MALEVOLENCE - Self Supremacy

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VÖ: 19.05.2017
Bandinfo: MALEVOLENCE
Genre: Hardcore
Label: Soulfood Music
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Lineup  |  Trackliste

MALEVOLENCE sind (endlich!) zurück. Vier Jahre nach ihrem phänomenalen Debut „Reign Of Suffering“, das in Hardcore-Kreisen für erhebliches Aufsehen sorgte, wollen es die ungekrönten Modern-Hardcore-Könige aus Sheffield noch einmal wissen. Besonders für mich war das Release von „Self Supremacy“ mit astronomischen Erwartungen behaftet, da die bisherigen acht Songs (auf mehr kam das Vorgängeralbum leider nicht) einen mehr als bleibenden Eindruck hinterlassen hatten, sodass ich seit Ankündigung der Platte die Tage bis zum Release gezählt habe. Doch kann dieses musikalische Äquivalent einer Hinrichtung durch Bordstein-fressen á la Malcom X diesen Erwartungen standhalten?

Zunächst einmal: „Self Supremacy“ ist wesentlich mehr Beatdown als sein Vorgänger und die fein geschriebenen Riffs und die übertriebene Coolness der Inszenierung mussten teilweise Platz machen für Mosh-Parts und Poser-Geshredde. Das klingt jetzt vielleicht zunächst nach harter Kritik, fügt sich aber überraschend gut in den bekannten MALEVOLENCE-Sound ein. Schon der eröffnende Titelsong „Self Supremacy“ zeigt, dass die Band zwar ihrem bewährten Konzept treu bleibt, aber erweitert. Fünf Minuten lang vollzieht sich hier ein wilder Wechsel aus intelligenten LAMB OF GOD-artigen Riffs, Beatdown Parts nach Schema NASTY und klassischem Hardcore-Geballer mit fein gesetzten Nuancen. Allgemein zeigt sich schon hier, dass MALEVOLENCE ihre starke Gitarrenlastigkeit beibehalten; Genau wie die Parts mit dreckigem Clean-Gesang, der sich wunderbar in den Gesamtsound einfügt. „Trial By Fire“ offenbart sich als wahre Beatdown-Hymne, die wohl mehr oder weniger offensichtlich auf den Einfluss NASTYs zurückzuführen sein dürfte. Schon das Eröffnungsriff erinnert überraschend stark an „The Heat“ von eben genannten. Auch „Severed Ties“ schafft die wunderbare Gradwanderung zwischen PANTERA und TERROR, die den Stil der Band im Wesentlichen ausmacht. Besonders schön präsentiert sich hier das Feature von Andrew Neufeld (COMEBACK KID) mit dreckigen Riffs und einer netten Mosh-Einlage. Die vorab veröffentlichte Single „Wasted Breath“ ist ein absoluter Höhepunkt des Albums: Ständige Tempo- und Stilwechsel, von klassischem Beatdown über dreckige Gitarrensoli, Deathcore-Einlagen und Parts im Tempo der oben schon zum Vergleich herangezogenen LAMB OF GOD, bis hin zu fett ausgearbeiteten Poser-Riffs. MALEVOLENCE verabschieden sich hier von klassischen Songstrukturen und reihen einfach über fünf Minuten lang Höhepunkte verschiedener Genres aneinander – mir gefällt‘s! Mit „Body Count“ geht es in klassischer Beatdown-Manier weiter, immer wieder garniert mit stilbrechenden Gitarrenelementen, die dem Ganzen aber einen individuellen Touch verleihen. Erst an dieser Stelle geben uns MALEVOLENCE kurz Zeit zum Durchatmen: Zwei Minuten atmosphärisches Gitarrengeklimper von „4AM On West Street“ leiten zur nächsten Single weiter. „Slave To Satisfaction“ überraschte schon bei Veröffentlichung mit einem zunächst extrem langsamen Tempo und besagtem herausstechenden Gesang. Schnell entwickelt sich der Song aber in eine Hommage an „Reign Of Suffering“, voller altbekannter MALEVOLENCE-Elemente. Kein Wunder, dass die Band diese Single als erste unter die Fans gebracht hat. Auch in den letzten vier Songs wagen MALEVOLENCE keine Experimente mehr, die Band scheint mit „Self Supremacy“ ihren Stil gefunden, beziehungsweise sinnvoll erweitert und verfeinert zu haben. Hervorzuheben ist allerdings noch „True Colours“, das den geistigen Nachfolger des Stoner-Metal-Experimentes „Turn To Stone“ auf dem Vorgängeralbum darstellt. Auch hier setzt die Band mehr auf Atmosphäre und stimmungsvolles Riffing als auf den ansonsten stark vertretenen ‚Aufs-Maul-Faktor‘ (ja, das ist der Fachausdruck). Letzterer findet sich aber noch zu genüge im Rausschmeißer „Low Life“, der auch noch die letzten Staubreste aus den Ritzen der Stereoanlage pustet.

Self Supremacy“ ist ein durch und durch fettes Hardcore/ Beatdown Album geworden, das besonders in letztgenanntem Genre die Latte höher legt. MALEVOLENCE begeistern wieder mit ihrer eingespielten Kombination aus unkontrollierter Härte und intelligentem und gitarrenlastigem Songwriting, das hier für mehr als einen Höhepunkt sorgt. Der gesamte Sound wirkt wie eine sinnvolle Weiterentwicklung des Konzeptes von „Reign Of Suffering“ und dürfte die Band wohl auch endlich aus der dunklen Ecke der Geheimtipps katapultieren.  



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (24.05.2017)

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