THE PRIVATEER - The Goldsteen Lay

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VÖ: 28.07.2017
Bandinfo: THE PRIVATEER
Genre: Folk Metal
Label: Noiseart Records
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Es soll ja tatsächlich Leute geben, die den Seeräuber-Anteil im Metalgenre immer noch als viel zu geringfügig einschätzen, und wenn man berücksichtigt, dass bisher eigentlich nur die durch Rolf Kaspareks augenscheinliche Lustlosigkeit langsam bröckelnde Legende RUNNING WILD, deren alles-kopierender, schwedischer Schatten BLAZON STONE, die grottenschlechten SWASHBUCKLE sowie die schottischen Berufsalkoholiker ALESTORM die Weltmeere in Angst und Schrecken versetzt haben, mag man diesen Menschen irgendwie auch Recht geben, zumal mittlerweile auch wahrlich genug Sandkastenwikinger und Plastikbaumschmuser aus dem Boden gesprossen sind. Ein Rätsel gibt es da aber noch zu lösen: Braucht es da wirklich eine Freiburger Mannschaft namens THE PRIVATEER?

Ein Großteil der Presse war sich da bei den bisherigen Werken weitestgehend einig: nicht wirklich. Durch die namentlichen Referenzen bezüglich des "Black Hand Inn"-Klassikers und das stimmige Artwork (eines der besseren Machado-Werke) bin ich dann aber trotzdem über "The Goldsteen Lay", so der Titel des Drittlings, gestolpert und muss zugeben, dass ich diese Entdeckung auch nicht wirklich verfluche. Im Gegenteil: Mit ihrer Mischung aus SUIDAKRA, ADORNED BROOD (sowohl die giftig-harschen als auch die klaren Vocals von Pablo Heist erinnern z.B. daran) und einer gigantischen Buddel voll Seefahrt-Flair bilden THE PRIVATEER schon zu Beginn, wenn im Orchestral-Intro "Preamble" für die passende Einstimmung gesorgt wird und dann in "Where Fables Are Made" deftige Riffs auf einprägsame Chöre und schwermütige Violinenklänge treffen, einen interessanten Gegenpart zu den weitaus folkigeren und fröhlicheren ALESTORM. Das soll also diese Band sein, die keine wirklichen Songhighlights erschaffen kann? Nun gut, Geschmäcker sind verschieden und möglicherweise haben die Breisgauer ja auch einfach hart an sich gearbeitet (die früheren Veröffentlichungen kenne ich noch nicht).

Was man auf "The Goldsteen Lay" zu hören bekommt ist in Anbetracht der doch kritischeren Töne jedenfalls überraschend gut. Dabei sind es nicht nur die positiv hervorstechenden Vocals, die mich überzeugen, sondern vor allem auch die ausgefeilten Instrumentals, die immer wieder für Reizpunkte sorgen, indem beispielsweise in "Draft Of The Strange" die Leadgitarre und die Violine wetteifern, in "Gunpowder Magic" und "As We Saw Some Path" dezente NWOBHM-Twin-Gitarren-Zitate durchschimmern, im Instrumental "Derelict" akustische Klänge für gediegende Stimmung sorgen oder in "Wide In The Open" und "Survival Of The Quickest" auch mal einige Melodic-Death-Anleihen das Ruder übernehmen. Gerade dieser Spagat zwischen verschiedenen Stilistiken scheint für THE PRIVATEER keine allzu große Herausforderung (mehr) zu sein, weswegen "The Goldsteen Lay" ein durchaus abwechslungsreiches und klanglich dennoch zusammenhängendes Album.

Ein Album, dessen Alleinstellungsmerkmale (die Violine, die vielen Gesangsvariationen, der Härtegrad) angenehm unaufdringlich in Erscheinung treten und sich viel lieber in  Songdienlichkeit üben: Die Streicher sind stets darauf bedacht, der Thematik als atmosphärisches Sprachrohr zur Hand zu gehen ("Arrival"), gesanglich liefern sich Pablo Heist und Clara Held ein um's andere Mal Duette, während hin und wieder auch die ganze Band für Gruppengesänge zu haben ist und man so ein überzeugende Szenerie aufbaut, die durch die oftmals gleichwertigen Gitarrenwände und donnernden Schreie nie in Kitsch getränkt wird, sondern über weite Strecken einen ausgefeilt-reifen Gesamteindruck macht, der selten von höchstens kleineren zähen Phasen getrübt wird.

Das wiederum ist aber komplett nebensächlich, da man sich im Gegenzug mit "The Island, It's Calling" den zweifelsohne besten Song, der sämtliche Markenzeichen der Band mit famoser Atmosphäre sowie minimalen Orchesterparts bündelt und so ein Mittendrin-Gefühl erzeugt, für die Schlussakkorde aufgehoben hat und damit ein insgesamt beeindruckend gutklassiges Album mehr als nur würdig abschließt. THE PRIVATEER können mich mit also mit "The Goldsteen Lay" überzeugen und gleichzeitig auch das Soundspektrum des Pirate Metal erweitern. An Highlights mangelt es dem dritten Werk in der Diskografie der Freiburger Seeräuber dabei zumindest meiner Meinung nach nicht und trotz besagter Schwächephasen bekommt der (Folk-)Metalfan mit Affinität zu Themen rund um die Seefahrt hier ein autarkes, unaufgeregtes, gut produziertes und bilderreiches Werk voller Leidenschaft serviert, dem er (und natürlich auch scheuklappenfreie Anhänger oben genannter Bands) definitiv mal eine Chance geben sollte(n). 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (24.07.2017)

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