TENGGER CAVALRY - Die On My Ride

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VÖ: 02.06.2017
Bandinfo: TENGGER CAVALRY
Genre: Folk Metal
Label: M-Theory Audio
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Lineup  |  Trackliste

Als ich vor ein paar Jahren zum ersten Mal Stücke von TENGGER CAVALRY hörte, war ich ziemlich hin und weg. Das war mal was anderes. Sehr exotisch, sehr Dschingis-Khan-mäßig: Viel Folk, zahlreiche Instrumente die man im Westen nicht hört, wilde Rhythmen, die eher zu einem Reitervolk passen als Autofahrern und trotzdem Metal-Gitarren, Bass und Schlagzeug. Akustisch klang das oft so, als wäre man auf einem Filmset zu einer Dokumentation über die asiatischen Steppenreiter. Ziemlich aufregend und eben "anders".

Daher war die Neugier groß, was mit dem neuen Album auf mich zukommen würde. Wieder wilde Ritte durch die Steppe? Filmmusik-tauglicher Folk-Metal? Oder etwas Neues?

Und richtig - die Band wartet mit etwas Neuem auf. Eine ziemliche Stiländerung, die bei "Die On My Ride" auf uns zukommt. Ich habe keine Ahnung ob es daran liegt dass nun einige Musiker ausgetauscht wurden, sie in den USA leben, älter und ruhiger geworden sind, oder einfach nur mal was Neues machen wollten, unterm Strich sind die Songs viel zahmer und ruhiger. Der Biss ist bei den meisten weg und der exotische Touch der nomadischen Folk-Metal-Mischung wird sehr oft mit artfremden Klängen zerstört. Echt schade in meinen Augen, weil genau das hat für mich früher die Exklusivität von TENGGER CAVALRY ausgemacht.

Schon das Intro verstört. Bei "Snow" fühlt man sich einem Kammerorchester gegenüber, "To The Sky" kombiniert ein verzerrtes Streichquintett mit zu tiefem Sprechgesang und ein wenig Psychedelic-Sound, "Prayer" kommt mit einem grünen Kleid aus Naturtönen daher und klingt durch Trommel und Sprechgesang auch wirklich wie das Gebet eines Schamanen, bei dem die wilden Tiere im Hintergrund heulen, jaulen und piepen. "Ashley" ist eine weitere ruhige Nummer, die aus einem völlig anderen Genre zu kommen scheint (Pop/softer Elektropop/Boygroup-Zeugs), genauso wie "The Choice Of My Mind", das auf die Vocals fokussiert ist, dazu ein wenig akustische Gitarre und die nicht wegzudenkenden asiaischen Streichinstrumente. Irendwie gar nicht dazupassend für mich, die Synthieklänge vom Bonustrack "Burn". Und die unterschiedlichen Instrumente, die für diesen Song verwendet wurden, entziehen sich auch der eindeutigen Identifizierung.

Doomig und in der Kombination mit einem Schlangenbeschwörer-Rhythmus und extrem tiefem Sprechgesang klingt "Independence Day" auf gewisse Weise schon interessant, aber eben ziemlich in eine Nische gesetzt. Damit steht diese Nummer nicht alleine da. "Me Against Me" zum Beispiel, scheint aus zwei verschiedenen Songs zusammengewürfelt zu sein. Gewöhnungsbedürftig. Viele der rhythmischeren Metal-Songs erfahren einen ähnlich eigenartigen Wechsel, sind irgendwie nicht zuordenbar und teilweise so weit von einer durchgängigen Linie entfernt, dass sie befremdlich klingen statt interessant. Man braucht Beharrlichkeit, um das ganze Album von vorn bis hinten durchzuhören.

Ganz haben TENGGER CAVALRY die Mongolen-Power aber noch nicht verloren, zu hören bei "Die On My Ride", obwohl diesem Lied die langsamen Stellen viel von dem wegnehmen, was hätte sein können. Etwas besser "Strike", das ziemlich viel Metal beinhaltet (Gitarrenriffs, Rhythmus), "Cursed" mit dem auffällig kehligen Gesang und der für die Band typischen Mischung aus Gitarren und traditionellen Instrumenten, sowie "The Frontline", das ganz schön schnell wird, aber leider wieder mit völlig fremden Rhythmus- und Soundwechsel glänzt (klingt fast irisch für meine Ohren). Der Bonustrack "We Will Survive" ist auch hier zu finden.

Unterm Strich: kein einfaches Album, das sie uns mit "Die On My Ride" vorlegen. Es braucht einen sehr offenen Musikgeschmack, um diese Songs anzuhören, und auch der Tengger-Fan wird es nicht leicht mit dem neuen Album haben. Aber wer mutig ist und auf schräge Töne steht, dem kann man das Reinhören empfehlen.

 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (29.05.2017)

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