AVATARIUM - Hurricanes And Halos

Artikel-Bild
VÖ: 26.05.2017
Bandinfo: AVATARIUM
Genre: Hard Rock
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Nach der CANDLEMASS-EP und dem DOOMSDAY KINGDOM-Album durften sich AVATARIUM-Fans auf neues Futter aus der Feder von Maestro Leif Edling freuen. Auch wenn er bühnentechnisch und auch sonst aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme kürzer treten musste und mit den beiden anderen Bands nicht gänzlich überzeugte, so hoffte man zumindest beim hier besprochenen Projekt auf songwriterische Glanzleistungen (sechs der acht Tracks stammen aus seiner Feder, zudem fungiert er, obwohl er kein aktives Bandmitglied mehr ist, trotz vermehrter Einbindung der Band weiter als Strippenzieher im Hintergrund), gleichwohl wissend, dass auch Edling wohl nur kreative Power und Inspiration für eine musikalische Heimat haben kann. Gleich der flotte Opener „Into The Fire / Into The Storm“ macht Mut, DEEP PURLE-mäßig tönt die warme Orgel, anschließend zaubert Jennie-Ann Smith mit ihrem kraftvoll-betörenden Organ feine, einschmeichelnde Melodien („The Starless Sleep“). Zudem könnte der Song aufgrund seines stampfenden Rhythmus, der Atmosphäre und Instrumentierung (wie später auch „The Sky At The Bottom Of The Sea“) glatt für GHOST geschrieben sein.

Die sachten Psychedelic-Einflüsse („Road To Jerusalem“) zeigen die stimmungsvolle Seite von AVATARIUM, die mit dem einer Rauchschwade gleich durch die Gehörgänge gleitenden „When Breath Turns To Air“ ihre Fortsetzung findet. Der Fünfer sorgt für Abwechslung und schwebt leichtfüßig durch die halbe Classic/Hard-Rockgeschichte a la LED ZEPPELIN & Co., zudem schimmert nicht nur wegen der Stimme von Jennie-Ann JEFFERSON AIRPLANE durch. Wie immer Geschmacksache, aber Zugang zu dieser 60er/70er-Musikepoche und der freilich fein tönenden Orgel sollten die Anhänger der von der hübschen Blondine angeführten Combo schon haben, um das Album vollends gut zu finden. Die Wucht und Energie der Vorgänger wird zunehmend von der hippiesken, psychedelischen Grundstimmung verdrängt, die Düsternis und Dramatik von Vintage-Flair.

Eine zusätzliche, kleine Wende vollzieht der neue Dreher mit dem knackigen „Medusa Child“, das einen fast ABBAesken Refrain auffährt, bevor der Song ewig in einer lahmen Prog-Jam ausfadet. Gleiches gilt für „A Kiss (From The End Of The World)“, bei dem zwar der Saitenfraktion und epischen Doom-Anleihen mehr Raum gegönnt wird, der Song selbst aber instrumental künstlich in die Länge gezogen wird, der Titeltrack und Rausschmeißer "Hurricanes And Halos" ist als Instrumental ohnehin komplett überflüssig. Album Nr. 3 aus dem Hause der Schweden driftet nach starkem Beginn durch künstlich in die Länge gezogene Teile immer mehr in schwächere Gefilde ab. Als straffe EP wäre „Hurricanes And Halos“ ein echter Hinhörer gewesen, so werden leider Punkteabzüge wegen Verzögerung und Ideenlosigkeit fällig, sodass sich das Album nur knapp über die 3,5-Marke hievt. Angesichts der Grundqualität des Albums wie immer Jammern auf sehr hohem Niveau, dennoch reift immer mehr der Wunsch, dass Edling seine Kreativität und Kraft nach vollständiger Genesung auf lediglich ein Bandprojekt konzentrieren würde.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (24.05.2017)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Meshuggah - ReReleases
ANZEIGE