I.M.Nail - Darkness For Rent

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VÖ: 06.06.2017
Bandinfo: I.M.Nail
Genre: Alternative Metal
Label: Bladebeat Records
Lineup  |  Trackliste

Lange nichts gehört von den Koblenzern I.M.NAIL. Im Jahre 2013 erschien damals die EP "Hyena Sunrise", welche mal eben 4/5 Punkten bei uns abstauben konnte. Damals wurden die schlüssige Kombination diverser musikalischer Einflüsse und eine gehörige Portion Groove attestiert. Leider wurde es danach recht still um die vielversprechende Truppe um die Gebrüder Klockner, doch nun ist es endlich soweit: Mit "Darkness For Rent" liefern die Koblenzer ihre zweite EP ab, und auch diese lässt den Hörer ehrfürchtig mit den Ohren schlackern.

Den oben genannten Trademarks ist man unterm Strich treu geblieben. Das zeigen schon die ersten Takte von "Darkness For Rent", welches ganz nach "Hyena Sunrise" Tradition erst einmal straight nach vorne groovt. Der Song basiert auf einem recht simplen, klassischen Heavy Metal Riff, welcher sich wie ein roter Faden durch die restliche Komposition durchschlängelt. Gearbeitet hat man auf alle Fälle am Gesang, welcher, egal ob harsch oder melodisch, deutlich variabler ausfällt als zuletzt. So unter anderem zu hören beim modernen, mehrstimmig vorgetragenen Refrain des Titelstücks, welcher im übrigen mörderisch eingängig und widerhakig geraten ist, mit leichtem SOILWORK Einschlag. Von der Intrumentierung geht man dahingegen basischer zu Werke. Weniger Keyboards, mehr Gitarren, da kann man sich nicht beschweren. Auch dann nicht, wenn der Song nach dem ersten Refrain auf einmal zum Thrash Monster mutiert. Das lässig beschwingte Piano Outro setzt dem Song die Krone auf, absoluter Hammer!

Weiter geht's mit "New Born", bei dem die Vorliebe zu härterem Stoner Rock durchscheint. Was ein fieser Groove! Hier handelt es sich um die komplexeste Komposition auf der EP, progressiv im musikalischen Sinne, nicht vertrackt, aber durchaus sperrig. Ich kenne Menschen, die diesem Song gerne das Zusatzsilbchen "Post" anhängen würden und bitte inständig, dies nicht zu tun. Denn bei aller Komplexität steht hier immer noch der Song als solcher im Mittelpunkt, was bei "Post" Geschichten bewusst umgangen wird. Das wird spätestens beim Refrain klar, der sogar noch intensiver daherkommt als beim Titelstück.

Mit IN FLAMESscher Balladenmelodik leitet das auf akustischen Gitarren basierende "A Fragile Thought Of Gree" den nächsten Kracher Namens "A Bitter Pill" ein, und hier musste ich beim ersten Hören durchaus schmunzeln. Auch wenn man hier wieder kein eindeutiges Siegel aufdrücken kann, so klingt der Song doch am allerehesten nach Power oder Melodic Metal, was zugegebenermaßen in dieser Ausprägung so nicht zu erwarten war. Dank markantem Text ("Are you lonesome tonight?") und der bislang widerhakigsten Hook des Jahres könnte man dem Ding ruhig einige Runden Airplay gewähren, ohne dass der Song langweilig wird. Dafür sorgen I.M.NAIL mit ihrer detailverliebten Instrumentierung schon, 08/15 sollen andere machen. Anwärter auf den Song des Jahres? Bitteschön!

Aber schneller, als Melodienörgler sich beschweren können, haut man zum Abschluss mit "Hell" einen fiesen Bastard aus Rock'n'Roll und Thrash Metal raus, welcher allen Zweiflern zeigt, wo es lang geht. Bei aller Agressivität höre man bitte einmal auf Drummer Ralf Diehm, der sich hörbar von der Masse abheben will und dem Song mit einigen untypischen Fills und Schlenkern eine komplett eigene Note verleiht. Mit einer Spielzeit von 2:45 Minuten ist das Stück bewusst kurz gehalten, braucht aber auch nicht mehr, da er von vorne bis hinten rund klingt. Ich spiele mit dem Gedanken, dass sich I.M.NAIl so etwas wie ein eigenes "Ace Of Spades" erschaffen wollten. Und falls dies beim Songwriting nicht bewusst war, so ist es dennoch geglückt.

Warum gibt's bei allem Lob keine Höchstnote? Nach vier Jahren Wartezeit hätte man sich dann doch über eine vollwertige 5-Track EP gefreut. "A Fragile Thought Of Gree" mag zwar alles in allem eine stimmige Einleitung für "A Bitter Pill" sein und unterstreicht die musikalische Bandbreite der Jungs, hätte aber gerne doch durch einen weiteren vollwertigen Song ersetzt werden dürfen. Auf einem abendfüllenden Album hätte sich dieses kurze Intermezzo als Verschnaufpause sicherlich gut gemacht. Aber auf einer EP, die ja auch Promozwecke zu erfüllen hat, wäre ein weiterer Song das oft erwähnte Sahnehäubchen gewesen. Das Qualitätslevel der Songs macht einfach süchtig nach mehr, und der Junkie leidet schnell unter Entzugserscheinungen.

Fazit: Eine der besten EPs der letzten Zeit, welche nur deswegen einen Punkt under der Höchstnote liegt, weil sie noch Platz für einen Song mehr verschenkt hat. Das soll euch aber nicht davon abhalten, hier unbedingt reinzuhören. Bei I.M.NAIL findet mit Sicherheit jeder seine Momente, die er mag! Jungs, mich süchtelts! Wann kommt das Album??

P.S.: Die EP gibt es hier zu erwerben: http://imnail.de/#shop



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (20.07.2017)

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