EDGUY - Monuments

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VÖ: 14.07.2017
Bandinfo: EDGUY
Genre: Melodic Metal
Label: Nuclear Blast Records
Lineup  |  Trackliste

Wer sich in den letzten Jahrzehnten mit der Metal-Szene in Deutschland beschäftigt hat, der ist ohne Zweifel schon das eine oder andere Mal auf den Namen Tobias Sammet gestoßen. Blonde Haare, bunte Bühnenoutfits, Spaß an der Musik. Klingelt da was? Nun, für diesen von vielen umjubelten jungen Mann und seine werten Musikerkollegen, die teils auch alte Schulfreunde sind, ist das Jahr 2017 wohl ein ganz besonderes Jahr, markiert es doch einen riesigen Meilenstein für sie. Warum? Nun, ihre Band, liebevoll nach dem Spitznamen ihres damaligen Physiklehrers EDGUY getauft, feiert Jubiläum. 25 Jahre lang existiert die Band, die als schüchternes Coverprojekt der Musiker aus Hessen begann, als sie gerade mal 14 waren, jetzt schon. Damals spielte man noch Songs von AC/DC und KISS nach, wenn man gerade nicht dabei war, die Schulbank zu drücken oder zuhause an den Hausaufgaben zu sitzen, beziehungsweise diese kurz vor der Stunde vom Nachbarn abzuschreiben. Dann, nach etwa zwei Jahren, die erste, selbstproduzierte Kassette. Was für ein Riesending muss das für die Jungs damals gewesen sein. Vielleicht damals sogar größer, als die Veröffentlichung des ersten wirklichen Albums, "Savage Poetry"? Wer weiß. Denn wer hätte damit gerechnet, welchen Schritt man damit letztendlich genommen hatte? Wer hätte damit gerechnet, dass man nur wenige Jahre später bereits als engagierte Youngsters im Vorprogramm von IRON SAVIOR auf dem größten Metalfestival der Welt spielen würde? Diese frühen Erfolge, verschiedene Experimente mit dem eigenen Stil bis hin zum Einstieg in den Olymp des deutschen Metals, auf all das können die Herren Sammet, Ludwig, Sauer, Exxel und Bohnke heute, 25 Jahre später, als erfahrene und nach wie vor begeisterte Musiker, zurückblicken, und das mit stolzer Miene.

Grund genug also, den Fans für ihre Treue etwas zurückzugeben! Mit "Monuments" wollen die Musiker um den Frontmann in den extravaganten Bühnenoutfits die besten Momente ihrer Karriere noch einmal aus der verstaubten Kiste auf ihrem spukenden Dachboden hervorkramen und Revue passieren lassen. Dabei soll von Anfang bis Ende alles dabei sein, was die Fans glücklich macht. Ganze 22 Songs aus der Bandgeschichte wurden hier handverlesen und sollen nun in einem gigantischen Best-Of ein weiteres Mal die Fangemeinde zum Jubeln bringen. Doch ein simpler Aufguss der besten Momente ihrer Geschichte war EDGUY wohl noch nicht genug. Zusätzlich wurden dazu auch eine Live-DVD mit einem Konzert aus ihrer "Hellfire Club"-Tour sowie allen Videoclips der Band, ein bis dahin noch nicht veröffentlichter Song aus dem Jahre 1995 und dazu noch 5 komplett neue Songs dazugepackt. Mit einer Spielzeit von über zweieinhalb Stunden (nur Audio, die DVD-Spielzeit nicht mitgezählt!) ist das Paket, das hier geschnürt wurde, also bis zum Bersten gefüllt. Für diejenigen, die sich die limitierte Earbook-Edition sichern, gibt es einen Bildband zur Bandgeschichte obendrauf! Doch kann man sich denn auch wirklich sicher sein, dass hier nicht "Masse statt Klasse" das Motto war? Vor allem aber stellt sich auch die Frage: Können auch die neuen Songs überzeugen?

