CELLAR DARLING - This Is The Sound

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VÖ: 30.06.2017
Bandinfo: CELLAR DARLING
Genre: Folk Metal
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Auf den ersten Blick wirken CELLAR DARLING recht unscheinbar: Ein Trio aus der Schweiz, welches sich erst am 6. Juni 2016 gegründet hat und nun, gut ein Jahr später, sein Debütalbum "This Is The Sound" über Nuclear Blast publiziert. Moment mal, über wen? Spätestens jetzt folgt der prüfendere Blick und man wird verwundert feststellen, dass es sich bei dem Dreigespann um niemand geringeren als die ex-ELUVEITIE-Mitglieder Anna Murphy (Hurdy-Gurdy, Vocals), Ivo Henzi (Guitar) und Merlin Sutter (Drums) handelt, die in ihrem Leben einfach nicht ohne Musik auskommen können, diese wie so ziemlich jedes Lebewesen den Sauerstoff brauchen. Sympathisch. Und obwohl man beim Erstling durchaus Elemente der ehemaligen Beschäftigung raushören kann, stehen CELLAR DARLING musikalisch auf eigenen Beinen und sind eindeutig nicht als ELUVEITIE-Abklatsch einzustufen - das gilt vor allem für die Personen, die aus Zwangsneurose alles kategorisieren müssen und bereits jetzt unangebrachte Vergleiche ziehen.

Genau genommen hat man mit dem poppig-eingängigen Folk-Metal-Stück "Hullaballoo" (mein persönliches Highlight) nämlich lediglich einen einzigen Song unter insgesamt 14, den man ohne größere Anpassungen auf "Helvetios" oder "Origin" hätte verstauen können. Ansonsten, und das ist für mich die größte Überraschung, ist "This Is The Sound" ein überraschend facettenreiches Album, bei dem die Drei sich kreativ fühlbar voll ausgelebt haben (mehr dazu findet ihr im Interview mit Anna Murphy; siehe unten). Zumindest thematisch transportiert man noch ähnliche Themen, wobei man diese aber, genau wie die instrumentale Ebene, in die Moderne überträgt und diese mit allerlei Stilrichtungen von Rock über Progressive bis hin zu Folk verknüpft. Man wird auf "This Is The Sound" also den catchy Opener "Avalanche", das teils rebellische, teils wehmütige "Challenge", aber auch das komplexere "Hedonia" finden, bei dem CELLAR DARLING zudem ihre Heimatsprache implementieren.

Besonderes Lob haben sich die Dame und die zwei Herren dabei dafür verdient, dass sie diesen Mut zur Kreativität richtig kanalisiert und ihre Erfahrung mustergültig eingesetzt haben, um ein abwechslungsreiches und dennoch kohärentes Album zu verwirklichen, das auch zwei nicht gänzlich überzeugende Stücke wie "The Hermit" und "Six Days" erfolgreich kompensieren kann und dadurch insgesamt einen runden Eindruck macht. Jeder der Akteure hat seine Vorzüge: Anna Murphy sorgt bspw. in "Black Moon" und "Fire, Wind & Earth" (und nicht nur hier!) mit all ihrem gesanglichen Know-How für großartige Refrains und mit ihrer Hurdy-Gurdy immer wieder für einzigartige Folk-Elemente ("Redemption"), Ivo Henzi liefert für jede Stimmung die nahezu perfekte Grundlage, die mal rockig ("Under The Oak Tree"), mal metallisch ("Starcrusher") ausfällt und Merlin Sutter ist das passende Pendant, das seine Kollegen einfach blind versteht und die Songs mit seinem dienlichen Spiel abrundet.

Was ich nach dem ersten Durchgang also nicht erwartet habe, ist nach mehreren Gewissheit: CELLAR DARLING haben mit "This Is The Sound" nicht nur ein größtenteils fantastisches weil völlig autarkes, frisches und ungemein variables Debütwerk erschaffen, sondern auch erfolgreich die musikalische Emanzipation von ELUVEITIE vollzogen. Fans der Schweizer Folk-Metal-Schar werden natürlich sowieso reinhören, um die ehemaligen Lieblinge weiterverfolgen zu können, aber auch alle anderen, die auf leidenschaftlichen Folk-Rock und -Metal abfahren, sollten Anna Murphy, Ivo Henzi, Merlin Sutter und ihrem neuen Projekt zumindest eine ehrliche Chance geben und sie nicht mit ihren ehemaligen Mitstreitern in einen Topf werfen. Tut man das, könnte man hier einen kleinen Diamanten für sich entdecken.

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Wer mehr über die Band, ihre Themen, die Entstehung von "This Is The Sound", das Artwork und weitere Themen rund um CELLAR DARLING erfahren will, sollte sich das ausführliche Interview mit Anna Murphy durchlesen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (28.06.2017)

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