VANDEN PLAS - The Seraphic Live Works

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VÖ: 12.05.2017
Bandinfo: VANDEN PLAS
Genre: Progressive Metal
Label: Frontiers Records
Lineup  |  Trackliste

Wenn man wie VANDEN PLAS schon mehr als 30 Jahre im Musikbusiness ist, kann man sich mit gewissen Sachen schon mal etwas Zeit lassen. Zum Beispiel mit der Veröffentlichung von Live-Alben. Die Kaiserslauterner haben bei neun Alben erst eine Live-Scheibe veröffentlicht (die 2000er „Spirit Of Live“) und mit „The Seraphic Live Works“ (das als CD und DVD veröffentlich wird) hat es auch lange gedauert: die Aufnahmen dazu wurden nämlich schon 2011 gemacht.

Damals waren VANDEN PLAS beim legendären ProgPower-Festival in Atlanta dabei. Warum „The Seraphic Live Works” allerdings erst sechs Jahre später veröffentlicht wird, das wissen nur die Götter (bzw. im Fall der bekannt christlichen Deutschen „der Gott“). Vielleicht hat es etwas damit zu tun, daß die Jungs für dieses Jahr eine neue Scheibe angekündigt haben...

Jedenfalls war zu der Zeit (wie der Titel der Scheibe schon ankündigt) gerade „The Seraphic Clockwork“ herausen, deshalb besteht der Großteil der „Seraphic Live Works“ aus Songs dieser Platte. Und wie alle logisch denkenden Menschen aus dem Datum folgern werden, sind hier keine Songs der zwei letzten „Chronicles Of The Immortals“-Konzeptalben  dabei. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, mag jeder Fan für sich selbst entscheiden.

Eingerahmt werden die fünf Songs von „The Seraphic Clockwork“ („Rush Of Silence“, „Holes In The Sky“, „Scar Of An Angel“, „Quicksilver“ und „Frequency“) von zwei Songs der  starken „Christ 0“-Platte, nämlich den Highlights „Postcard To God“ und „Silently“, was  sowohl einen starken Beginn als auch ein starkes Ende der Platte garantiert. Zusätzlich sind „Far Off Grace“ vom gleichnamigen Album und „Cold Wind“ von „Beyond Daylight“ dabei.

Gleich die ersten drei Songs auf der Scheibe („Postcard To God“, „Rush Of Silence“ und „Holes In The Sky“) zeigen alle Trademarks, wofür die Deutschen einen kultisch verehrten Status genießen, nämlich knackige Prog-Riffs, eingängige Keyboards und epische Refrains. Ein echt starker Einstieg, vor allem wenn z.B. bei „Postcard To God“ die Keyboards den später folgenden Ohrwurm-Refrain vorwegnehmen, oder wenn beim „Rush Of Silence“-Refrain Gänsehautmomente vorprogrammiert sind. Und den Refrain von „Holes In The Sky“ sollte sowieso schon jedes Schulkind kennen.

Von der dramatischen Abfolge her gut überlegt, aber trotzdem etwas den Schwung bremsend, kommen dann mit „Far Off Grace“, „Scar Of An Angel“ und „Quicksilver“ die eher ruhigen Momente dran. Gerade „Far Off Grace“ ist im Vergleich zu den restlichen Songs recht unspektakulär und bei „Quicksilver“ geht das Publikum beim Einklatschen schön ab, im Vergleich zum starken ersten Drittel der Scheibe fehlt aber hier etwas die Energie. Die kommt dafür bei den letzten drei Songs wieder: „Cold Wind“ erinnert mit seinem fast schon thrashigen Groove an SYMPHONY X, während „Frequency“ und „Silently“ echte Prog-Perlen sind, die bei jedem Durchlauf neue spannende Details offenbaren.

Fronter Andy Kuntz sorgt neben fast perfekten Vocals für sympathische Ansagen (etwa wenn er bei „Rush Of Silence“ glücklich bekanntgibt: „we finally made it across the border“), und auch der Rest der Truppe mit den zwei Lill-Brüdern, Torsten Reichert und Günter Werno, braucht sich spieltechnisch nicht zu verstecken. Auch der Sound ist ein Pluspunkt: genre-angepasst klar und knackig, ohne brachial zu werden.

„The Seraphic Live Works“ zeigt eine Band am Höhepunkt ihres Könnens; diesen typisch teutonischen Prog mit Melodic Metal und AOR-Anleihen haben in dieser Güteklasse sonst nur die großartigen ANGEL DUST hingekriegt – schade nur, dass es so lange gedauert hat, den Mitschnitt dieses Höhepunktes zu veröffentlichen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Luka (09.06.2017)

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