ONSLAUGHT - In Search Of Sanity (Re-Release)

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VÖ: 23.06.2017
Bandinfo: ONSLAUGHT
Genre: Thrash Metal
Label: Dissonance Productions
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Das Vereingte Königreich bekleckerte sich in puncto Thrash Metal in den Hochzeiten dieser Musikrichtung nicht unbedingt mit Ruhm. Bis auf XENTRIX, SABBAT und kleineren, kurzen Strohfeuern wie RE-ANIMATOR, ACID REIGN, D.A.M., SACRILEGE und wenigen anderen vermochte das UK wenig zu vermelden. Dennoch schaffte es eine Band, stärkere Duftmarken im Genre zu hinterlassen. Begründet ist dieser (im kleineren Rahmen) legendäre Ruf von ONSLAUGHT vor allem im Debut „Power From Hell“, ein sowohl sound-, als auch covertechnisch an die großen Vorbilder VENOM erinnernder Klassiker. „Dark Rumblespeed From Satanic Hell“ lautete die Devise jener Tage. „The Force“ (1986), ebenfalls ein Thrash-Meilenstein wurde seinerzeit von Fronter Sy Keeler eingesungen (der auch aktuell den Posten am Mikro bekleidet) und servierte mit „Let There Be Death“ oder „Metal Forces“ gefeierte Bandklassiker.

Drei Jahre später erschien „In Search Of Sanity“, das einen deutlichen Bruch mit der eigenen Vergangenheit markierte. Nach den grimmig-dunklen Frühwerken präsentierten sich die Jungs aus Bristol deutlich zeitgemäßer und mit saubererem Sound. Auf dem Album (etwa auf „Blood Upon The Ice“) zeigt sich beispielsweise auch gut der damalige, an das just erschienene METALLICA „Justice“-Album angelehnte, Thrash-Zeitgeist, der sich vor allem anhand des Gitarrensounds nachvollziehen lässt. Auch der für heutige Verhältnisse vergleichsweise schwachbrüstige, dünne Sound war genretypisch und fiel damals nicht sonderlich aus dem Rahmen. Lange Stücke hatten ONSLAUGHT auch zuvor schon im Programm, da zieht Album Nr. 3 in bewährter (aber nur bedingt begrüßenswerter) Tradition nach und präsentiert gleich eingangs ein mit über fünf Minuten viel zu langes, wenig aussagekräftiges „Intro“.

Weiters hatten die Engländer nach dem Abgang von Sänger Sy Keeler (neben einem anderen Vier- und Sechssaiter) Sangeswunder Steve Grimmett neu mit an Bord, der mit seiner Stammcombo GRIM REAPER Erfolge (etwa dem Klassiker „See You In Hell“) im traditionellen Metalbereich erzielen konnte, aber die Band um Gründer Nige Rockett in eine melodische, (zu?) konventionelle Metal-Richtung abdriften ließ, was der einst bissigen Band zusätzliche Zähne zog. Ein weiterer Eckstein und Ausdruck der suchenden bis schwächelnden Verfassung der Band war das AC/DC-Cover von „Let There Be Rock“ (davor gab es schon eine Version mit Sy am Mikro), mit dem man wohl versuchte, „normale“ Metalschichten zu erreichen und so an der Erfolgsschraube zu drehen. Auch die mit über 12 Minuten viel zu lange Halb-Ballade „Welcome To Dying“ zielte wohl in diese Richtung ab und offenbarte abermals den spürbar mächtigen METALLICA-Einfluß (wenn man beim Hören nicht gerade an METAL CHURCH denken muß).

1989 zog etwa ein Sturm aus dem Süden auf (SEPULTURA „Beneath The Remains“) und bildete einen der mächtigen Sargnägel für das Ende des Altherren-Thrashs und drückte etwa auch ONSLAUGHT in puncto Soundvolumen, feuriger Dynamik, juveniler Spielfreude und Hitqualitäten weg. Dennoch wird der Titeltrack auch heute noch gerne live gespielt und auch „Shellshock“ verewigte sich in den Thrash-Geschichtsbüchern. Der Rest des Albums bekleckert sich nicht durchgehend mit Ruhm, auch wenn Tracks wie der Stakkato-Riffer „Lightning War“ oder „Powerplay“ mächtig Dampf verbreiten. Wohl wenig verwunderlich markierte „In Search Of Sanity“ (nicht zuletzt unter dem Einfluß der zahlreichen tollen Thrash-Alben, welche die wenigen folgenden Jahre noch erscheinen sollten) kurze Zeit später auch das vorläufige Ende der Band, die sich erst 18 Jahre später zurückmelden sollte, um bis zum heutigen Tage die Bühnen mit mächtigen Thrash-Brettern zu zerlegen.

Die Dissonance-Wiederveröffentlichung glänzt noch mit einer zweiten CD, auf der Liveaufnahmen aus dem Hippodrome im heimischen Bristol von 1989 zu hören sind. Abseits der Tracks vom vorgestellten Album gibt es dabei mit „Fight With The Beast“ und „Metal Forces“ auch echte, von Steve Grimmett intonierte Bandklassiker zu hören.



Ohne Bewertung
Autor: Thomas Patsch (22.06.2017)

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