HELFIR - The Human Defeat

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VÖ: 30.06.2017
Bandinfo: HELFIR
Genre: Gothic Metal
Label: My Kingdom Music
Lineup  |  Trackliste

HELFIR ist das Solo Projekt von Luca Mazzotta, bezeichnen tut er selbst die Musik als „Decadent Noir Metal“. Schicke Genrebezeichnung schon mal gefunden, doch was steht dahinter? Luca hat schon früh angefangen Gitarre zu spielen, über die Jahre hat er sich weitere Skills angeeignet, in Bands mitgespielt und Performance-Erfahrung gesammelt. An HELFIR begann er dann 2013/2014 zu arbeiten. Er konnte mit ANTIMATTER auf deren Italientour spielen und 2015 mit ORPHANED LAND in Ungarn und Italien. Bands, die den Sound von HELFIR beeinflusst haben, sind namhafte Größen wie KATATONIA, ANATHEMA und PORCUPINE TREE.

„Time In Our Minds“ ist eine eindrucksvolle Eröffnung, HELFIR zeigt sich hier mit abwechslungsreichem Gesang und wandelhafter musikalischer Begleitung. Vergleichbar ist der Sound mit den neueren KATATONIA Songs.

„Light“ ist im direkten Anschluss wie eine kalte Dusche nach einem Sommertag - ruhig, das Wispern in den ersten Takten jagt dem Hörer Schauer über den Rücken. Der fast flüsternde Gesang baut das Gänsehautkonzept dieses Tracks weiter aus. Die tausend Gesichter des Luca Mazzotta - schon beim zweiten Song auf dem Album hat man einige davon kennen gelernt.

„Tide“ kommt daher wie die Meeresbrandung, intensiv, aber nicht überfordernd. Wie einige andere Tracks auch mit einer feinen Melodie und der leicht kratzigen Stimme ein recht eingängiger Song. Verglichen mit anderen Werken von HELFIR ist „Tide“ sogar ziemlich poppig.

„Protect Me“ beschreibt perfekt die Experimentierfreudigkeit von Mazzotta, die eigenwillige Komposition ist nicht durchgehend dissonant, aber kratzt hart an Genregrenzen. Aus einigen Ecken holt HELFIR hier das Beste, die elektronischen Elemente, das leicht verwaschen-Verzerrte gibt dem Sound den letzten Schliff zur Perfektion.

„Chant D’Automne“, sowohl in der instrumentalen, als auch der Version mit Vocals, ist ein wundervoll ruhiger, friedvoller Track. Die von der Gitarre vorgegebene Melodie bereitet den Weg für die eindringlichen Vocals. Die Stimmung baut sich langsam auf, breitet sich aus und verebbt, wie Wellen im Sand. Luca singt hier clean, sauber artikuliert - die Lyrics belohnen bei genauerem Hinhören mit sprachlicher Finesse und inhaltlichem Tiefgang.

„Mechanical God“ verrät sich schon im Titel, vom Sound her wieder nahe am zuvor gehörten „Protect Me“ - inklusive der wundervollen Growls, die einfach zu selten zum Einsatz kommen! Davon gerne mehr! Wieder zeigt sich eine Vielschichtigkeit, die man erst nach mehrmaligem Hören vollständig durchschaut.

„Climax 2.0“ fabriziert Gänsehaut, innerhalb von wenigen Sekunden. Die wispernden Stimmen, die dröhnende, langsam eindringlicher werdende Musik - ein futuristisch wirkender Track. Zum Träumen und dabei Abheben.

Bei „Golden Tongue“ gibt’s wieder die heißersehnten Growls, soundtechnisch orientiert sich HELFIR hier wieder mehr Richtung „Time In Our Minds“ und spricht eine ganz andere Sprache als bei den synthiedominierten Tracks wie „Protect Me“.

„The Last Sun“ lässt einen Hauch Melancholie aufkommen, aber auf eine sehr angenehme Art. Eigentlich wäre der Song auch ein guter Abschluss des Albums, zu dem danach noch eingeschobenen „Chant D’Automne“ (Instrumental) wurden schon ein paar Worte geäußert.

Im Großen und Ganzen ein abwechslungsreiches Album, das auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig wird, im Gegenteil: manche Songs gehen erst zur Gänze auf, wenn man ein paar mal reingehört hat. Hoffentlich nicht das letzte Mal, dass wir von HELFIR hören.

Lieblingstrack auf dem Album: „The Last Sun“ und „Protect Me“



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lee (08.07.2017)

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