KOBRA AND THE LOTUS - Prevail I

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VÖ: 12.05.2017
Bandinfo: KOBRA AND THE LOTUS
Genre: Heavy Metal
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Seit ihrem Bestehen (Gründung 2009) kommen von den modern und variabel klingenden kanadischen Heavy Metallern KOBRA AND THE LOTUS regelmäßig im 2-3 Jahresabstand Alben auf den Markt, die eine große Fangemeinde finden. Nachdem dies 2015 "nur" eine EP war, war es nun wirklich an der Zeit, wieder einen Longplayer zu machen. Bei der Kraft, die hinter der Band steht, den tollen Vocals und natürlich auch der guten Optik die Frontfrau Kobra liefert, fehlte den Fans schon neues bzw. weiteres Material.

Die Erwartung ist natürlich hoch, wenn man an die bisherigen Alben denkt. Erfüllen sie das wieder? Hat die Kobra noch den gleichen Biss, oder ist sie zahmer? Schließlich wurde Sängerin Kobra Paige sogar schon als der "weibliche Dio" bezeichnet. Bleiben die Musiker ihrem Heavy Metal treu, oder betreten sie neue Pfade? Also reingehört:

Opener "Gotham", ja, der passt zur bisherigen Richtung und erfreut einen mit Kobras starker Stimme, sowie tollen, ausgeklügelten Gitarren-Soli und eingängigen Riffs, und melodisch-harten Parts, die besonders beim Refrain gut kommen. Der "TriggerPulse" fährt auch ordentlich los, wird dann aber zahmer bzw. erfährt Rhythmen- und Melodiewechsel Richtung etwas Theatralischem, Modernerem. Kobra arbeitet die Höhen und Tiefen des Songs sehr gut mit ihrer Stimme heraus, schwirrt in Tiefen ab und gleitet in Höhen, ohne aber je ins Kreischen zu kommen.

Die Nummer drei "You Don't Know" kennt man vom vorab veröffentlichten Video. Ich frage mich, warum man genau diesen Song gewählt hat. Weil er massentauglich ist? Weil für mich klingt sie bei dieser Nummer streckenweise recht Girlie-mäßig. Die Stärke, die Kobra mit ihrer Stimme transportieren kann, geht ein wenig unter in diesem Song mit stellenweisem Pop-/Mainstream-Charakter. Die Band ist gut [Anm. d. Lekt.: Wäre schlimm, wenn sie es nicht wäre!], knackige Drums und Bass, verspielte und harte Riffs im Wechsel, Nachdruck bei den Melodien. Aber irgendwie hätte man da was Anderes draus machen können. Ein wenig zu zahm also, für meinen Geschmack.

Das wird aber gleich wieder gut gemacht, durch die lässigen Gitarren bei "Specimen X", sowie den modernen Metal-Ansätzen. Besonders auffällig hier das Schlagzeug mit einem dominaten Stakkato-Rhythmus und die antreibenden Höhenflüge beim Singen - eine sehr interessante Mischung, die zwischendurch lange Instrumentalparts mit orchestralen Einsätzen hat und hier nach Symphonic/Powermetal klingt. Der über fünf Minuten lange Song ist eine Plattform für die anderen Musiker, sich präsentieren zu können und mal nicht an die Wand gesungen zu werden.

Die darauf folgende Power-Ballade "Light Me Up" hat das Zeug dazu, viele von der Kraft der Band zu überzeugen. Und damit sind nicht nur Metaller gemeint. Eigentlich ein weiterer Hinweis darauf, dass ein Ziel dieses Albums ist, die Band einem breiteren Publikum näher zu bringen. Da kann man nur wünschen, dass diese Rechnung aufgeht. Weiter geht's im Wechsel zart-hart. "Manifest Destiny" ist nämlich wieder knackig, weckt Erinnerungen an Fantasy-Filme und zeigt einmal mehr die stimmliche Qualität von Kobra (Hinweis: klassische Gesangsausbildung). Sie packt mit spielerischer Leichtigkeit und Überzeugung Höhen und Tiefen um die sich andere nur herumquälen, und baut eine eigene Atmosphäre rund um ihre Musiker auf.

"Victim" ist sehr melodiös und gleichzeitig mit pushenden Riffs und Doppel-Gitarren-Attacken versehen. Eine abwechslungsreiche Nummer, die mit ihren groovigen Takten immer wieder auffordert, zuzuhören. Dazu harmonisch und akzentuierend eingesetzte Backing-Vocals bei den intensiven Refrains, während Kobra streckenweise nur alleine mit Schlagzeugbegleitung singt. Im Gegensatz zu diesem auf Vocals und Drums fokussierten Song, folgt ein ziemlich gefinkeltes Gitarrespiel beim anschließenden Instrumentalstück "Check The Pyhrg" - sie entfernen sich da ganz schön aus dem Fahrwasser des reinen Heavy Metal. Andererseits gibt die Nummer den Musiken wiederum Gelegenheit ihre Fähigkeiten auf den Saiteninstrumenten zu demonstrieren.

"Hell On Earth" ist wieder ein Song im Kobra-Stil, wo sie erneut ihre Fähigkeiten als ausgebildete Sängerin ausleben kann. Das Zwischenteil mit Gitarrensolo fehlt natürlich nicht, genausowenig die Stellen wo man mitgrölen oder die Fäuste hochrecken kann. Und natürlich das Headbangen nicht vergessen. Sehr Festival-tauglich bzw. livetauglich diese Nummer, man spürt förmlich wie hier die Bühne bebt. Das abschließende "Prevail" ist sehr bombastisch und sozusagen die Metal-Hymne des Albums. Eine lässige Nummer die Power hat, aber genauso ein paar ruhige Takte integrieren kann, wo man den Refrain mitsingt und die Riffs ins Ohr gehen. Klasse Song.

Fazit: Ein gut gemachtes Album mit tollem Songwriting. Die Band legt nicht nur auf Härte wert, sondern auch auf Melodie. Symphonische Parts wechseln mit knackigem Metal, ausgeklügeltes Gitarrenspiel wird getoppt von perfekten Vocals. Einzig die hie und da sehr starke Orientierung am Mainstream ist in meinen Augen nicht optimal. Die starke Stimme von Kobra wird ein bisschen zu sehr gezähmt für meinen Geschmack.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (12.05.2017)

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