Make Them Suffer - Worlds Apart

Artikel-Bild
VÖ: 28.07.2017
Bandinfo: Make Them Suffer
Genre: Death Metal
Label: Rise Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Australien, Heimat des modernen Metals. Der Kontinent, der unter anderem Bands wie PARKWAY DRIVE oder THY ART IS MURDER hervorbrachte, beherbergt meiner Meinung nach noch eine ganz besondere Truppe: MAKE THEM SUFFER. Die Melodic-Deathcore (gibt es so etwas?) Combo veröffentlicht nun mit „Worlds Apart“ ihr drittes Album, inklusive Neubesetzung des Keyboarders. Wie und ob sich das Wegfallen von Louisa Burton auf den Sound der Mozart-Core’ler auswirkt, wird sich zeigen.

Direkt vorweg: „Worlds Apart“ bewegt sich nicht wieder in Richtung „Neverbloom“, sondern entwickelt den Sound des letzten Albums bewusst weiter und kreiert so seine ganz eigene Stimmung. Wem also „Old Souls“ nicht gefallen hat, der dürfte mit der neusten Platte auch wenig anfangen können.

Worlds Apart“ kommt mit zehn Songs und einer Laufzeit von knapp 40 Minuten daher, wobei „Contact“ in der Mitte des Albums nur eine Überleitung darstellt. Man darf sich also auf gewohnt etwas überdurchschnittlich lange Tracks einstellen. Sofort aber ungewöhnlich: MAKE THEM SUFFER verzichten auf ein ausgedehntes atmosphärisches Intro, wie es auf den Vorgängern zu hören war. „The First Movement“ überrascht mit einem verhältnismäßig hohen Anteil an weiblichem Cleangesang, vernachlässigt aber nicht die typischen Genickbrecher-Riffs der Band. Einzig die Atmosphäre, die den Sound von MAKE THEM SUFFER immer ausmachte, kommt hier ein wenig zu kurz. Anders beim nachfolgenden „Uncharted“, das auch schon im Vorhinein als Single veröffentlicht wurde. Die Nummer zwei des Albums strotzt nur so vor den Vibes von „Old Souls“ inmitten von wunderschönen Klavierstücken und entschleunigtem Core. Auch mit „Grinding Teeth“ geht es insgesamt etwas langsamer zu, der Fokus liegt hier mehr auf der erstklassigen Gitarrenarbeit, die sich in einem wirklich abwechslungsreichen und vollen Riffing manifestiert.

 „Vortex (Interdimensional Spiral Hindering Inexplicable Euphoria)“ ist nicht nur der Song, den ich allein für seinen Titel lieben muss, sondern auch derjenige, der mich von den vorab zu hörenden Tracks am meisten überzeugt hat. Allein der Anfang mit seinem atemberaubenden Tempo und dem düsteren Alien-Thema hätte gereicht, aber dass Screams, Riffung, Cleans und Synths es schaffen, den Bogen von „Neverbloom“ zu „Old Souls“ zu schlagen, ohne dabei zusammengewürfelt zu klingen, haut mich dann einfach um. Wie es schon im Song selbst heißt: „Vortex completes the cycle.“ Auch die Idee, den wirklich langen Titel im Song in Form eines gescreamten Morsecodes unterzubringen, empfinde ich nicht nur als innovativ, sondern auch als nettes Easter Egg, das es erst einmal zu entdecken gilt. Im Stil von „Uncharted“ geht es weiter mit „Fireworks“: Viel Klavier, wenig Tempo, ein Gefühl von Fortsetzung des letzten Albums. Einzig interessant ist, dass sich Screamer Sean gegen Ende selbst an eine Clean Passage wagt (zumindest klingt es so).

Gerade als ich dachte, ich hätte alles gehört, was „Worlds Apart“ zu bieten hat, geben mir MAKE THEM SUFFER mit „Contact“ einen Moment zum Durchatmen, der, wie sich zeigen wird, auch nötig ist. Denn auch wenn ich es nicht erwartet hatte, hält sich die Band an den alten Grundsatz ‚Das Beste kommt zum Schluss‘. „Power Overwhelming“ kommt überraschend groovig, aber auch zielgerichtet daher, immer mit einem Augenzwinkern. Hier zeigt sich, dass „Contact“ weniger eine Überleitung als eine Einleitung in einen kleinen Stilbruch innerhalb des Albums war. Denn auch das nach einem längeren Outro zu hörende „Midnight Run“ zeigt, was MAKE THEM SUFFER neben düsteren Geschichten und Klaviereinlagen a lá „Widower“ noch draufhaben: Richtig fetten Deathcore, der einem allein durch das Hauptriff den Staub aus jeglichen Gehirnwindungen bläst. Dasselbe gilt für „Dead Plains“, das zu Großteilen auch genauso von den oben genannten Kontinentkollegen THY ART IS MURDER hätte stammen können. Statt das Album jedoch mit einem Knall enden zu lassen, stellt die Band mit „Save Yourself“ wieder ein „Old Souls“-mäßigeres Stück (inklusive Suizuidthematik) an den Schluss, das einen würdigen Abschluss bildet.

Worlds Apart“ ist ein innovatives und abwechslungsreiches Album geworden, das weder etwas für jeden ‚normalen‘ Deathcore-Fan, geschweige denn etwas für jeden Fan der Band sein dürfte. MAKE THEM SUFFER experimentieren in den neun vorhandenen Songs viel, aber behalten in großen Teilen einen roten Faden bei. Wo die Komplexität der Vorgänger etwas reduziert wurde, wurde die Zugänglichkeit zum neuen Sound aber erhöht. „Worlds Apart“ braucht ein wenig Geduld und Hingabe, um zu erkennen, was dahinter steckt. 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (30.07.2017)

WERBUNG: Hard
WERBUNG: Rockhouse Bar