ENSLAVED - Roadburn Live

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VÖ: 19.05.2017
Bandinfo: ENSLAVED
Genre: Metal
Label: By Norse Music
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Roadburn-Festival ist seit 1999 eine Fixinstitution in der europäischen Konzertlandschaft und hat sich über die Jahre mehr und mehr vergrößert. Die Zuschauerzahlen stiegen, und auch der stilistische Rahmen wurde gedehnt, die Bandbreite lag dabei 2017 (neben dem ohnehin zelebrierten Doom und Extreme Metal) etwa zwischen Synth-Sounds wie CARPENTER BRUT, Okkult-Rock mit COVEN und Death Metal mit MEMORIAM. Newcomer wie musikalische Institutionen bevölkerten im Laufe der Jahre die holländischen Bühnen, meist hochkarätig und von berufener Seite auserkoren. Zur Freude Vieler waren 2015 auch ENSLAVED eingeladen, das altehrwürdige Festival mit ihren nordischen Hymnen voller Tiefgang und dunkler Emotion zu bereichern. Zudem fungierte Gitarrist Ivar Bjørnson bei dieser Edition als Kurator.

Es sollte kein Special Set sein, das die legendären Norwegen an jenem Abend präsentierten, der Focus lag vielmehr klar auf der 2015er Großtat „In Times“, die vorrangig repräsentiert war, aber immerhin gab es Gastperformances (u.a. von Kvitravn/WARDRUNA). Die Norweger nützten die Möglichkeiten und Gegebenheiten vor Ort, um ihr erstes Livealbum aufzunehmen, das zwar wohlgelungen ist, aber trotz einer Spielzeit von 64 Minuten fast zu knapp bemessen ist, um dem umfangreichen Gesamtwerk der VikingProgBlack-Granden gerecht zu werden. Hier hätte es ruhig ein Doppelalbum sein dürfen. Was der geneigte Fan allerdings zu Gehör bekommt, ist eine äußerst gelungene, atmosphärisch dichte Vorstellung, eine Momentaufnahme dieses Abends (der schließlich kein Wunschkonzert war), die zu begeistern und zu fesseln vermag.

Teils behutsam und bedächtig lassen ENSLAVED ihr Songmaterial wirken, dann wieder scheppert es mit mächtig krachigem Anschlag. Frontmann Grutle führt seine Truppe durch ein starkes, von der Songauswahl eher Prog-, denn Viking Metal angehauchtes Livealbum, das vom tollen „Building With Fire“ (der Opener jenes Abends, „Thurisaz Dreaming“, wurde wohl zu Gunsten der Spielzeit geopfert) eingeleitet wird. Groß dabei „Death In The Eyes Of Dawn“, kantiger die etwas älteren Titel wie „Convoys Of Nothingness“ oder „As Fire Swept Clean The Earth“. Ob es zwingend das (sehr gelungen umgesetzte!) LED ZEPPELIN-Cover sein musste, oder sich nicht ein anderer Klassiker gemacht besser hätte, sei zumindest andiskutiert, die Fans vor Ort nahmen den Rausschmeißer jedenfalls dankbar auf. Alles in Allem ist „Roadburn Live“ ein ansehnliches Livealbum, das als Doppeldecker noch einiges mehr hergemacht hätte.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (19.05.2017)