ORDEN OGAN - Gunmen

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VÖ: 07.07.2017
Bandinfo: ORDEN OGAN
Genre: Melodic Power Metal
Label: AFM Records
Lineup  |  Trackliste

ORDEN OGAN gehören für mich spätestens seit ihrem letzten Werk "Ravenhead" zur absoluten Speerspitze des Power Metals mit epischem Einschlag. Was die Jungs um Sebastian "Seeb" Levermann vor etwas mehr als zwei Jahren abgerissen haben, suchte seinerzeit vergeblich nach etwas Vergleichbarem. Bis hierhin hat mir die Diskografie von ORDEN OGAN unglaublich viel Spaß bereitet, große Lücken sucht man vergebens. Umso größer ist die Angst, dass gerade nach einem Monstrum wie "Ravenhead" eine Flaute folgt. Auch Bands wie SERENITY wurde dies zuletzt zum Verhängnis in meinen Augen. Mit "Gunmen" wollen ORDEN OGAN meine hohe Erwartungshaltung aber nicht nur erfüllen, sie wollen sie übertrumpfen. Thematisch verschreiben sich die Jungs diesmal dem Wilden Westen, was definitiv eine interessante Kombination verkörpert.

"Gunman" zeigt mehr als deutlich auf, dass das Konzept mit den ersten Sekunden bereits Einzug erhält. Fette Fanfaren leiten das Stück ein und versetzen uns ohne Umwege in den Wilden Westen. Natürlich lassen ORDEN OGAN es sich nicht nehmen, ihre markanten melodischen Gitarren an den Mann zu bringen. So scheppert das Ding folglich mit wuchtigem Sound aus den Boxen, was einmal mehr verdeutlicht, was für ein unglaublich guter Produzent der gute Seeb ist (u.a. auch für die neuesten Produktionen von RHAPSODY OF FIRE und ALMANAC verantwortlich). So sollte Power Metal soundtechnisch klingen! "Gunman" macht Spaß, ist verspielt, aber nicht zu komplex, um als anstrengend zu gelten für den Einstieg in ein derartiges Album. Der opulente Refrain wird wie gewohnt mit dicken Chören umrandet und lädt gleichermaßen zum Mitgrölen ein. Wenn die Platte weiter auf diesem Pfad wandert, dann gibt es nichts zu befürchten und "Fields Of Sorrow" verdeutlicht mehr als eindrucksvoll, dass sie es tut. Melodiöse Gitarren umranden den Einstieg in dieses Brett, das in seiner Geschwindigkeit immer wieder variiert. Der leicht symphonische Touch gibt der Nummer das gewisse Etwas, trieft aber nie aufdringlich aus den Boxen. Die Strophen wirken eher roh, wohingegen der Chorus ein weiteres Mal ein fulminantes episches Feuerwerk zündet. Ich habe KEINE Ahnung, wo die Jungs derartige Melodien ausgraben, aber qualitativ gibt es aktuell NICHTS besseres in diesem Genre. Das Ganze ist schlichtweg auch sehr intelligent komponiert, denn die Songs offenbaren teilweise durchaus längere Spielzeiten, was gerade im Genre des episch angehauchten Power Metals für unnötige Längen sorgen kann. ORDEN OGAN entgehen diesem Kritikpunkt, da der zweite Chorus dann schlichtweg zu einem noch epischeren Konstrukt mutiert und man uns die Midparts stets mit ordentlich gewürzten Soli versüßt, die verspielt, aber eben auch durchdacht wirken.

Vom Titel her mutet "Vampire In Ghost Town" erstmal merkwürdig an, entkräftet jegliche Zweifel aber bereits binnen weniger Sekunden. Ich kann es nur immer wieder betonen, die melodiösen Gitarren haben bei kaum einer Band einen solchen Impact wie bei den Jungs von ORDEN OGAN. Das Riff setzt ein und ich bin quasi sofort in dieser Welt gefangen. Eine Kunst, die heute meiner Ansicht nach nur noch wenige Bands beherrschen. Und meine Fresse... Erneut schmettert man uns einen Refrain der ersten Güte um die Ohren, der diese nicht mehr so schnell verlassen wird. "Come With Me To The Other Side" lässt vermuten, dass uns eine Ballade ins Haus steht. Akustischer Beginn, engelsgleicher Gesang seitens Liv Kristine und dann... Boom! Nix Ballade! Auch die Nummer knallt in den folgenden Sekunden erbarmungslos aus den Lautsprechern und offenbart einen der wohl mitreißendsten Refrains, den diese Band jemals geschrieben hat. Ich kann mich auch jetzt kaum noch auf dem Stuhl halten, wenn das Teil aus dem ruhigen Part in eine energetische Explosion mündet. Auch kurz gehaltene Nummern wie "Ashen Rain" oder "Down Here (Wanted: Dead Or Alive)" stehen den längeren Titeln in nichts nach und offenbaren in ihrer Kürze nichts als pures Gold. Du willst den Repeat Button unweigerlich mehrfach am Tag missbrauchen und dich schlichtweg nicht lossagen von diesem Album. Da sei noch der Rausschmeißer "Finis Coronat Opus" genannt, der sich extrem variabel gestaltet und viele dynamische Tempowechsel offenbart. Ein wunderbarer Longtrack, dem über die Dauer der Zeit nie die Luft ausgeht. Allein der durchaus ausladende Endpart beschert mir Gänsehaut auf der Gänsehaut. 

Wie war das mit "Erwartungshaltung übertreffen"? Was soll ich sagen, ORDEN OGAN mutieren immer mehr zu jener Band, die ich auf dem Podest nach ganz oben stellen würde. Mit den letzten beiden Alben sind sie in meinen Augen endgültig in den Olymp aufgestiegen, wenn man es denn gern in solchen Worten ausdrücken möchte. "Gunmen" ist anders als "Ravenhead", schlägt aber in dieselbe Kerbe und trifft den Nagel auf den Kopf. Kompositorisch ist es kaum noch möglich, sich nach oben zu verbessern, auch wenn es müßig ist, bei Musik über "Perfektion" zu sprechen. Irgendwas wird es da immer geben, was man noch "anders" machen könnte. Vom reinen Hörgefühl gibt es allerdings nicht vieles, was mir mehr Freude bereitet als ein Album wie eben "Gunmen". Danke dafür!

 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Sonata (30.06.2017)

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