DYING FETUS - Wrong One To Fuck With

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VÖ: 23.06.2017
Bandinfo: DYING FETUS
Genre: Death Metal
Label: Relapse Records
Lineup  |  Trackliste

DECREPIT BIRTH, DECAPITATED, ORIGIN und DYING FETUS: Für Brutal- und Tech-Death-Metal-Fans sollte der Sommer 2017 zu einer Art Elysium avancieren, wenn man diese Namen genüsslich durchgegangen ist. Den Anfang machen DYING FETUS, die sich nach dem bärenstarken "Reign Supreme" eine fünfjährige Studiopause erlaubt haben und nun schon alleine mit dem Titel des neuen Albums, "Wrong One To Fuck With", unmissverständlich verdeutlichen, dass man sich's, wenn man einer höheren Lebenserwartung nicht vollständig abgeneigt sein sollte, mit dem Maryland-Trio um John Callagher besser nicht verscherzen sollte. Kompromisslosigkeit gehört schließlich zur Etikette der Amis und genau das ist für Sympathisanten der Band und Genre auch vom achten Werk jener Schlächter zu erwarten.

In welcher Form, das bestimmt dabei ganz alleine das recht üppige "Handwerkszeug", das DYING FETUS über die letzten 26 Jahre in ihrem lichtscheuen Keller angesammelt haben: Mal wird vorzugsweise die grobe, rostige Spaltaxt ausgepackt ("Unmitigated Detestation", "Weaken The Structure"), wodurch das antike Echtholzmobiliar des ein oder anderen allzu sorglosen Zuhörers einen nicht ganz unwesentlichen Rotstich annehmen könnte (mit etwas Glück liegt das bald wieder im Trend; siehe Cover), mal wird einem lieber in akribischer Feinstarbeit ein bluttriefender Smoking für die nächsten Weltuntergangsfeierlichkeiten geflickt ("Fixated On Devastation", "Reveling In The Abyss") - aus der eigenen Haut natürlich. Wenn sich DYING FETUS in besonderer Geberlaune präsentieren, darf man sogar beides zu gleichwertigen Anteilen über sich ergehen lassen ("Wrong One To Fuck With").

Wer das muntere Fötentöten des Trios seit Anbeginn verfolgt hat, weiß aber auch, dass man sich ohnehin eher ungern festlegt oder festlegen lässt, Fremdeinflüsse aus Hardcore ("Seething With Disdain") und Thrash ("Ideological Subjugation") immer wieder zulässt und sich dabei dennoch um stets nachvollziehbare Songstrukturen kümmert, deren innewohnende Balance ein unverkennbares DYING FETUS-Trademark ist. So artet auch "Wrong One To Fuck With" nicht in ununterbrochenem Gefrickel, repetitivem Gegroove, exzessivem Hardcore-Einfluss-Geprolle oder stumpfem Geholze aus, sondern kombiniert die vier Elemente des DYING FETUS'schen Death Metal mal wieder äußerst fachkundig zu einem Verbund, der sich durchaus hören lassen kann.

Ein makelloses Album also? Nicht ganz. Das liegt meiner Meinung nach ganz einfach daran, dass man hier im direkten Vergleich zu jedem einzelnen Ableger der kompletten bisherigen Diskografie weit über zehn Minuten Spielzeit hinzuaddiert hat, die "Wrong One To Fuck With" in manchen Situationen etwas schwerfällig erscheinen lassen. Nichtsdestrotrotz ist das Achtwerk von DYING FETUS eine empfehlenswerte Blaupause technisch-brutalen Death Metals amerikanischer Prägung, die mit einem recht organischen Klangbild ausgestattet wurde und dem Fan nun zehn (mit Bonustrack wahlweise elf) neue Foltergerätschaften zur Auswahl lässt, mit denen er sich bis zum nächsten Longplayer austoben und ausgiebig beschäftigen kann. Umtausch ausgeschlossen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (20.06.2017)

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