CLOVEN HOOF - Who Mourns For The Morning Star

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VÖ: 21.04.2017
Bandinfo: CLOVEN HOOF
Genre: Heavy Metal
Label: High Roller Records
Lineup  |  Trackliste

Etliche Bands der New Wave of British Heavy Metal hatten ursprünglich nur kurz andauernde Karrieren mit keinen bis wenigen Studioalben. Seitdem Heavy Metal wieder allmählich salonfähig wurde, haben sich zahlreiche Bands wiedervereint, darunter auch NWoBHM-Acts wie TRESPASS, GASKIN, MORE, JAGUAR, DIAMOND HEAD, VARDIS oder eben CLOVEN HOOF. Drei Studioalben hatten CLOVEN HOOF in den Achtzigern veröffentlicht, die ihnen Kultstatus bescherten. Insbesondere das gleichnamige Debütalbum gilt als ein Klassiker der NWoBHM.

Nun erschien das dritte Studioalbum seit der Reunion 2000, das den Titel "Who Mourns For The Morning Star" trägt. CLOVEN HOOFs Besetzung wechselte bereits während der ersten Phase der Existenz der Band (1979-1990, zuerst noch unter dem Namen NIGHTSTALKER) einige Male. Die einzige personelle Konstante ist Bassist Lee Payne. Da er auch der Hauptsongwriter der Band ist, fallen die Wechsel an den Gitarren und am Schlagzeug wenig ins Gewicht. Was sich jedoch jedes Mal bemerkbar macht sind die neuen Sänger. Bisher ist Russ North (der auch seit der Reunion immer wieder mal kurzfristig als Sänger der Band fungierte) der einzige, der auf zwei Studioalben zu hören ist ("Dominator" und "A Sultan's Ransom"). Jedes andere Studioalbum wartet mit einem anderen Sänger auf (wobei David Potter und Matt Moreton auch je auf einer EP vertreten waren).

Aktuell singt der US-Amerikaner George Call bei CLOVEN HOOF. Im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger Joe Whelan, der auf "Resist Or Serve" gesungen hatte (und in Großbritannien als ehemaliger "X-Factor"-Kandidat bekannt ist) wirkt Call wie eine gute Wahl. Whelans Stimme mangelte es an Power und Umfang, was man bei George Call auf "Who Mourns For The Morning Star" nicht bemängeln kann. Aber im Vergleich zu den Sängern der klassischen Ära, David Potter und Russ North, aber auch Rob Kendrick (Sänger auf dem Live-Album "Fighting Back"), ist irgendetwas anders. Es liegt nicht nur am Akzent, Call hat keine "typische" NWoBHM Stimme, sie klingt "moderner" und als würde sie tiefer aus dem Bauch kommen, im Gegensatz zum helleren Stimmklang seiner Vorgänger. George Call ist kein Jacopo Meille, mit dem die TYGERS OF PAN TANG einen Glücksgriff landeten, da dieser stimmlich genau zwischen seine beiden Vorgänger hineinpasst, sondern man könnte es mit DIAMOND HEAD vergleichen, wo sich die Stimme des aktuellen Sängers, Rasmus Bom Andersen, ähnlich zur Stimme des originalen Sängers, Sean Harris, verhält. Das ist kein Mangel, Call ist ein guter Sänger, aber es dürfte für manche etwas gewöhnungsbedürftig sein, wie eben auch bei DIAMOND HEAD.

Wer mit diesem doch recht radikalen Wechsel der Vocals kein Problem hat, wird an dem Album höchstwahrscheinlich seine Freude haben. "Who Mourns For The Morning Star" ist, was die Qualität der Songs betrifft, vergleichbar mit dem Vorgängeralbum "Resist Or Serve". Vom Opener "Star Rider", der mit einer gehörigen Portion Power dahinprescht bis zum epischen letzten Track "Bannockburn" gibt es keinen Song, der nicht klassischen, sehr melodiösen, rifflastigen Heavy Metal bietet. Und doch, obwohl das Album eigentlich keine schwachen Songs hat, dauert es sehr lange bis sich die Songs langsam in den Gehörgängen festsetzten und einzelne Songs aus der insgesamt kompakten Masse besonders herausstechen. Insgesamt ist es schon lange ein Problem der Band, dass sie keinen wirklich eigenständigen, markanten Stil hat. Dazu gehört "I Talk To The Dead", das sich auch gut als Post-Reunion-JUDAS PRIEST Song gut machen würde. Ganz fern erinnert es stilistisch an Lieder wie "Deal With The Devil" (von Priests "Angel Of Retribution"), ist aber ein stärkerer und - auch was seine Struktur betrifft - interessanterer Song. Ähnliches gilt in etwas geringerem Maße auch für "Time To Burn" (das etwas mehr an die "Painkiller"-Ära erinnert).

Das bereits erwähnte "Bannockburn" ist eine Powermetal-Ballade, an der auch IRON MAIDEN-Fans Gefallen finden könnten. "Neon Angels" hebt sich auch einen Tick von den anderen Songs ab. Die letzte Minute des nur rund dreieinhalb-minütigen Songs (der einem aber gefühlt länger vorkommt) ist trotz oder gerade wegen seiner Einfachheit der am schnellsten eingängige Teil eines Songs auf diesem Album. Wer mit CLOVEN HOOF bereits vertraut ist, der kann sich darauf verlassen auch hier (fast) alles wiederzufinden was den Sound der Band ausmacht. Auch meint zum neuen Album: ""Who Mourns For The Morning Star?" combines all the best qualities of the trademark CLOVEN HOOF sound but it is played better and the vocal delivery is off the scale. The full band width of the band is explored and there are epic tracks next to more hard hitting numbers that build and cover a whole spectrum of moods and atmospheres." Wie gesagt ist das einzige, das Fans der Band gewöhnungsbedürftig finden könnten George Calls Gesang, auch wenn er ist, was Payne immer schon wollte: "All my life I had a vision in my head what I wanted CLOVEN HOOF to sound like. Musically we had come close but I was never 100% happy with the vocalist. George has a world class voice and range and I want to utilise it fully with the scope of our music." Man sollte ihm also durchaus eine Chance geben und seine Stimme erst mal auf sich wirken lassen.

Für diejenigen, die die Band noch nicht kennen, bietet CLOVEN HOOF auf "Who Mourns For The Morning Star" astreinen traditionellen Heavy Metal britischer Prägung (mit amerikanischen Vocals), den man zumindest musikalisch durchaus mit dem aktuelleren Outputs von Größen wie JUDAS PRIEST und IRON MAIDEN vergleichen kann.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (30.05.2017)

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