HIGH BRIAN - Hi Brain

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VÖ: 07.04.2017
Bandinfo: HIGH BRIAN
Genre: Psychedelic Rock
Label: StoneFree
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Lineup  |  Trackliste

Ob LSD, Pilze oder Gras, vollkommen egal, aber werft ein, was ihr zuhause habt, denn HIGH BRIAN aus Graz schicken euch mit ihrem Debütalbum „Hi Brain“ auf einen psychedelischen Trip ohne Zwischenstopps. Der rockige Mix aus 70er Jahre Blues, Stoner- und Psychedelic-Rock bleibt durchgehend auf recht hohem Niveau und offenbart zwischendurch sogar richtige Genreperlen. In neun Songs und insgesamt 44 Minuten begleiten euch die Österreicher auf eine Reise durch Raum, Zeit und andere Dimensionen.

Der gewählte Einstieg mit „Liquid Sweet“ ist meiner Meinung nach ein wenig unglücklich, da ich mir für eine derart atmosphärische Platte, wie es „Hi Brain“ eigentlich ist, einen gefühlvolleren und stimmungsvolleren Start gewünscht hätte. Stattdessen schmettert das Quartett dem Hörer ein verhältnismäßig schnelles und kraftvolles Riff ins ‚high brain‘, das in diesem Moment auch ein wenig überfordernd sein könnte. Nach kurzer Eingewöhnungsphase und besonders dank dem sehr oldschooligen Gesang von Benedikt Brands fühlte ich mich trotz unerwartetem Tempo schnell wohl im Sound von HIGH BRIAN. Das folgende „All But Certainty“ war da schon eher nach meinem Geschmack: Ein langsameres Grundtempo und verzerrte Vocals, die sich geradezu hinter der alles überdeckenden Gitarre verstecken, sodass sich ein dichter Soundteppich ergibt. So sieht vernünftiger Stoner-Rock aus! Aber das sollte nur das Aufwärmen für das wahre Potential von „Hi Brain“ sein, denn „The Sun & I“ bietet alles, was das Psychedelic-Herz begehrt: Tonnenweise Effekte, die wie aus einer anderen Dimension zu stammen scheinen, jede Menge Verzerrung und Delay sowie ein großartiges Songwriting entführen den Hörer in weit entfernte Welten, aus denen er am liebsten überhaupt nicht mehr zurückkehren will. Während man hier durchaus an SAMSARA BLUES EXPERIMENT erinnert sein darf, schlägt „Surrealistic Pillow“ eindeutig in die Kerbe von THE BLACK ANGELS, was mich als absoluten Fan natürlich umso mehr freute. Tragende Gesänge auf schnellen Riffs, die von ihrem eigenen Delay eingeholt, überholt und überschattet werden, unterbrochen von ruhigen Passagen, in denen man sich am besten in einer Lavalampe verliert, sorgen für ein weiteres Highlight der Platte.

Aber was wäre eine Psychedelic-Band ohne einen Hauch von PINK FLOYD? Dieser findet sich zur Genüge in „All The Other Faces“, welches zwar als eine Art Hommage startet, im späteren Verlauf aber seinen eigenen Weg findet und so durchgehend interessant bleibt. In „Aquanautic Smoke“ geht es größtenteils instrumental zu, aber das ist auch gut so, da das Soundgewitter aus andauernden Tempowechseln, Effekten und verkopften Riffs schon fordernd genug für das besagte ‚high brain‘ sein kann. Als dann gegen Ende des Songs doch noch wie erlösend die Vocals einsetzen, kann man nicht anders, als mit den BEATLES einen weiteren Einfluss der Band zu erkennen. Ohne mich allzu sehr wiederholen zu wollen, hier ein paar Worte zum letzten Drittel des Albums: Mit „The Conversion“, „Blood Money“ und „Time“ geht es allgemein etwas rockiger und bluesiger zu, ohne jedoch den Touch von Stoner-Rock zu verlieren. Einen Song, der sich abhebt, sucht man hier aber vergebens.

Hi Brain“ ist ein Album für gemütliche Abende mit Lavalampe oder wahlweise Lagerfeuer. Von raffinierter Musik zu sprechen wäre hier übertrieben, denn HIGH BRIAN spielen auf ihrem Debüt geschickt mit den Sounds ihrer Idole und kreieren hin und wieder einige Alleinstellungsmerkmale, die das Album über die Anspielungen hinaus noch hörenswerter machen. Für jeden Stoner- oder Psychedelic-Fan ist „Hi Brain“ auf jeden Fall einen Durchgang wert, denn HIGH BRIAN erschaffen hier eine Direktverbindung zur Hochphase des Genres – den Siebzigern. 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (24.07.2017)

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