THE MIDNIGHT GHOST TRAIN - Cypress Ave.

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VÖ: 28.07.2017
Bandinfo: THE MIDNIGHT GHOST TRAIN
Genre: Southern Rock
Label: Napalm Records
Lineup  |  Trackliste

Die Musik von THE MIDNIGHT GHOST TRAIN gleicht der drückenden Hitze eines heißen Sommertags, schwül, staubig und furztrocken rockte die Band aus Kansas bisher geradlinig auf den Punkt. Die Gruppe begeistert mit einer vordergründig primitiven Rohheit, kombiniert gekonnt Sludge mit Stoner Rock, der rasch ins Ohr geht, aber höchst detailverliebt ausgearbeitet ist.

Wer sich dieses gewohnt wuchtige Klangbild auch vom neuen Album „Cypress Ave.“ erwartet, muss sich auf eine doch recht deutliche Weiterentwicklung einstellen. Vordergründig bleibt alles beim Alten, doch wirkt vieles neu. „Tonight“ leitet das Album mit unverzerrten Gitarrenklängen ein und erinnert mit dem entspannten Gesang durchaus an die rockigeren Werke des Rappers EVERLAST, hätte man sich in der Form wohl nicht von THE MIDNIGHT GHOST TRAIN erwartet, steht der Gruppe aber ganz gut. „Red Eyed Junkie Queen“ bringt die Welt mit einem KYUSS-Gedächtnisriff scheinbar wieder ins Lot, „Glenn’s Promise“ fußt auf einem hypnotischen Riff und bildet ein klangliches Bindeglied zum letzten Album „Cold Was The Ground“. Die Musik wirkt stets vorwärts gewandt, man hat beim Hören stets das Gefühl, dass hier ein neuer künstlerischer Wind weht, die alte Vision der Gruppe muss einer neuen Ausrichtung weichen. Derart relaxte Stücke wie „The Watcher’s Nest“ oder das tiefentspannte „Break My Love“ verdeutlichen, dass die ruppig eruptiven Ausbrüche (zumindest teilweise) der Vergangenheit angehören. Vor allem die zweite Hälfte von „Cypress Ave.“ wirkt wie das Werk einer anderen Gruppe, die Experimentierfreude gipfelt in der Zusammenarbeit mit dem Rapper Sonny Cheeba („The Boogie Down“).

Das neue Klanggewand steht THE MIDNIGHT GHOST TRAIN überraschend gut, wird aber wohl doch den einen oder anderen Fan der Gruppe vor den Kopf stoßen. Obwohl der neue, ruhigere Sound der Gruppe sehr gut zu gefallen weiß, schleichen sich leider kompositorische Schwächen ein. Vor allem die Stücke der zweiten Hälfte haben teils deutliche Längen und bieten nicht die gewohnte Klasse. Trotz allem ein gelungener Neustart einer Gruppe, die nach diesem Übergangsalbum künftig hoffentlich zu alter Stärke zurückfinden wird.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Michael Walzl (25.07.2017)

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