METALL - Metal Heads

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VÖ: 07.04.2017
Bandinfo: METALL
Genre: Heavy Metal
Label: Iron Shield Records
Lineup  |  Trackliste

Wortwiederholungen sind zwar nicht schön, aber manchmal unvermeidbar.


Heavy Metal hatte es in der DDR nicht einfach. Nur wenigen Bands war es vergönnt Songs veröffentlichen zu können. Eine von diesen war METALL. Die 1982 (laut Band-Website bzw. nach Angaben auf Facebook 1984) gegründete Band aus Ostberlin, die ein paar Lieder für den Rundfunk aufnehmen durften ("Easy Rider", "Eisenhart", "Vulkane der Erde", "Sonne", "Heiße Sprüche") drehten auch ein Musikvideo zum Song "Easy Rider", welches im DDR Fernsehen ausgestrahlt wurde. Auf einem nach der Wende erschienen Sampler (gemeinsam mit zwei weiteren Bands) erschienen vier Songs unter dem neuen Bandnamen HEADLESS, bevor noch eine Demo aufgenommen wurde. Doch noch Anfang der 90er kam es zum Zerfall der Band.


2013 scharte Originalmitglied Sven Rappoldt neue Mannen um sich und erweckte METALL wieder zum Leben. Über Sinn und Unsinn einer Band einen Namen einer bekannten Band aufzudrücken, mit der man oft nicht mehr als ein Bandmitglied gemein hat, kann man lange diskutieren. Vom Standpunkt der Musiker aus betrachtet, ist es sicherlich marketingtechnisch am hilfreichsten an einen alten, bekannten Namen anzuknüpfen, da dieser mehr Beachtung garantiert als wenn man unter neuem Namen beginnt.


2017 erblickt nun das Debütalbum das Licht der Welt. Der Name "Metal Heads", wie auch das schlichte Cover, ist so simpel wie der Bandname. Noch mehr Metall könnte man nur noch drauf packen wenn die CD in einer Metalldose erscheinen wäre, statt als gewöhnliche CD im Jewel Case.


Äußerlich ist alles auf Metal getrimmt (selbst das schwarz-weiße Bandfoto auf der Albumrückseite), aber wie sieht es mit dem musikalischen Metal-Gehalt aus? Gleich der beinahe-Titelsong "Metalheads" (auch auf dem Cover sieht der Albumname nach "Metalheads" aus, wird aber als "Metal Heads"geführt) fängt passenderweise mit metallischem Geschepper an. Der Song erinnert an klassischen Metal (ACCEPT, JUDAS PRIEST) mit einer Prise Speed Metal (LIVING DEATH, frühe HELLOWEEN). Nummern wie dieser, oder auch "Glory", sind jedoch in der Minderheit auf "Metal Heads". Es dominieren thrashige, oft aggressive Klänge ("The Gods Above The Sky", "Wrath", "Imperium"). "Riding On The Storm" klingt ebenfalls thrashig, aber auch grooving und schwer. Die acht Tracks des Albums bieten soliden Schwermetall, ohne Platz für gemütliche Midtempo-Songs oder gar Balladen. Mehr Metal geht eigentlich nicht.


Nun zur unvermeidlichen Frage: Wie viel METALL steckt noch in METALL drinnen? Zwar kann man manche frühere Einflüsse wiedererkennen (etwa JUDAS PRIEST, wobei hier weniger die 80er-Jahre, sondern, wie bei "Fly", eher das "Painkiller" Album den Sound beeinflusst zu haben scheint), insgesamt jedoch hat das was man hier zu hören bekommt eher wenig mit den METALL aus DDR-Zeiten zu tun. Die METALL des 21. Jahrhunderts klingen insgesamt sehr Thrash-lastig, während frühere Tracks nach klassischem Heavy Metal mit Speed Metal Einschlag klangen. Von den ursprünglich deutschen Texten hatte man sich offensichtlich schon zu HEADLESS-Zeiten verabschiedet. Ein großer Unterschied liegt in den Vocals, die tiefer und kräftiger klingen, aber wie bei "Imperium" auch sehr kreischend ausfallen können. Ebenfalls neu sind die Growls bei "Fly".


Ostalgie kommt bei METALL höchstens beim Namen auf. Musikalisch bekommt man hier eine fast völlige neue Band geboten. Die Musik mag zwar typisch nach Metal klingen, einen typischen METALL-Sound gibt es bisher nicht, da kann man nur auf das zweite Album warten, das hoffentlich keine weiteren 25 Jahre brauchen wird.
 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Brigitte Simon (15.07.2017)

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