TANKARD - One Foot In The Grave

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VÖ: 02.06.2017
Bandinfo: TANKARD
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

35 Jahre TANKARD, Respekt!
Bei den The Big Teutonic Four sind eigentlich auch nur die Gelsenkirchener SODOM älter und wenn man dann auch noch bedenkt, dass sich die Frankfurter in all dieser Zeit nicht mal kurzfristig aufgelöst haben und immer noch gerne dem goldenen Gerstensaft fröhnen, ist das eine umso beachtlichere Leistung, die sie, passend zum Jubiläum, mit ihrem 17. Studioalbum namens "One Foot In The Grave" vervollkommnen, auf dem sie gewiss nicht scheintot mit Rollator angehumpelt kommen, sondern sehr zeitkritisch und musikalisch so aggressiv wie seit locker 12-13 Jahren nicht mehr.

Dafür haben TANKARD einige, durch die Aktualität der Themen schlüssige Motive: Es geht um Pay-To-Pray (was es damit auf sich hat, sollte schon durch den Titel deutlich werden), Social Media ("Arena Of The True Lies"), den Syrienkrieg ("Syrian Nightmare"), natürlich auch um den unfehlbaren Imperator Donald "The Donald" Trump ("Lock 'Em Up!") und selbst die übliche Biernummer "Secret Order 1516" erhält mit der Fracking-Materie einen kritischen Unterton, den TANKARD laut eigener Aussage immer schon innehatten, aufgrund des stark erhöhten Die-Kacke-ist-ordentlich-am-Dampfen-Grades auf unserem Planeten nun aber deutlicher herauskehren.

Auf musikalischer Ebene hingegen hat sich, außer eben, dass man wieder nahezu durchgehend angriffslustigere und schnellere Nummern komponiert hat, wenig verändert, sodass man gerade mal im stark beschleunigenden Opener "Pay To Pray" leicht moderne Einflüsse identifizieren kann und damit neben dem klassischen Bierchen auch mal der neumodische Hopfensmoothie seine Chance erhält. Ganz mithalten kann das anschließende "Arena Of The True Lies" da zwar trotz unterhaltsamer Textzeilen eher nicht, aber spätestens mit dem folgenden "Don't Bullshit Us!" (der nächste TANKARD-Hit) zieht "One Foot In The Grave" gehörig an und feuert dann aus allen Rohren - oder Bierkrügen. Der Titeltrack beispielsweise erlaubt sich einige NWOBHM-Zitate, "Northern Crown (Lament Of The Undead King)" besticht durch seine melodische Ausrichtung und "The Evil That Men Do" wie auch "Sole Grinder" wären auf den Klassikern der 80er ebenso wenig fehlplatziert gewesen wie die in Richtung Populismus fliegende Ohrfeige mit der Faust "Lock 'Em Up!" - stark!

Dazu passt übrigens auch, dass TANKARD mit Martin Buchwalter einen anderen Produzenten (zuvor Michael Mainx) als noch auf den letzten drei Alben auserwählt haben, der dem 17. Output der Frankfurter einen deutlich druckvolleren und dennoch transparenten Klang ermöglicht hat, wodurch dieses Mal auch mein persönlicher Hauptkritikpunkt, den ich auf "R.I.B." und Co. nie so wirklich loslassen konnte, komplett hinfällig ist. 

Schlussendlich haben TANKARD also noch längst nicht Feierabend und veröffentlichen mit "One Foot In The Grave" ihr womöglich bestes Album seit "The Beauty And The Beer" - mindestens. Dabei fällt nicht nur positiv auf, dass die Vier wieder bissiger und temporeicher zur Sache gehen, sondern eben auch die vielen kritischen Zwischentöne, die man natürlich - keine Sorge - trotzdem im gewohnten Gerre-Jargon vorgetragen bekommt. Nach 35 Jahren immer noch so spritzig zu sein und solch hochwertigen Thrash Metal zu fabrizieren, das verdient definitiv große Anerkennung. Viel besser kann man sein eigenes Jubiläum eigentlich kaum feiern. Und wie sagte Gerre im Interview so schön? Auf weitere 35 Jahre!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (26.05.2017)

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