FATES WARNING - Awaken The Guardian Live

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VÖ: 28.04.2017
Bandinfo: FATES WARNING
Genre: Progressive Metal
Label: Metal Blade Records
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Lineup  |  Trackliste

Ich bitte den geneigten Leser gleich mal, mir eine eventuelle Voreingenommenheit, gegenüber FATES WARNING generell und dem Ausnahmewerk „Awaken The Guardian“ im Speziellen, nachzusehen. Wer, wie ich, im vorigen Jahrhundert sein metallisches Erweckungserlebnis unter anderem diesen 48 Minuten Epik zu verdanken hat, denkt halt noch in anderen Kategorien wie jemand, der erst kürzlich auf Jim Matheos & Co. gestoßen ist. Ich habe FATES WARNING insgesamt um die zehn Mal live erlebt, aber sie im Original-Line-Up der „Awaken…“-Ära zu erleben, blieb bislang auch mir verwehrt. Das mag auch dem Großteil der Anwesenden in der Tauber-Franken-Halle im schönen Lauda-Königshofen so gegangen sein, als sie sich zum finalen Paukenschlag des an Kult eh schon fast nicht mehr übertreffbaren KEEP IT TRUE 2016 eingefunden haben. Und wie es halt immer so ist, wenn man ahnt, Zeuge von etwas Einzigartigem zu werden, fahren einem Gedanken durch den Kopf wie „Hoffentlich sind sie gut drauf!“ oder „Scheiss die Wand an, das passiert hier wirklich!“ bis hin zu „Was, wenn die jetzt fürchterlich abkacken?“

In jener magischen Nacht im April des Vorjahres waren alle Sorgen gottlob unberechtigt, und als das Licht ausging und die ersten Akkorde von „The Sorceress“ erklangen wussten alle: hier wird Geschichte geschrieben. Eine Geschichte, die dreißig Jahre alt ist und kaum mit anderen Alben aus jener prägenden Epoche vergleichbar. John Arch ist nicht nur Über-Sänger, er ist ein Märchenerzähler, der seine Stimme wie ein Instrument zu gebrauchen weiß, er ist ein etwas schüchterner Rattenfänger (seine Bühnenangst konnte der Sympathiebolzen bis heute nicht ablegen!), und wir folgen ihm und den anderen Vieren bereitwillig. Die Vernunft ist hier für zumindest zwei Stunden komplett ausgeblendet und man ist einfach nur ganz Fanboy und –Girl. Um „Awaken The Guardian“ in seiner vollen Tragweite zu erfassen, muss man sie wohl nicht unbedingt seit dreißig Jahren hören – das hochmelodische Prog-Werk mit seinen hypnotischen Gitarrenläufen sollte gerade in der aktuellen Retro-Welle auch bei Neuankömmlingen durchaus genug Beachtung finden. Und da FATES WARNING seit jeher klotzen und nicht kleckern, durfte man zumindest eine gediegene Live-Umsetzung erwarten. Noch mehr Details hierzu entnehmt ihr unserem umfassenden Live-Bericht vom KEEP IT TRUE 2016.

Nun zur DVD. Wer dabei war, darf sich auf ein nochmaliges Durchleben sämtlicher Gefühlsregungen dieses Abends freuen, und zwar in Top-Qualität. Mittendrin statt nur dabei halt. Und auch wenn FATES WARNING onstage nicht gerade die Stimmungskanonen vor dem Herrn sind, so saugt man doch jede Sekunde der beiden Gigs auch im heimischen Wohnzimmer mit allen Sinnen auf.  Das Ganze kann man sich in den Versionen Doppel-Vinyl, DVD oder Blu-Ray (mit jeweils 2 Audio-CDs) oder – für unverbesserliche Fates-Jünger - in der Deluxe Edition (das ultimative Boxset enthält vier CDs, eine DVD und eine Blu-Ray und kommt im edlen 52-seitigen Artbook inklusive fünf Fotokarten und Poster daher!) gönnen, wobei allein das optische Wiedererleben auf DVD schon die Kohle wert ist. Glaubt man Jim Matheos – und warum sollte man das nicht? – dann wird das Ganze wohl ein ein- oder besser zweimaliges Ereignis gewesen sein (der Gig auf dem amerikanischen ProgPower-Festival ein halbes Jahr später dient hier nicht nur als Referenz, sondern zeigt FATERS WARNING in zwei verschiedenen Fan-Sphären), und alle die damals nicht konnten, wollten, durften oder es einfach nur verschlafen haben, können sich die beiden Jahrhundertkonzerte jetzt jeden Tag in Surround Sound in die heimischen vier Wände blasen lassen, während sie weinend auf allen Vieren vor dem Fernseher auf- und abkriechen. Eine Benotung gibt’s natürlich in diesem Fall nicht, da müssten wir hier erst eine neue Bewertungs-Skala (11 von 10 Punkten für exzessiv-episch?) erfinden …



Ohne Bewertung
Autor: Mike Seidinger (18.06.2017)

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