Bei der Auswahl der Songs, die EDGUY hier versucht, ein weiteres Mal an den Mann oder die Frau zu bringen, lässt sich erahnen, dass "Monuments" wohl ein Album für Fans jeder Stunde werden sollte. Das lässt sich daraus schließen, dass aus fast jeder Schaffensphase der Band, von den schüchternen Anfängen bis zum erst vor wenigen Jahren erschienenen "Space Police - Defenders Of The Crown", ebenso wie beispielsweise aus der "King Of Fools E.P." aus dem Jahre 2004, Lieder in das Sammelwerk eingebunden wurden und dabei auch kein wirklicher Schwerpunkt gesetzt wurde. Dementsprechend lassen sich hier neben obligatorischen Bandhymnen wie "Superheroes" oder eben dem allseits bekannten "King Of Fools" auch ältere Werke wie "Vain Glory Opera", bei dem man sich Unterstützung vom einzig wahren Hansi Kürsch holen konnte, oder das etwas jüngere "Land Of The Miracle" finden. Das, womit das Album allerdings beginnt, sind die versprochenen, extra für diese Zusammenstellung neu geschriebenen Songs. Das Konzept hier ist ganz klar: So viel EDGUY in das neue Material packen, wie es nur möglich ist. Dementsprechend erwartet einen hier eine regelrechte Explosion aus epischen Refrains und melodischen Gitarrenriffs, ebenso darf natürlich der ganz eigene Humor der Band nicht fehlen! In einem Satz: Die neuen Nummern auf "Monuments" können für das, was sie sind, überzeugen und werden vor allem die Fans der jüngeren Bandwerke glücklich stimmen.

Zu erwähnen ist hier der Song "Wrestle The Devil", der mit seinem doch recht offensichtlich mit Augenzwinkern zu nehmenden, pseudo-epischen Text sehr viel Spaß macht, wenn man denn mit einem wesentlich stärker an Hard Rock angelehnten Sound leben kann. Als Kontrast zu diesem überraschend frischen, neuartigen Auftakt wollten die Herren aus Hessen den Abschluss von "Monuments" vermutlich etwas geschichtsträchtiger gestalten und dabei ihren eigenen Wurzeln auf eine besondere Weise Tribut zollen: So entschied man sich, dieses Sammelwerk mit dem Song "Reborn In The Waste" abzuschließen. Dieser stellt ein Fossil, selbst innerhalb der langen Geschiche EDGUYs dar, handelt es sich dabei doch um ein Machwerk aus der Zeit der Aufnahmen von "Savage Poetry" aus dem Jahre 1995, das noch nie zuvor in der Geschichte der Band veröffentlicht wurde. Auch wenn dies vor allem für Interessenten der Geschichte des Metals in Deutschland nicht uninteressant ist, so sollte das, was auf den Aufnahmen aus der Anfangszeit von EDGUY geboten wird, nicht der einzige Grund sein, sich "Monuments" näher anzusehen. Neben dem allseits beliebten Nostalgie-Faktor bietet "Reborn In The Waste" nämlich im Vergleich zu den restlichen Werken deutlich weniger, es ist eindeutig ersichtlich, dass damals noch eine Band spielte, die ganz am Anfang stand. Der Stil war anders, die Musik wesentlich simpler und unausgereifter, doch sollte man auch sagen, dass sich auch hier bereits einige Elemente finden lassen, die man auch später immer wieder zu hören bekommen sollte und das Klangbild der Band bis heute prägen.

EDGUY haben sich mit diesem Monsterpaket selbst und auch ihrem Schaffen tatsächlich ein "Denkmal" gesetzt. Man ist sichtlich stolz auf die Karriere, auf die man nun, nach 25 Jahren, zurückblicken kann, die Erfolge, die man feiern durfte und die Erinnerungen, die man sich heute teilen kann. All die bereits genannten Punkte machen "Monuments" nicht nur für Fans der Band, jung und alt, interessant, sondern auch für Musikliebende, die von EDGUY möglicherweise das erste Mal hören und vielleicht auch für diejenigen, die schlichtweg einen Überblick über das Schaffen der Band haben wollen. Von einer wirklichen Bewertung sehe ich hier aufgrund dessen, dass es sich bei "Monuments" trotz einiger neuer Songs doch eher um ein Best-Of Werk als um ein wirklich "neues" Album handelt, ab. Dennoch sei Folgendes gesagt: Man sieht hier das Lebenswerk einer Band, die es geschafft hat, seit ihrer Jugend ihren Traum zu verfolgen, diesen mit genug Arbeit und Hingabe wahr werden zu lassen und ihn jetzt mit Hingabe zu leben. Dafür gebührt den Musikern aus Hessen Respekt.

Wer nun auf die Geschichte der Band neugierig geworden ist und etwas genauere Informationen über frühere Alben der Band haben möchte, der findet mit unseren früheren Reviews zu den Werken von EDGUY mit Sicherheit einen guten Ausgangspunkt!

EDGUY - Burning Down the Opera (live)
EDGUY - King of Fools
EDGUY - Hellfire Club
EDGUY - Tinnitus Sanctus
EDGUY - Age of the Joker
EDGUY - Space Police - Defenders of the Crown

 



Ohne Bewertung
Autor: Daniel Csencsics (13.07.2017)

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