IGORRR - Savage Sinusoid

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VÖ: 16.06.2017
Bandinfo: IGORRR
Genre: Avantgarde Metal
Label: Metal Blade Records
Lineup  |  Trackliste

"Ich wünscht’ ich wär’ ein Huhn, dann hätt’ ich nix zu tun, ich legte jeden Tag ein Ei und sonntags auch mal zwei." (Konfuzius, 502 B.C.)

Guten Tag. Vom Versprechen, hier barockes Cembalospiel erleben zu können, hergelockt worden? Dann haut bloß ab! Es ist eine Falle! Barock könnt ihr zwar haben, aber IGORRR ist Musik für Menschen, die wirklich gelitten haben im Leben. Unter "Apopathodiaphulatophobie" und ernsthaftem "Problème d'émotion". Wir mögen keine Gaffer. Geht einfach weiter – oder setzt euch dazu und macht mit.

BREAKCORE – Dadadadaismus – WAWAWA – Wuuuuaah – FUCK !

Mama?

Erst einmal eine allgemeine Beschwerde: Zehn Jahre Klavierunterricht – und dann kommt dieses Geflügel und schnabelt besser – auf einem Miniatur-Chicken-Wing aus Plastik! Das Geheimnis ist Korn –  nicht nur doppelter, hundertfacher! Hätte ich diesen Trick damals schon gekannt, ich wäre berühmt. Ganz bestimmt. Stattdessen hocke ich in dieser Bretterbude und schreibe meine Gefühle nieder, über IGORRR, den französischen Menschen Gautier Serre, und sein neuestes Verbrechen am weltweit kollektiv akzeptierten Versuch, so etwas wie Normalität und Contenance aufrecht zu erhalten. Schockiert, hämisch, belustigt und beeindruckt stelle ich fest, dass ich darauf stehe, dass Menschen alle Zwänge niederreißen und siebzehn Musikstile in einem Song unterbringen: IGORRR klingt wie ein Lovechild von MESHUGGAH, GEORG FRIEDRICH HÄNDEL, CARACH ANGREN und APHEX TWIN.

*Gurrr gurr - pick pick pick* – T  E  C  H  N  O  !

Musikalisch gesehen – und auch menschlich – ist IGORRR eventuell ein verdammtes Genie. So eine gewaltige Ansammlung kompositorischen Sachverstandes in einer einzigen Person hat die Welt zuletzt in Nina Hagen gesehen. Und an genau diese erinnern die unfassbaren Vocals auf „Savage Sinusoid“, deren weiblicher Anteil von der unfassbaren Laure Le Prunenec performt wird. Stellt euch vor, dass Laure die Operndiva aus dem Movie „Das Fünfte Element“ verkörpert, während ein zwielichtiger Balkan-Scratcher seine nur noch halb knusprigen Löffelbisquit-Finger auf dem Zirkus-Akkordeon herumwursten lässt – dazu spielt Teloch von MAYHEM ein melancholisches Stakkato-Klagelied auf dem zweisaitigen, aber dafür sehr mächtigen Benzinkanister-Bass seiner Uroma aus der Mongolei. Schließlich betritt ein Organist aus Sizilien (und Travis Ryan von CATTLE DECAPITATION) die Bühne. Er hat einen neongelben Feuersalamander mit Tourettesyndrom (ok es ist eine Frau und sie hat einen Hund mit rosa Kopfbedeckung) auf dem Arm und außerdem gerade seine erste öffentliche Fahrstunde auf dem Plattenteller eines Antiquitätenhändlers und Spezialisten für besessene Barock-Blockflöten absolviert: Nüchtern, bis auf den Inhalt blauer Knicklichter und etwas magerem Haferbrei mit Diazepam. Dies verlaaaaangsaaamt eeeiiin weeenig diiieee Zeeeeiiit – glücklicherweise wird sogleich durch vorspulen des Raum-Zeit-Kontinuums ausgeglichen. Während im Hintergrund noch grindcoregrunzend unterlegte Pferde-Hymnen aus der Hölle eines pariser Straßencafés ausklingen, bitte ich das ADHS-Multiversum auf geschundenen Knien um ein gerechtes Urteil:

"Spaghetti Forever" oder Mülleimer?

Das lässt sich sehr einfach herleiten: Multiversum liebt irren Gesang großartiger Stimmen, Multiversum will Weltkulturerbe supporten, Multiversum will spielen, tanzen und frei sein – also wird "Savage Sinusoid" Trilliarden nanometergroßer Kinder bekommen. Diese werden durch stringtheoretisch ganz simpel zu erklärende Mechanismen in die Köpfe der gesamten Menschheit heruntergeladen, wo alle Erinnerungen gelöscht und die Synapsen über Kreuz neu verlötet werden. Bei mir ist das schon passiert, weshalb ich genau weiß, was zu tun ist. "Au Revoir"! [Anm. d. Lekt.: Verdammt, und mein Seelenklempner ist auf Urlaub...]

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Daria Hoffmann (16.07.2017)

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