenden Elemente keineswegs unausgewogen! Ganz im Gegenteil, auf mich wirkt es eher ein wenig homogener, konsistenter, da es, bereichert um etliche kleine Elemente, weniger abrupt wirkt als die „Merkur“.

Insgesamt wirkt die erste Hälfte des Albums etwas ruhiger als die zweite, was hauptsächlich an den getragenen Teilen des Openers sowie vor allem den beiden nicht-metallischen Liedern liegt. Die zweite Hälfte wirkt auf mich rasanter, bevor sie dann sehr schön mit dem bewegenden „Frozen in Time“ endet, welches hoffentlich nicht den letzten Punkt KLABAUTAMANN’schen Schaffens darstellt. Am schwarzmetallischsten geht es bei „My Terrifying Mirror“, „Under Feral Skies“, „Enemies‘ Blood“ und dem Titelsong „Smaragd“ zu, weswegen ich diese Lieder zusätzlich zum bereits veröffentlichten Opener jenen als Anspieltipps empfehlen möchte, die diese härtere Seite der Band eher schätzen und sich ggf. erst einmal mit dem Klargesang anfreunden müssen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass das Album all meine Erwartungen erfüllt und sogar stellenweise noch übertroffen hat. Die Scheibe habe ich mittlerweile an die 50 Male durchlaufen lassen, doch sie wird immer noch nicht langweilig, es gibt immer wieder neue Sachen zu entdecken, unter neuem Licht zu betrachten, und das Album entfaltet stets aufs Neue eine Wirkung, welche von der letztmaligen in Nuancen abweicht und mich fesseln kann. Stellenweise möchte man mitschreien und headbangen, dann die klaren Gesangslinien inbrünstig mitsingen und ab und zu auch einfach auf groteske Art und Weise dazu tanzen. Aus diesen Gründen wird mich dieses Album gewiss noch eine sehr lange Zeit begleiten!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (01.06.2017)

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