EREB ALTOR - Ulfven

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VÖ: 21.07.2017
Bandinfo: EREB ALTOR
Genre: Viking Metal
Label: Hammerheart Records
Lineup  |  Trackliste

Nach etlichen Labelsprüngen (I Hate, Napalm Records und Cyclone Empire) sind die Bathory-Erben EREB ALTOR zumindest namentlich endlich dort angekommen, wo sie hingehören: bei Hammerheart Records. Ob sich das als passende Liaison erweist, wird sich in der nächsten Zeit sicherlich zeigen, denn die Niederländer fallen nicht selten durch eine dubiose Bootleg-Politik bei längst vergriffenen Klassikern und auch vielen anderen Releases auf - so auch bei "Ulfven", der neuesten Viking-Metal-Publikation der Schweden um Mats und Ragnar von ISOLE, das sich trotz offiziellen VÖ-Datums bereits vor zwei Wochen in meinem Briefkasten wiederfand, bei anderen gar schon vor drei bzw. vier Wochen. Seltsam.

Nun soll es aber auch nicht um die Machenschaften des Limburger Plattenlabels gehen, sondern um das nächste vollwertige Studioalbum von EREB ALTOR (das Tribute-Album "Blot · Ilt · Taut" klammern wir mal großzügig aus), auf dem der Wolf den Raben mit allerlei historischen Verweisen ablösen und das bisherige Instrumentarium perfektioniert worden sein soll. Diese Promokniffe kann man nach Jahren im Business mittlerweile im Schlaf runterbeten und so zählt letztlich das Endergebnis, bei dem sich EREB ALTOR vor allem mit dem beschließenden "Bloodline" ein Denkmal erbauen, davor manchmal aber auch leicht ermatten.

Der Zweijahres-Rhythmus hat seine kleineren Furchen im kreativen Nährboden der Gävle-Horde zurückgelassen und das sollte, auch wenn wir hier lediglich von (noch) eher geringen Qualitätseinbußen sprechen, ein warnendes Beispiel für die Zukunft sein, vielleicht auch mal für eine etwas länger andauernde Phase Abstand zu gewinnen und die Reserven aufzuladen. Dass wir uns aber richtig verstehen und die verbrannte Kirche im von gewaltvollen Überfällen gezeichneten Land lassen: EREB ALTOR gehören auch mit "Ulfven" immer noch zur Speerspitze des Viking Metal und müssen sich lediglich kleinere Anflüge von Kritik gefallen lassen. Der Einstieg mit der düsteren Intro-Weissagung "Völuspá" und dem komplett in schwedischer Sprache vorgetragenen, ich möchte fast sagen leidenschaftlich-impulsiv gewuchteten "En Synd Svart Som Sot" mit all seinen fantastischen Hintergrundchören und dem edlen Solo funktioniert aber gewohnt prächtig - so prächtig, dass am Tage der Erstrotation einige als Regentropfen getarnte Freudentränen Quorthons aus Valhalla herabgesunken sind.  

Die Legende höchstselbst kann wirklich stolz auf das Quartett sein, das nach "By Honour" kontinuierlich und allen Ressentiments und Kopie-Vorwürfen (ja, die soll es gegeben haben, wenn auch nicht zahlreich) zum Trotz an sich gefeilt hat, um das zu werden, was sie auf "Fire Meets Ice", "Nattramn" und nun auch "Ulfven" verkörpern: eine autonome Band, die den Geist und die Atmosphäre des Viking-Metal-Urvaters und seiner Schöpfungen mit einer Eigeninterpretation bündelt. Wenn auch nach mittlerweile bekannten Mustern verfahrend, sind "Av Blod Är Jag Kommen" und "Gleipnir" prädestinierte Exempel dafür, weil die epischen, getragenen Elemente des Songwritings immer wieder von galligen Schreien und scharfen, angeschwärzten Riffs augezehrt werden - ein Wechselspiel, das EREB ALTOR zweifellos geprägt haben und in "The Rite Of Kraka" umkehren: hier regieren nämlich thrashig-harsche Gitarren, die in diesem Fall immer wieder von BATHORY-Gedächtnischören ersucht werden.

Dass man daran dann gerade mit dem Titeltrack, der trotz seiner interessanten Rhythmen nicht vollständig überzeugen kann, nicht anknüpfen kann und auch mit "Wolfcurse" einen kleineren Durchhänger hat, ist irgendwo sicherlich schade, aber irgendwo auch leicht verschmerzbar, weil EREB ALTOR zu keiner Zeit in die Belanglosigkeit abdriften und das bereits erwähnte "Bloodline" eben auch eine gewaltige Bürde für die beiden vorangehenden Stücke darstellt. Wie eine schroffere Version eines "Twilight Of The Gods" oder "Hammerheart"-Klassikers, fährt das bislang zweitlängste Stück in der Geschichte der Schweden wirklich alles an Passion, Epik und musikalischer Finesse auf, was sich Fans des Schöpfers und seines Genres nur wünschen können.

Und das ist dann auch einer der entscheidenden Gründe dafür, warum "Ulfven" trotz seiner recht kurz andauernden Schwächephase immer noch ein hörenswertes Erlebnis ist. Ein großer Anteil des Sechstwerks von EREB ALTOR ist nämlich schlichtweg überragend und in puncto Stimmung und Hingabe, also wenn wir mal von den üblichen unantastbaren Größen des Genres, zu denen Mats, Ragnar und Co. natürlich auch zählen, absehen, immer noch außer Konkurrenz. Zur Sicherheit sollte man aber vielleicht wirklich mal in Erwägung ziehen, ein kleineres Kreativpäuschen einzulegen, denn auch den besten Musikern gehen irgendwann mal Ideen und Energie aus, wenn man sich über viele Jahre hinweg für seinen Traum aufgerieben hat. Eine Schande wäre das überhaupt nicht.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (17.07.2017)

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